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Über 100 Tote in Textilfabrik: Trauer um Brandopfer in Bangladesch

Foto: Hasan Raza/ AP

Feuer in Textilfabrik Grüner beschwert sich bei OECD über Kik und C&A

Die Unglücke in Textilfabriken in Bangladesch haben jetzt auch politische Folgen: Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Kekeritz will bei der OECD Beschwerde gegen drei deutsche Unternehmen einreichen. Sie hatten in einer Fabrik produzieren lassen, die im November 2012 abgebrannt war.

Berlin - Das verheerende Feuer in der Textilfabrik Tazreen in Bangladesch, bei dem im November 2012 in Dhaka 112 Menschen ums Leben kamen, hat Folgen für die deutschen Auftraggeber des Unternehmens: An diesem Montag will der Grünen-Bundestagsabgeordnete Uwe Kekeritz eine Beschwerde gegen die Textilunternehmen Kik, C&A und Karl Rieker bei der nationalen Kontaktstelle der OECD in Berlin einreichen. Diese muss tätig werden, wenn deutsche Unternehmen im Ausland durch Sorglosigkeit Menschenrechte verletzen. Wird ein Verstoß gegen die OECD-Leitsätze festgestellt und mit dem Unternehmen keine Einigung erzielt, veröffentlicht die Kontaktstelle den Verstoß.

Für Kekeritz, der für die Beschwerde mit Medico International und der Berliner Menschenrechtsorganisation ECCHR kooperierte, sind die deutschen Firmen mitverantwortlich für den Tod der Näherinnen. Er sieht die "Schutzpflicht" der Unternehmen verletzt, die diese gegenüber den Arbeiterinnen hätten: "Sie sind selbst verantwortlich, ihre Lieferketten zu kontrollieren", so Kekeritz.

Firmen sehen Verantwortung nicht bei sich

Die Firmen weisen die Verantwortung von sich. Kik etwa sieht die spät eingetroffene Feuerwehr, die Behörden und die Personen in der Pflicht, "die die Türen verschlossen hatten". Die Firma Rieker betont, nur bei der Holding von Tazreen Aufträge platziert zu haben. Eklatante Sicherheitsmängel in der Fabrik hatte bereits ein Prüfbericht der Business Social Compliance Initiative 2011 festgestellt. Doch diese Organisation, ein Zusammenschluss von Einzelhändlern wie Lidl und Metro, veröffentlicht ihre Prüfberichte nicht. Den Bericht von 2011, rechtfertigt sich demgemäß auch ein C&A-Sprecher, habe man nicht gekannt.

Das Feuer bei Tazreen gilt nach dem jüngsten Einsturz des Rana-Plaza-Gebäudes als eine der schlimmsten Katastrophen der latent unfallgefährdeten Textilindustrie in Bangladesch. Tausende ähnliche Fabriken gibt es in Bangladesch, nicht wenige davon wurden ohne Baugenehmigung errichtet oder aufgestockt. Ein von der Clean Clothes Campaign (CCC) initiiertes Abkommen zum Brandschutz und zur Gebäudesicherheit haben außer Tchibo und dem US-Konzern PVH (Tommy Hilfiger, Calvin Klein) noch keine Unternehmen unterzeichnet.

Außer dem vergleichsweise dürftigen Druckmittel der OECD-Beschwerde werden inzwischen weitergehende Pflichten für deutsche Unternehmen diskutiert, etwa die Ausweitung der Haftung für deutsche Auftraggeber: Dies fordert nicht mehr nur die CCC, sondern auch Grünen-Politiker wie Uwe Kekeritz. In ihrer Werbung, so der Abgeordnete aus Bayern, würden die Firmen besorgt und verantwortungsvoll tun, "aber tatsächlich nutzen sie die strukturellen Probleme in Bangladeschs Textilsektor, um Sicherheitsstandards zu umgehen".

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