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10. November 2014, 10:03 Uhr

Streit mit der Bahn

GDL-Chef Weselsky hält Einigung vor Weihnachten für möglich

Im Bahn-Streit scheint sich die Lage zu entspannen. Lokführer-Gewerkschaftschef Weselsky kann sich vorstellen, sich noch vor Weihnachten mit dem Konzern zu einigen. Andere GDL-Funktionäre fordern jedoch, hart zu bleiben.

Berlin - Nach dem längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn fahren die Personenzüge seit Montag wieder nach dem normal Fahrplan. Und auch im Tarifstreit zwischen GDL und Konzern bröckeln die Fronten. Der Chef der Lokführergewerkschaft, Claus Weselsky, sendet versöhnliche Signale an den Bahn-Vorstand und die Kunden und stellt eine Lösung im festgefahrenen Tarifkonflikt vor Weihnachten in Aussicht. "Sicherlich ist eine Einigung möglich, wenn wir endlich über die Inhalte verhandeln können", sagte Weselsky am Montag im ZDF-"Morgenmagazin".

"Sie wissen, dass wir kompromissbereit sind", sagte Weselsky weiter. "Wenn wir fünf Prozent fordern, bildet sich niemand ein - auch nicht der Vorsitzende -, dass wir fünf Prozent bekommen", sagte der GDL-Chef. Nach Angaben von Bahn und Gewerkschaft gibt es bisher aber noch keine Verhandlungstermine.

Die Gewerkschaft GDL hatte ihren Streik am Samstagabend beendet - nach 64 Stunden im Personenverkehr und 75 Stunden im Güterverkehr. Ursprünglich sollte der Ausstand bis Montagfrüh dauern, Weselsky hatte ihn nach zwei Siegen vor Gericht gegen die Bahn jedoch überraschend als "Geste der Versöhnung" vorzeitig beendet.

Weniger harmonisch klang jedoch der GDL-Bezirksvorsitzende für Berlin, Sachsen und Brandenburg, Frank Nachtigall. Er drohte mit weiteren Streiks, sollte es keine Einigung geben: "Wenn die Bahn nicht nachgibt, ist das einzige Mittel, was der GDL zur Verfügung stehen würde, der Streik."

Dennoch wolle die Gewerkschaft in zügige neue Gespräche mit dem Arbeitgeber einsteigen. "Wir werden uns im Laufe des Tages sicherlich mit dem Bundesvorsitzenden absprechen und dann hoffe ich mal, dass wir zu einem Termin kommen", sagte Nachtigall dem rbb Inforadio.

GDL bereit zu parallelen Verhandlungen der Bahn mit EVG

Auch der Vorsitzende der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner, warnte vor weiteren Streiks. Als Grund dafür nannte er die mangelnde Kompromissbereitschaft Weselskys. "Ich befürchte, wenn diese Haltung weiter so besteht, wird es zu weiteren Streiks kommen", sagte Kirchner im "Deutschlandfunk". Der EVG-Chef forderte die GDL in Tariffragen erneut zu einer "fairen Kooperation" auf. Beim Vorgehen der GDL gehe es in der Sache nicht um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen, sondern um den eigenen Machtbereich.

Größter Streitpunkt zwischen der Bahn und der GDL ist, dass die Lokführergewerkschaft nicht nur mehr Geld und bessere Arbeitszeiten fordert, sondern auch für das übrige in der Gewerkschaft organisierte Zugpersonal mitverhandeln will. Dieses wird bislang von der EVG vertreten.

Weselsky erklärte sich am Wochenende bereit, dass parallele Verhandlungen der Bahn mit GDL und EVG zur gleichen Zeit und am gleichen Ort stattfinden. Der Konzern will jedoch konkurrierende Tarifverträge einzelner Berufsgruppen verhindern.

yes/dpa

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