Bahn-Vorschlag abgelehnt Gewerkschaft GDL kündigt weiteren Streik an

Bahnkunden müssen sich in den kommenden Tagen erneut auf Streiks einstellen. Die Gewerkschaft GDL lehnte ein Verhandlungsangebot der Bahn ab und kündigte einen befristeten Ausstand an. Einen konkreten Termin nannte die GDL aber noch nicht.

Streikende GDL-Mitglieder am 1. September: Erneuter Ausstand angekündigt
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Streikende GDL-Mitglieder am 1. September: Erneuter Ausstand angekündigt


Berlin - Zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und der Deutschen Bahn ist im aktuellen Tarifkonflikt keine Annäherung in Sicht. Das dürften Bahnfahrer zu spüren bekommen. Die GDL teilte mit, sie werde in den nächsten Tagen zum flächendeckenden Streik aufrufen. Einen konkreten Termin nannte die Gewerkschaft nicht.

Zusammen mit der Streikankündigung lehnte die GDL auch den jüngsten Vorschlag der Bahn im Tarifkonflikt ab. Der Konzern hatte in einem offenen Brief eine Aussetzung des Tarifkonflikts angeregt. Die Deutsche Bahn hatte vorgeschlagen, die Verhandlungen so lange ruhen zu lassen, bis das von der Regierung angekündigte Gesetz zur Regelung der Kompetenzen von Sparten- und Großgewerkschaften vorliege. In der Zwischenzeit sollten die Lokführer zwei Prozent mehr Lohn erhalten.

GDL-Chef Claus Weselsky wies den Vorschlag scharf zurück: "Erst den Konflikt provozieren und dann nach dem Staat rufen", sagte er laut Mitteilung. Er warf der Bahn erneut vor, sie schüre den Konflikt, um ein Tarif-Einheitsgesetz herbeizuführen, dass die Rechte der Spartengewerkschaften einschränkt. Das Zugpersonal lasse sich nicht einschüchtern, sagte Weselsky. Das beweise die Urabstimmung, bei der in der vergangenen Woche 91 Prozent der Stimmen auf Streiks entfielen.

Kern des Tarifkonflikts ist es, dass die GDL neben den Lokführern nun auch für Rangierführer und Zugbegleiter verhandeln will. Das lehnt die Bahn ab.

Weselsky sagte, die GDL sei zu Kompromissen bereit. "Keine Kompromisse wird es jedoch geben, wenn es um das ureigenste Recht einer jeden Gewerkschaft geht, ihre Mitglieder gegenüber dem Arbeitgeber zu vertreten und für sie Tarifverträge zu schließen", fügte er hinzu.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber kritisierte, der GDL-Führung gehe es "darum, das Terrain von Konkurrenzgewerkschaften erobern zu wollen. Dafür nimmt sie Schaden für Kunden, Mitarbeiter und Unternehmen in Kauf." Die Bahn sei jederzeit zu Verhandlungen über die GDL-Forderungen bereit. Ziel bleibe es aber, konkurrierende Tarifverträge verschiedener Gewerkschaften für ein und dieselbe Berufsgruppe zu vermeiden.

Die Gewerkschaft hatte im aktuellen Tarifstreit bisher zweimal zu Warnstreiks aufgerufen.

mmq/dpa/Reuters



insgesamt 5 Beiträge
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spon-facebook-1321056097 06.10.2014
1.
Von mir aus sollen Zugführer viel höhere Löhne bekommen und ein Jahr nach Berufseinstieg in Rente gehen dürfen. Wenn sie sich allerdings mit ihrer Hauptforderung durchsetzen und damit in Zukunft die Bedingungen für das restliche Bahnpersonal aushandeln dürfen, dann werden Züge bald pausenlos bestreikt werden. Im Übrigen: warum streiken eigentlich Schaffner nie? P.S.: Als Pendler bitte ich um eine Ankündigung mind. 24h im Voraus. Da habe ich allerdings wenig Hoffnung.
Musashi01 06.10.2014
2. Es geht vermutlich einigen zu gut.
Anders kann ich mir bei der gegenwärtigen Wirtschaftslage diese realitätsfernen Forderungen einer Mini-Gewerkschaft nicht erklären. Vermutlich liegt es aber daran, dass hier mal wieder der Kunde in Geiselhaft genommen wird und nicht, wie sonst üblich, ein böser Kapitalist. Es rächt sich ein fehlender Markt. Würde es mehr Wettbewerb geben könnten wir Kunden dieses Problem über unser "Konsumverhalten" selbst aus der Welt schaffen.
susiunddenis 07.10.2014
3. Richtig so!
Wenn Mietglieder der Gewerkschaft der EVG im Bahnvorstand sitzen ist es wohl kein Wunder, dass die Bahner sich aufregen! Zu wenig Personal, zu viele Überstunden (300 und weit, weit mehr! sind keine Seltenheit), keine Möglichkeit diese abzubauen, Unregelmäßige Arbeitszeiten. Wer würde dafür arbeiten gehen, bei einem Gehalt, das mittelmäßig ist? Das Zugpersonal will gleiche Bedingungen, das ist doch auch für jeden verständlich. Wenn die EVG zu allem Ja und Amen sagt sind sie selbst Schuld, wenn die Leute zur anderen Gewerkschaft wechseln. Meiner Meinung hätte die Ankündigung auch 18 Uhr gereicht, damit die Bahn mal merkt was los ist und nicht immer meint sie wären unantastbar. Die Preise für die Tickets steigen jedes Jahr, aber die Gehälter nicht, bzw. nur die vom Vorstand. Jeder Lokführer muss sehr viele Baureihen und Strecken in- und auswendig kennen, Piloten verdienen sehr viel mehr und müssen gerade mal eine Maschine beherrschen, die dann auch noch im Autopilot fliegt. Nein, die Streiks der Gewerkschaften sind gerechtfertigt. Und jeder Reisende sollte bereits mitbekommen haben, dass die Bahn Fehlplanungen hat (kaputte Züge, zu wenig Personal, marode Strecken...) und das Zugpersonal das ausbaden muss.
wgotard 09.10.2014
4. Der Streik ist gerechtfertigt!
Ich möchte nicht für 2000 Euro Brutto Schichtdienst und diese enorme Verantwortung leisten wollen.In unserem Lande gibt es nur noch Eigennützigkeit. Ist man nicht selbst betroffen hat man kein Interresse an dem jewiligen Streikrecht der anderen.Jedesmal der gleiche Anfangssatz der Medien "Ist dieser Streik gerechtfertigt" kann ich schon lange nicht mehr hören ,da man mit solch einer Formulierung jegliches Recht auf Streik untergräbt und aushebeln will. Wer eine vernünftige Arbeit fordert wie seitens der( DB ) sollte auch einen vernünftigen Lohn zum Leben leisten,und nicht wie es in diesem Land schon real ist sich am Niedriglohn zu orientieren !
rogerd 03.11.2014
5. Das Ziel der GDL:
Solange streiken, bis alle Bahnreisenden zu den Fernbussen umgestiegen. Ein Teil der Lokführer wird dann bei den Fernbussen anheuern und sich über deren (schlechtere) Bezahlung wundern.
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