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23. Februar 2015, 18:25 Uhr

Konkurrenzdruck

Die Bahn will mehr Bus fahren

Preiskampf zwischen Schiene und Straße? Nicht mit der Deutschen Bahn. Der Konzern baut lieber massiv die Zahl seiner Fernbusverbindungen aus - ums Vierfache.

Berlin - Die Konkurrenz auf dem Fernbusmarkt macht der Deutschen Bahn zu schaffen. Jetzt reagiert das Unternehmen auf den wachsenden Druck in der Branche: mit einer deutlich größeren eigenen Busflotte. Bis Ende 2016 will der bundeseigene Konzern die Zahl seiner Fernbusverbindungen vervierfachen. Von Juli an soll das Streckennetz ausgebaut werden, sowohl innerhalb Deutschlands als - je nach Nachfrage - auch ins Ausland, teilte die Bahn mit.

"Wir können den Fernbusmarkt nicht einfach links liegen lassen", sagte der für den Personenverkehr verantwortliche Bahn-Vorstand Ulrich Homburg. Der Markt habe sich nach der Öffnung im Jahr 2013 viel dynamischer entwickelt als die Bahn dies erwartet hatte. Zum Schutz der Bahn war der Fernbusverkehr in Deutschland bis 2012 per Gesetz weitgehend verboten. Seit der Freigabe boomt der Markt mit immer neuen Anbietern.

Details zu neuen Strecken und Taktfrequenzen gab Homburg zunächst nicht bekannt. "Unsere Wettbewerber interessiert nichts mehr als das", erklärte er. Schienenverbindungen würden wegen des Fernbus-Ausbaus nicht eingestellt. Einen aggressiven Preiskampf will die Bahn mit den Fernbussen nicht führen. "Diese Zeiten sind nach unserer Auffassung vorbei", sagte Homburg.

Für 2014 geht die Fernbusbranche von einer Verdoppelung der Passagierzahl auf gut 16 Millionen aus - davon fuhr ein großer Teil zuvor Bahn. Die Fernbuskonkurrenz belastete das Ergebnis der Bahn im vergangenen Jahr mit 120 Millionen Euro.

Konkurrenzkampf der Fernbusflotten

Die Bahn hat mit ihren derzeit 20 nationalen Fernbuslinien und 25 Verbindungen ins Ausland laut Iges einen Marktanteil von neun Prozent. Zudem kündigte die Bahn an, ihre beiden Fernbus-Anbieter IC Bus und Berlinienbus zu einer Marke zu verschmelzen. An diesem Unternehmen ist die Bahntochter BEX zu 65 Prozent beteiligt.

Anfang Januar hatten sich die größten deutschen Fernbus-Anbieter MeinFernbus und FlixBus zusammengeschlossen. Sie kommen nach Angaben des Berliner Iges-Instituts auf einen Marktanteil von 74 Prozent.

Das Unternehmen MeinFernbus Flixbus kritisierte den Ausbau des Bahn-Fernbusnetzes: Dieser komme zu spät und biete keinen Zusatznutzen, erklärte Geschäftsführer André Schwämmlein. Die Deutsche Bahn täte besser daran, "Ordnung in ihr Kerngeschäft auf der Schiene zu bringen", anstatt privatwirtschaftliche Fernbusunternehmen als "Sündenbock für ihre eigene Misswirtschaft zu missbrauchen".

Auch MeinFernbus Flixbus kündigte mehr Linien und Verbindungen an: Bis zum Jahresende sollen mehr als 50 neue Linien und mehr als 500 neue Direktverbindungen an den Start gebracht werden, wie das Unternehmen am Montag in Berlin mitteilte. Die neuen Linien sollen demnach unter anderem nach Brüssel und Paris führen. Ziel sei ein "Europa-Netz". Darüber hinaus solle das Angebot an Nacht- und Expresslinien erweitert werden

bos/dpa

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