Arbeitsbedingungen in Bangladesh Große Modeketten beugen sich Protesten

1127 Menschen sind in der eingestürzten Textilfabrik in Bangladesh getötet worden - jetzt wollen Modemarken wie H&M und C&A für bessere Bedingungen in den Fabriken ihrer Zulieferer sorgen. Auch Bangladeschs Regierung reagiert: Arbeiter sollen sich in Gewerkschaften organisieren können.
Frau sucht Angehörigen: Textilarbeiter sollen unter besseren Bedingungen arbeiten

Frau sucht Angehörigen: Textilarbeiter sollen unter besseren Bedingungen arbeiten

Foto: ANDREW BIRAJ/ REUTERS

Hamburg - Nach dem verheerenden Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch mit mehr als 1100 Toten reagieren mehrere Modeketten nun auf den öffentlichen Druck: Die beiden weltgrößten Bekleidungsriesen H&M und die Zara-Mutter Inditex wollen die Arbeitsbedingungen in dem asiatischen Land verbessern. Man wolle einer entsprechenden Vereinbarung zustimmen, teilte H&M-Managerin Helena Helmersson am Montag mit. Ein Inditex-Sprecher bestätigte, dass der spanische Konzern ebenfalls dabei sein werde. Aus Deutschland wollen sich die Modekette C&A und der Konsumgüterhersteller Tchibo beteiligen.

Zuvor hatte es massive Proteste gegen die Behandlung der Arbeiter in den Textilfabriken gegeben, in denen Kleidung für die großen Modemarken hergestellt wird. Über das Politiknetzwerk Avaaz hatten fast eine Million Menschen gegen die Sicherheitsbedingungen in den Fabriken des südasiatischen Landes protestiert.

Die Internationale Arbeitsorganisation, Gewerkschaften wie Industriall und andere haben die auf fünf Jahre angelegte Vereinbarung ausgehandelt, deren finaler Entwurf am Mittwoch veröffentlicht werden soll. Ein Industriall-Sprecher forderte andere Einzelhändler wie Gap und Wal-Mart auf, sich ebenfalls anzuschließen.

Die neuen Regeln beinhalteten eine Stärkung der Arbeitsrechte, eine höhere Gebäudesicherheit mit mehr Brandschutz, bessere Ausbildung sowie finanzielle Unterstützung. Calvin-Klein-Mutter PVH habe signalisiert, sich ebenfalls mit einem Millionenbeitrag beteiligen zu wollen. Das Abkommen soll einen Schlussstrich unter eine Serie von Unglücken in der Textilindustrie von Bangladesch ziehen, die die großen Bekleidungshersteller in Verruf brachte. Ihnen wird vorgeworfen, die Bewohner des südasiatischen Landes als billige Arbeitskräfte zu missbrauchen.

Auch die Regierung von Bangladesch hat auf das Unglück reagiert: Sie kippte eine Regelung, wonach die Arbeiter für die Gründung einer Gewerkschaft die Zustimmung des Fabrikbesitzers brauchen. Bereits am Sonntagabend hatte das Kabinett entschieden, den gesetzlichen Mindestlohn von Textilarbeitern anzuheben. Dieser liegt derzeit bei etwa 30 Euro pro Monat. Eine neue Summe wurde aber noch nicht festgelegt.

Die Rettungskräfte haben ihre Suche nach Opfern in dem eingestürzten Fabrikgebäude eingestellt. Nach offiziellen Angaben wurden bis Montagabend 2438 Verletzte und 1127 Leichen geborgen.

ade/Reuters/dpa