Seit 2000 Bahn und ThyssenKrupp wussten von Schienenkartell

Die Preisabsprachen für Bahnschienen sind offenbar schon viel früher aufgeflogen, als bisher bekannt. Sowohl die Deutsche Bahn als auch der Stahlkonzern ThyssenKrupp hätten bereits im Jahr 2000 von dem Schienenkartell gewusst, berichtet das "Handelsblatt".
Bahnstrecke bei Bodelsberg: Hatten die Bahn und ThyssenKrupp einen Deal?

Bahnstrecke bei Bodelsberg: Hatten die Bahn und ThyssenKrupp einen Deal?

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ picture-alliance/ dpa

Düsseldorf - Das Kartell der sogenannten Schienenfreunde beschäftigt die Deutsche Bahn und den Stahlkonzern ThyssenKrupp weiter: Beide Konzerne seien erheblich früher über die Preisabsprachen für Schienen informiert gewesen, als bisher bekannt, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf interne Unterlagen der Bahn. Demnach sei der Staatskonzern im Jahr 2000 auf das Kartell gestoßen und habe es der Staatsanwaltschaft Frankfurt gemeldet.

Bisher hatten Bahn und ThyssenKrupp angegeben, erst durch die Razzien 2011 von den Absprachen erfahren zu haben. Die Zeitung zitiert dagegen aus dem Brief eines Bahn-Anwalts an die Staatsanwaltschaft vom August 2000, wonach Unterlagen sichergestellt wurden, "die eindeutig auf Preisabsprachen zu dem Einkauf von Schienen hinweisen". Das Schreiben nenne die später überführten Kartellsünder ThyssenKrupp und Voestalpine. Die Bahn bestätigte dem Blatt die frühen Hinweise an die Staatsanwaltschaft. Diese hätten aber offensichtlich keine Notwendigkeit für Ermittlungen gesehen.

Dabei habe aber auch bei den Konzernen der Aufklärungswille gefehlt, zitierte die Zeitung einen Ex-Bahnmanager. Die Unternehmen hätten sich auf einen Deal geeinigt: Die Bahn akzeptierte überhöhte Preise für Schienen, die als Teil des Schienennetzes ohnehin vom Bund getragen werden, im Gegenzug sei ThyssenKrupp Kunde der Bahn-Frachttochter DB Cargo geblieben. Die Bahn wies dies dem Bericht zufolge zurück, ThyssenKrupp äußerte sich dazu nicht.

ThyssenKrupp plant offenbar Klage gegen Ex-Manager

Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge will ThyssenKrupp aber noch in diesem Jahr gegen einen am "Schienenfreunde"-Kartell beteiligten Ex-Manager vorgehen und ihn auf 103 Millionen Euro Schadensersatz verklagen. Damit wolle sich der Konzern den Zugriff auf die für Manager-Versagen abgeschlossene Haftpflichtversicherung sichern, heißt es in dem Bericht. Außerdem gelte die Klage als Signal an die Beschäftigten des von Kartell- und Korruptionsaffären erschütterten Konzerns.

Zu den 103 Millionen Euro könnten dem Bericht zufolge noch einmal mehrere hundert Millionen Euro kommen, falls ThyssenKrupp in dieser Höhe Schadensersatz an die Deutsche Bahn für die überteuerten Schienen zahlen muss. ThyssenKrupp glaube dem ehemaligen Spartenvorstand nachweisen zu können, dass er eine Schlüsselfigur im Kartell gewesen sei. Dem Vernehmen nach bestreite der Manager alle Vorwürfe; auch bei der Staatsanwaltschaft Bochum, die wegen des Schienenkartells gegen ihn ermittelt.

nck/dpa