Bahnstreik Vor allem Lokführer folgen dem Streikaufruf der GDL

Man wolle Mitarbeiter aus dem ganzen Konzern vertreten, lautet das Credo der Lokführergewerkschaft GDL. Doch die meisten streikenden Eisenbahner sind Lokführer, zeigen interne Zahlen, die dem SPIEGEL vorliegen. Andere Berufsgruppen sind kaum vertreten.
GDL-Mitglieder im Arbeitskampf

GDL-Mitglieder im Arbeitskampf

Foto: Roberto Pfeil / dpa

Beim Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) haben in großer Mehrheit Zugführer ihre Arbeit niedergelegt. Das geht aus internen Zahlen der Deutschen Bahn hervor, die dem SPIEGEL vorliegen. Demnach sind Stand elf Uhr 3392 GDL-Mitglieder insgesamt im Ausstand, davon 2514 Lokführer. Die Bordgastronomie stellt die zweitgrößte Gruppe mit 579 Streikenden, gefolgt von 187 Eisenbahnern, die in den Werkstätten ihre Arbeit niedergelegt haben.

Gering jedoch ist die Beteiligung etwa bei Fahrdienstleitern mit 23 Personen und 20 in der Signaltechnik. In den über 5000 Bahnhöfen der DB sind nur neun GDL-Mitglieder im Streik. Bei der Bahn wird dies als Beleg gesehen, dass der Organisationsgrad der GDL außerhalb der Führerstände in den Zügen relativ gering sei. GDL-Chef Claus Weselsky indes behauptet, immer mehr Bereiche der Bahn würden von seinen Mitgliedern bestreikt. Dem SPIEGEL gegenüber sagte er, dass seine Gewerkschaft durch den Streik 4000 neue Mitglieder gewonnen habe. »Stand heute haben wir 38.000 Mitglieder«, sagte Weselsky.

Gleichzeitig wehrte sich der GDL-Chef gegen den Vorwurf, er benutze den aktuellen Tarifkonflikt, um der Konkurrenzgewerkschaft EVG Mitglieder abzuwerben. Nur ein Viertel seiner Neuzugänge aus dem vergangenen Jahr sei vorher bei der EVG gewesen, so Weselsky, »Wir organisieren also in ganz hohem Maße Menschen, die vorher bei keiner Gewerkschaft waren. Da kann man mir doch keinen Machtkampf andichten.«

Seit dem frühen Morgen streikt die GDL in ganz Deutschland. Die Bahn kann nur ein Notangebot an Zügen bereitstellen. DB-Personalchef Martin Seiler hatte gestern zum Streikbeginn der GDL ein neues Angebot vorgelegt, das Weselsky am heutigen Donnerstagmorgen zurückgewiesen hat. Im SPIEGEL gab er sich entschlossen, weiterzukämpfen. Selbst eine vierte Streikwelle hält er für nicht ausgeschlossen. An diesem Wochenende trete man 120 Stunden in den Ausstand, sagte Claus Weselsky dem SPIEGEL. »Und da ist sicherlich noch Luft nach oben.«

Die Bahn hatte Donnerstag einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen die Streiks der GDL eingereicht. Streiks seien nur dann zulässig, wenn sie sich im Rahmen des geltenden Rechts bewegten, erklärte die Bahn dazu. »Das ist nach unserer Auffassung bei den Streiks der GDL nicht der Fall.« Das Arbeitsgericht in Frankfurt am Main will noch heute über den Eilantrag der Bahn verhandeln.

Mit Material der AFP.

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