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20. April 2015, 18:04 Uhr

Arbeitskampf bei der Bahn

Lokführer wollen ab Dienstag streiken

Der nächste Arbeitskampf bei der Bahn steht bevor. Die Lokführergewerkschaft GDL bestreikt ab Dienstag den Güterverkehr. Am Mittwoch und Donnerstag müssen sich auch Bahnreisende auf Zugausfälle und Verspätungen einstellen.

Es ist die siebte Streikaktion im aktuellen Tarifkonflikt: Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat bei der Deutschen Bahn einen neuen Ausstand angekündigt. Zunächst werde der Güterverkehr bestreikt, teilte die Gewerkschaft am Montag mit - von Dienstag um 15 Uhr bis Freitag um 9 Uhr.

Im Personenverkehr wollen die Lokführer am Mittwoch und Donnerstag die Arbeit niederlegen: Dieser Streik beginne am Mittwoch um 2 Uhr und ende am Donnerstag um 21 Uhr. Er dauere somit 43 Stunden, heißt es in der Mitteilung.

Damit dürfte der Zugverkehr vor allem am Mittwoch und Donnerstag schwer gestört werden. Bahnreisende müssen sich auf Zugausfälle und Verspätungen einstellen.

Die Lokführergewerkschaft GDL hatte am Sonntag nach den gescheiterten Tarifgesprächen offiziell beschlossen, erneut zu streiken. "Es wird ganz Deutschland betroffen sein", kündigte ein Sprecher an. Die Entscheidung wurde vom dreiköpfigen geschäftsführenden GDL-Vorstand um Gewerkschaftschef Claus Weselsky getroffen.

Die Gewerkschaft kritisierte, auch nach 16 Tarifrunden fehlten noch Ergebnisse in zentralen Fragen. Immer wieder behaupte die Deutsche Bahn, "sie müsse prüfen und bewerten, macht zuerst Zugeständnisse und dann wieder eine Rolle rückwärts", heißt es in einer GDL-Mitteilung.

Am Freitag seien die Verhandlungen daran gescheitert, dass die Lokrangierführer von der Bahn niedriger eingestuft werden sollten als ihre Kollegen auf der Strecke. Ein zweites Berufsbild als "billiger Jakob" sei mit der GDL nicht zu machen, hatte Weselsky erklärt.

Bahn fordert Rücknahme des Streikaufrufs

Die Deutsche Bahn forderte die Gewerkschaft am Montagabend auf, ihren Streikaufruf zurückzunehmen. "Diese Streiks sind für niemanden nachvollziehbar", sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. Eine faire Lösung könne es nur am Verhandlungstisch geben, betonte er.

"Wir verstehen nicht, warum die GDL den bislang gemeinsam erreichten Zwischenstand zum Flächentarifvertrag nicht festhalten will", sagte eine Bahn-Sprecherin. Wenn dies passiere, könnten beide Seiten am nächsten Montag "wie geplant" über die Angebote zu höheren Löhnen und weniger Belastung reden. Den Vorwurf, eine Verzögerungstaktik zu verfolgen, wies sie zurück. "Wir wollen zu einem Ende kommen", versicherte sie. Streik sei hier kein taugliches Mittel.

Die Lokführergewerkschaft strebt für ihre Mitglieder im Zugpersonal eigene Tarifverträge an. Bislang hat die Spartengewerkschaft nur für Lokführer Abschlüsse vereinbart. Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche.

Die GDL ist in dem Konflikt bisher sechsmal in den Ausstand getreten. Zuletzt hatten die Lokführer Anfang November gestreikt. Viele Bahnreisende haben die Streiks inzwischen gehörig satt. Eine Umfrage kam jüngst zu dem Ergebnis, dass drei von vier Deutschen der Lokführergewerkschaft misstrauen.

Zusammengefasst: Die jüngste Tarifrunde zwischen Bahn und Lokführergewerkschaft GDL ist gescheitert. Jetzt hat die GDL neue Streiks angekündigt. Im Güterverkehr dauert der Ausstand von Dienstag bis Freitag, im Personenverkehr von Mittwoch um zwei Uhr morgens bis Donnerstag um 21 Uhr abends. Reisende müssen mit erheblichen Beeinträchtigungen des Bahnverkehrs rechnen.

bos/dpa

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