Stellwerk-Chaos in Mainz Bahn prüft Personalplanung im gesamten Konzern

Nach dem Mainzer Stellwerkchaos lenkt die Bahn ein. In allen 400 Betrieben will sie jetzt prüfen, ob es genug Personal gibt - und notfalls neue Mitarbeiter einstellen.
Gewerkschaftschef Kirchner (l.), Personalvorstand Weber: "Gemeinsam arbeiten"

Gewerkschaftschef Kirchner (l.), Personalvorstand Weber: "Gemeinsam arbeiten"

Foto: Daniel Reinhardt/ dpa

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bahn will als Konsequenz aus dem Chaos am Mainzer Bahnhof die Personalplanung in sämtlichen rund 400 Konzernbetrieben für das laufende und das kommende Jahr neu aufrollen. Betrieb für Betrieb werden Bahn und Betriebsräte gemeinsam den Personaleinsatz überprüfen, sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber am Mittwochabend in Frankfurt am Main nach einem Treffen mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG.

Unternehmen und Arbeitnehmerseite wollten als Konsequenz aus den Problemen in Mainz nun "gemeinsam daran arbeiten, dass sich ein solches Debakel nicht wiederholt", sagte Weber. EVG-Chef Alexander Kirchner bestätigte dies nach dem Treffen: "Wir haben die Reset-Taste gedrückt und werden die Personalplanung in allen Bereichen und allen Betrieben der Deutschen Bahn neu aufsetzen lassen."

Sollten beide Seiten zu dem Ergebnis kommen, dass mehr Personal nötig sei, würden mehr Mitarbeiter eingestellt, betonte Weber. Wie viel zusätzliches Personal die Bahn kommendes Jahr als Folge der Überprüfung in den kommenden Wochen einstellen werde, wollte Bahn-Personalchef Weber nicht sagen. Dies werde "der Prozess der nächsten Wochen zeigen". Überstunden sollen möglichst komplett abgebaut und gewährte Urlaubs- und Ruhetage auch eingehalten werden. Konzernweit sind laut Gewerkschaft acht Millionen Überstunden und neun Millionen Stunden ausstehender Urlaub aufgelaufen.

Keine konkreten Zahlen

Nach den Worten ihres Chefs Alexander Kirchner rechnet die Gewerkschaft mit zusätzlichen Einstellungen. Er wollte sich nicht auf eine genaue Zahl festlegen. Man habe bewusst darauf verzichtet, wie auf einem Basar um Zahlen zu feilschen.

Bahn-Personalvorstand Weber wehrte sich gegen den Vorwurf, bei der Bahn gebe es gar keine Personalplanung. Man nehme den demografischen Wandel ernst, was sich in 20.000 Neueinstellungen in den vergangenen Jahren zeige. Allein im ersten Halbjahr 2013 habe die Bahn 2000 neue Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen. Im Inland beschäftigt die Deutsche Bahn AG mehr als 194.000 Menschen, weltweit sind es rund 300.000.

Mit dem Ergebnis des Krisentreffens setzte die EVG ihre Forderungen durch. EVG-Chef Alexander Kirchner erklärte, das Verhandlungsergebnis sei "ein wesentlicher Erfolg" seiner Gewerkschaft. Die Überprüfungen würden voraussichtlich bis zum 15. Oktober laufen. Am 4. November finde ein erneutes Treffen zwischen Gewerkschaft, Betriebsrat und Bahn statt, bei dem die Ergebnisse diskutiert werden sollen.

Telefonaktion in der Kritik

In Mainz fallen derzeit zahlreiche Züge aus, und der Regionalverkehr läuft nur eingeschränkt. Fernverkehrszüge wie ICE werden teils umgeleitet oder halten an anderen Bahnhöfen. Grund ist ein Personalengpass im Mainzer Bahnstellwerk. Bis Ende des Monats will die Bahn dafür sorgen, dass der Zugverkehr in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt wieder normal läuft.

Die EVG kritisierte auch Bahn-Chef Rüdiger Grube, weil er Stellwerksmitarbeiter in deren Urlaub angerufen hatte. "Dass Mitarbeiter, die dringend Urlaub brauchen, vom obersten Konzernlenker persönlich angerufen werden, halte ich für ein Ding der Unmöglichkeit", sagte Kirchner. Die Bahn verteidigte die Telefonaktion. "Im Interesse unserer Kunden, des Unternehmens und aller unserer über 300.000 Mitarbeiter hat er eine Handvoll Kollegen in Mainz angerufen und sie darum gebeten, sich zu überlegen, ob sie nicht ihren Urlaub verschieben könnten", sagte Konzernsprecher Oliver Schumacher. "Ausdrücklich sollten sie eine Nacht darüber schlafen."

mia/AFP/dpa/Reuters