SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

06. Oktober 2014, 16:18 Uhr

Bahn-Vorschlag abgelehnt

Gewerkschaft GDL kündigt weiteren Streik an

Bahnkunden müssen sich in den kommenden Tagen erneut auf Streiks einstellen. Die Gewerkschaft GDL lehnte ein Verhandlungsangebot der Bahn ab und kündigte einen befristeten Ausstand an. Einen konkreten Termin nannte die GDL aber noch nicht.

Berlin - Zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und der Deutschen Bahn ist im aktuellen Tarifkonflikt keine Annäherung in Sicht. Das dürften Bahnfahrer zu spüren bekommen. Die GDL teilte mit, sie werde in den nächsten Tagen zum flächendeckenden Streik aufrufen. Einen konkreten Termin nannte die Gewerkschaft nicht.

Zusammen mit der Streikankündigung lehnte die GDL auch den jüngsten Vorschlag der Bahn im Tarifkonflikt ab. Der Konzern hatte in einem offenen Brief eine Aussetzung des Tarifkonflikts angeregt. Die Deutsche Bahn hatte vorgeschlagen, die Verhandlungen so lange ruhen zu lassen, bis das von der Regierung angekündigte Gesetz zur Regelung der Kompetenzen von Sparten- und Großgewerkschaften vorliege. In der Zwischenzeit sollten die Lokführer zwei Prozent mehr Lohn erhalten.

GDL-Chef Claus Weselsky wies den Vorschlag scharf zurück: "Erst den Konflikt provozieren und dann nach dem Staat rufen", sagte er laut Mitteilung. Er warf der Bahn erneut vor, sie schüre den Konflikt, um ein Tarif-Einheitsgesetz herbeizuführen, dass die Rechte der Spartengewerkschaften einschränkt. Das Zugpersonal lasse sich nicht einschüchtern, sagte Weselsky. Das beweise die Urabstimmung, bei der in der vergangenen Woche 91 Prozent der Stimmen auf Streiks entfielen.

Kern des Tarifkonflikts ist es, dass die GDL neben den Lokführern nun auch für Rangierführer und Zugbegleiter verhandeln will. Das lehnt die Bahn ab.

Weselsky sagte, die GDL sei zu Kompromissen bereit. "Keine Kompromisse wird es jedoch geben, wenn es um das ureigenste Recht einer jeden Gewerkschaft geht, ihre Mitglieder gegenüber dem Arbeitgeber zu vertreten und für sie Tarifverträge zu schließen", fügte er hinzu.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber kritisierte, der GDL-Führung gehe es "darum, das Terrain von Konkurrenzgewerkschaften erobern zu wollen. Dafür nimmt sie Schaden für Kunden, Mitarbeiter und Unternehmen in Kauf." Die Bahn sei jederzeit zu Verhandlungen über die GDL-Forderungen bereit. Ziel bleibe es aber, konkurrierende Tarifverträge verschiedener Gewerkschaften für ein und dieselbe Berufsgruppe zu vermeiden.

Die Gewerkschaft hatte im aktuellen Tarifstreit bisher zweimal zu Warnstreiks aufgerufen.

mmq/dpa/Reuters

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung