Gewerkschaftsstreit GDL-Konkurrent will Machtkampf bei der Bahn mit Notar lösen

Die Bahn-Gewerkschaft EVG hat einen neuen Vorschlag zur Lösung des Tarifkonflikts bei der Bahn parat. Sie will einen Notar einschalten, der Mitgliederzahlen prüft. Das soll den Machtkampf mit der Lokführer-Vertretung GDL klären.
Streikende GDL-Mitglieder: Verfahrener Gewerkschaftsstreit

Streikende GDL-Mitglieder: Verfahrener Gewerkschaftsstreit

Foto: THOMAS PETER/ REUTERS

München - Welche Gewerkschaft bekommt bei der Bahn den größten Einfluss? Wer darf für welche Mitarbeitergruppe die Verhandlungen mit der Bahn führen? Um diese Fragen geht es im Tarifstreit zwischen dem Konzern und den Gewerkschaften GDL und EVG. Weil die Verhandlungen nicht vorankommen, müssen Reisende immer wieder Streiks der GDL in Kauf nehmen. Um die Gespräche voranzubringen, hat der Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) nun einen neuen Vorschlag gemacht.

Alexander Kirchner will den Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn mit Hilfe eines Notars entschärfen. "Wir sind bereit, einem Notar unsere Mitgliederdatenbank zu übergeben, wenn die GDL das auch macht", sagte der EVG-Chef der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") . So könnten die Mitgliederzahlen geprüft werden und dann solle jeweils die Gewerkschaft für eine Berufsgruppe in Verhandlungen federführend sein, die dort die meisten Mitglieder habe.

Nach Kirchners Angaben verfügt die EVG über die Mehrheit der Mitglieder bei den Zugbegleitern - anders als von der GDL behauptet. "Aber bitte, lassen Sie es uns gerne ganz genau machen", sagte Kirchner mit Blick auf seinen Notarvorschlag.

Die GDL will künftig bei Tarifverhandlungen auch für Zugbegleiter und andere Bahnmitarbeiter verhandeln, die bislang von der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vertreten werden. Die Bahn will aber keine konkurrierenden Tarifabschlüsse für dieselbe Berufsgruppe.

Lokführer grüßen sich nicht mehr

Kirchner sagte, mittlerweile komme es auf den Bahnhöfen zu schweren Konflikten zwischen den Mitgliedern beider Gewerkschaften. So seien EVG-Mitglieder beleidigt und etwa als Streikbrecher beschimpft worden. "Mittlerweile gibt es GDL-Lokführer, die wegschauen oder nicht mehr grüßen, wenn sie EVG-Kollegen treffen", sagte Kirchner der "SZ".

Im Gespräch mit dem Radiosender Bayern 2 forderte der EVG-Chef die GDL zur Zusammenarbeit auf. "Dort wo Gewerkschaften gegeneinander gearbeitet haben, war es schlecht für die Beschäftigten. Und deshalb unser Angebot an die GDL zu einer fairen Kooperation", sagte Kirchner.

Die EVG wolle im Konzern keine unterschiedlichen Tarifverträge für ein und dieselben Berufsgruppen. "Unter Berücksichtigung, dass die GDL bei den Lokführern die Mehrheit hat, könnte sie bei für die Lokführer spezifischen Themen aus unserer Sicht die Tarifpolitik gestalten", sagte Kirchner.

EVG verlangt besseres Angebot der Bahn

Allerdings müsse auch die Bahn ein Angebot präsentieren, das verhandlungsfähig ist. "Das, was bisher auf dem Tisch liegt, reicht auch uns nicht aus", kritisierte Kirchner. Die EVG verzichtet bislang auf Streikaufrufe. Die Gewerkschaft trifft sich am heutigen Mittwoch mit der Bahn zu einer zweiten Verhandlungsrunde im Tarifstreit. Beobachter hoffen, dass dabei ein Ergebnis herauskommt, das auch den Lokführern von der GDL ein wenig Entgegenkommen signalisiert. Erste Stimmen rufen bereits nach einem Schlichter.

mmq/AFP
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