Güterverkehr Bahn-Tochter DB Cargo steigert Verluste

Die Krise in der Auto- und in der Stahlindustrie schlägt fast ungefiltert auf die Bahn-Tochter DB Cargo durch. Im Entwurf eines Briefes an Verkehrsminister Scheuer ist von weiter gestiegenen Verlusten die Rede.

Güterverkehr der Bahn: Nicht von heute auf morgen besser
Sean Gallup/Getty Images

Güterverkehr der Bahn: Nicht von heute auf morgen besser


Die krisengeschüttelte Güterbahn rutscht einem Bahn-Dokument zufolge immer tiefer in die Krise. Die wirtschaftliche Lage von DB Cargo sei "dramatisch", heißt es im Entwurf eines Schreibens der Deutschen Bahn an Verkehrsminister Andreas Scheuer, der der Nachrichtenagentur Reuters vorlag.

So spitze sich die aktuell schwierige Lage bei DB Cargo weiter zu. "Der jüngste Konjunkturrückgang insbesondere in den für DB Cargo kritischen Branchen Automotive und Stahl lässt für 2019 einen deutlich über 2018 liegenden Verlust erwarten."

Da hatte Cargo 190 Millionen Euro Verlust gemacht, der 2019 eigentlich reduziert werden sollte. Die Gefahr eines Zwangs zur erneuten Abschreibung des Unternehmenswertes wie schon 2015 steige, heißt es weiter. Damals hatte die milliardenschwere Abschreibung den gesamten Konzern in die Verlustzone gedrückt.

Bahn: Entwurf noch nicht abschließend beraten

Die Bahn erklärte zu dem Brief-Entwurf, es handele sich dabei um eine von Referenten zusammengestellte und noch nicht abschließend verifizierte Stoffsammlung. Die Sachverhalte seien vom Konzernvorstand nicht final beraten oder beschlossen worden.

Verkehrsminister Andreas Scheuer hatte in einem Brief an Bahnchef Richard Lutz mehr Tempo bei Verbesserungen insgesamt angemahnt und ein Konzept bis Mitte November verlangt. Einen Schwerpunkt hatte er auf die Lage der Güterbahn DB Cargo gelegt. Hintergrund ist, dass der Eigentümer Bund der Bahn im Zuge des Klimapakets jährlich mit Milliarden-Beträgen helfen will. Dafür will er aber Gegenleistungen.

Bahn-Chef Lutz wehrte sich inzwischen in der "Zeit" öffentlich gegen das Ultimatum Scheuers: "Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht", sagte er laut Vorabbericht. Man könne nicht von heute auf morgen rundum besser werden.

In dem Brief-Entwurf wird darauf hingewiesen, dass man bei DB Cargo an vielen Stellen wie etwa der Kundenzufriedenheit Verbesserungen erreicht habe. Ein "Weiter so" dürfe es aber nicht geben: "Der besorgniserregende Zustand erfordert umfassende Sanierungen. Die aktuelle Rezession erhöht dabei den Handlungsdruck massiv." Dabei müsse der Bund helfen: "Die politische Unterstützung und dauerhafte Förderung des Eigentümers ist unabdingbar."

mik/Reuters



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nils1966 23.10.2019
1. Insgesamt kein Wunder
Der Güterbahnverkehr wurde in der Vergangenheit auf Ganzzüge (Masengüter Kohle, Erze, Rohstefft und Stückkgüter wie Autos etc) und den kombinierten Wagenladungsverkehr (Container, Wechselpritschen) reduzuiert. Das sind Züge von eine Ort zum, anderen (Fabriken und Veerarbeitungsorte) ohne jede Quer- und Seitenverbindung , d.h. ohne Rangieren und einem Minimum an Rabgierarbeiter. Das ist natürlich rationell, aber durch die Anbindung an einige wenige industrielle Großkunden auch anfällig für Wirtschaftliche Baisse-Phasen. Verschuldet durch das deutsche Verkehrswesen sind Verluste auch die nach wie vor fehlende, aber seit Jahren vertraglich zugesicherte Anbindung Deutschlands an die Alpentunnel; so ist der Rheintalbahn-Ausbau seit ca. 20 Jahren im katastrophal im Rückstand, was Spediteure lieber auf den Autobahnen fahren läßt. Solange große Einkaufs-Megaläden auf der grünen Wiese (Typ ALDI+LIDL+PENNY+REWE...+ alle dicht beieinander), orsaußerhalb weitab jeglicher Bahnverbindungen erbaut werde, kommt ja nur noch der LKW zwecks Warenanlieferung dahin
nils1966 23.10.2019
2. Nicht wirklich verwunderlich...
Der Güterbahnverkehr wurde in der Vergangenheit auf Ganzzüge (Massengüter Kohle, Erze, Rohstoffe und Stückgüter wie Autos etc) und den Kombinierten Wagenladungsverkehr (Container, Wechselpritschen) reduziert. Das sind Züge von eine Ort zum, anderen (Fabriken und Verarbeitungsorte) ohne jede Quer- und Seitenverbindung, d.h. ohne Rangieren und einem Minimum an Rangierpersonal. Das ist natürlich rationell, aber durch die Anbindung an einige wenige industrielle Großkunden auch anfällig für Wirtschaftliche Schwach-Phasen. Eindeutig verschuldet durch das deutsche Verkehrswesen sind Verluste auch durch die nach wie vor fehlende, aber seit Jahren vertraglich zugesicherte Anbindung Deutschlands an die Alpentunnel; so ist der Ausbau der Rheintalbahn (wichtigster Nord-Süd-Korridor Europas) seit ca. 20 Jahren im Rückstand, was Spediteure lieber (sowie billiger, einfacher, schneller) auf den Autobahnen fahren läßt. Zudem: Solange große Einkaufs-Megaläden auf der grünen Wiese (Typ ALDI+LIDL+PENNY+REWE...+ alle dicht beieinander), außerorts weitab jeglicher Bahnverbindungen erbaut werden, kommt ja nur noch der LKW zwecks Warenanlieferung dahin.
exilator_ 23.10.2019
3.
Ach daher weht der Wind. Mit den vielen Milliarden des Staates sollen die missglückten Bahntöchter entschuldet werden. Ich wette, dass das meiste Steuergeld dafür verwendet werden wird. Die Bundesregierung könnte das verhindern, aber tut Herr Scheuer das? Niemals. exilator
marc.koch 23.10.2019
4. Wenn die Bahn realitätsnahe Anlieferzeiten
hätte, dann würden auch mehr Speditionen die Bahn nutzen. Wenn man aber um 15:30 oder 16:00 Uhr die Annahme schließt, arbeitet der Disponent bei der Spedition noch drei Stunden und muß dann doch den Lkw losschicken. Abgesehen davon sind die innerstädtischen Annahmepunkte fast alle verschwunden. Da stehen jetzt DHL-Stationen mit Lkws drauf oder ach so tolle Eigentumswohnungen zu Mondpreisen.
andrehe 23.10.2019
5. Mehr Steuergeld für die Bahn, fossile Brennstoffe besteuern
Zitat von exilator_Ach daher weht der Wind. Mit den vielen Milliarden des Staates sollen die missglückten Bahntöchter entschuldet werden. Ich wette, dass das meiste Steuergeld dafür verwendet werden wird. Die Bundesregierung könnte das verhindern, aber tut Herr Scheuer das? Niemals. exilator
Die Bahn sollte wieder verstaatlicht werden. Mit einem vom UBA berechneten CO2-Preis von 640 Euro pro Tonne, nur um die Schäden einzupreisen, sollte genug Geld da sein, um die Bahn als ökologische Alternative zu Flugzeug, PKW und LKW zu unterstützen. Gleise, Radwege, Glasfaser - nachhaltige, moderne Infrastruktur - sucht man bei CDU/CSU, SPD, FDP und AfD vergeblich. Man will die Kohle- und Erdöl-Buddies ja nicht verärgern, die gerne Trinkgeld geben und denen die Zukunft der Menschheit auf der Erde völlig egal sind.
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