Konkurrenzdruck Die Bahn will mehr Bus fahren

Preiskampf zwischen Schiene und Straße? Nicht mit der Deutschen Bahn. Der Konzern baut lieber massiv die Zahl seiner Fernbusverbindungen aus - ums Vierfache.

Fernbus der Bahn: Aus IC Bus wird Berlinienbus
Deutsche Bahn

Fernbus der Bahn: Aus IC Bus wird Berlinienbus


Berlin - Die Konkurrenz auf dem Fernbusmarkt macht der Deutschen Bahn zu schaffen. Jetzt reagiert das Unternehmen auf den wachsenden Druck in der Branche: mit einer deutlich größeren eigenen Busflotte. Bis Ende 2016 will der bundeseigene Konzern die Zahl seiner Fernbusverbindungen vervierfachen. Von Juli an soll das Streckennetz ausgebaut werden, sowohl innerhalb Deutschlands als - je nach Nachfrage - auch ins Ausland, teilte die Bahn mit.

"Wir können den Fernbusmarkt nicht einfach links liegen lassen", sagte der für den Personenverkehr verantwortliche Bahn-Vorstand Ulrich Homburg. Der Markt habe sich nach der Öffnung im Jahr 2013 viel dynamischer entwickelt als die Bahn dies erwartet hatte. Zum Schutz der Bahn war der Fernbusverkehr in Deutschland bis 2012 per Gesetz weitgehend verboten. Seit der Freigabe boomt der Markt mit immer neuen Anbietern.

Details zu neuen Strecken und Taktfrequenzen gab Homburg zunächst nicht bekannt. "Unsere Wettbewerber interessiert nichts mehr als das", erklärte er. Schienenverbindungen würden wegen des Fernbus-Ausbaus nicht eingestellt. Einen aggressiven Preiskampf will die Bahn mit den Fernbussen nicht führen. "Diese Zeiten sind nach unserer Auffassung vorbei", sagte Homburg.

Für 2014 geht die Fernbusbranche von einer Verdoppelung der Passagierzahl auf gut 16 Millionen aus - davon fuhr ein großer Teil zuvor Bahn. Die Fernbuskonkurrenz belastete das Ergebnis der Bahn im vergangenen Jahr mit 120 Millionen Euro.

Konkurrenzkampf der Fernbusflotten

Die Bahn hat mit ihren derzeit 20 nationalen Fernbuslinien und 25 Verbindungen ins Ausland laut Iges einen Marktanteil von neun Prozent. Zudem kündigte die Bahn an, ihre beiden Fernbus-Anbieter IC Bus und Berlinienbus zu einer Marke zu verschmelzen. An diesem Unternehmen ist die Bahntochter BEX zu 65 Prozent beteiligt.

Anfang Januar hatten sich die größten deutschen Fernbus-Anbieter MeinFernbus und FlixBus zusammengeschlossen. Sie kommen nach Angaben des Berliner Iges-Instituts auf einen Marktanteil von 74 Prozent.

Das Unternehmen MeinFernbus Flixbus kritisierte den Ausbau des Bahn-Fernbusnetzes: Dieser komme zu spät und biete keinen Zusatznutzen, erklärte Geschäftsführer André Schwämmlein. Die Deutsche Bahn täte besser daran, "Ordnung in ihr Kerngeschäft auf der Schiene zu bringen", anstatt privatwirtschaftliche Fernbusunternehmen als "Sündenbock für ihre eigene Misswirtschaft zu missbrauchen".

Auch MeinFernbus Flixbus kündigte mehr Linien und Verbindungen an: Bis zum Jahresende sollen mehr als 50 neue Linien und mehr als 500 neue Direktverbindungen an den Start gebracht werden, wie das Unternehmen am Montag in Berlin mitteilte. Die neuen Linien sollen demnach unter anderem nach Brüssel und Paris führen. Ziel sei ein "Europa-Netz". Darüber hinaus solle das Angebot an Nacht- und Expresslinien erweitert werden

bos/dpa

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Gottloser 23.02.2015
1. MeinFernbus Flixbus kritisiert
Richtig! Es darf keine Konkurrenz geben. Jetzt waren die do gerade daran das Monopol beim Fernbusverkehr aufzubauen und dann kommt doch die Bahn daher und macht ihnen das Leben schwer. Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen von MFFB mal überlegen, was Marktwirtschaft bedeutet. Genau: Konkurrenz belebt das Geschäft. Damit sind sie gegen die Bahn angetreten und sehen sich nun auch wieder neuer Konkurrenz der Bahn gegenüben.
spon-49j-k5ri 23.02.2015
2.
Das sind auch Helden der Arbeit da in der Führungsetage. Die Leute fahren ja nicht Bus weil es toller ist im Stau zu stehen. Die Leute fahren Bus weil der Zug zu teuer ist. Also anstatt da jetzt Geld reinzustecken könnten sie auch einfach das Geld nutzen um Bahntickets Günstiger anzubieten aber ich zahle doch keine 45€ für den Zug wenn der Bus 9€ kostet. Bei 15€ für den Zug wäre das was anderes. Oder 20€. Man man man.
rilepho 23.02.2015
3. Ist das nicht total beknackt?
Die Bahn steigt verstärkt in Busfahrten ein!! Zuerst streicht sie enorm viele Bahnnebenstrecken, dann baut sie überdimensionierte Bahnhöfe, lässt ihre schnellen Züge nur noch an wenigen Haltestellen anhalten, schraubt ihre Preise ins Unendliche und streut ihren Kunden mit viel zu wenig Sonderangeboten kräftig Sand in die Augen. Und dann hängt sie sich an den Trend und beteiligt sich am Verstopfen und Abnützen der Straßen. Die Politik sollte schnellstens eingreifen! Aber nicht Herr Dobrindt mit seinen schrägen Ideen!
FraSoer 23.02.2015
4. Privatwirtschaft vs. Halbstaatliche Unternehmen
Großprojekte der Bahn AG werden teilweise durch den Bund von Steuergeldern bezahlt. Und jetzt möchte man mit rein privaten Unternehmen auf der Straße konkurrieren. Anstatt die umweltfreundlichen Alternative Zug, mit einem durchsichtigen Preismodell für Kunden attraktiv zu machen. "Säng ju foar dräveling wiff se Deutsche Bahn".
danduin 23.02.2015
5. Hier läuft es gewaltig aus dem Ruder
Der Zug ist das umweltfreundlichste Verkehrsmittel das es gibt, und anstatt die Preise zu reduzieren und die Verbindungen zu verbessern, vermüllt nun auch die Bahn die Straße und die Umwelt. Dies ist quasi eine Kapitulation der Umweltpolitik Deutschlands vor dem Straßenverkehr. Die Politik sollte die Bahn in die Pflicht nehmen, dass die Bahn auf der Schiene konkurrenzfähig wird.
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