Bank-of-America-Fake auf Google+ "Occupy-Leute, wir pfänden eure Konten"

Erst seit kurzem steht das soziale Netzwerk Google+ auch Unternehmen offen. Das nutzten Spaßvögel aus: Sie fälschten den Auftritt der Bank of America - und präsentierten das ehemals größte Kreditinstitut der USA als eine Ansammlung dreister und gieriger Pöbler.

Bank-of-America-Zentrale in Charlotte: Scherzbolde hatten leichtes Spiel
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Bank-of-America-Zentrale in Charlotte: Scherzbolde hatten leichtes Spiel


Hamburg - Wer in der vergangenen Woche die Präsenz der Bank of America in Googles sozialem Netzwerk besuchte, mag sich gewundert haben. "Wir setzen alles daran, so viel Profit wie möglich aus Zinswucher, Nötigung, Bestechung, Insiderhandel und Kartengebühren zu schlagen", stand da als Selbstbeschreibung der ehemals größten Bank der USA zu lesen. Darüber prangten eine Reihe unvorteilhafter Porträts des Ex-Bankchefs Ken Lewis.

Was manche Besucher der Google+-Seite als gnadenlose Aufrichtigkeit gewertet haben mögen, war in Wirklichkeit ein Scherz: Unbekannte hatten unter der Identität des Kreditinstituts eine Seite eingerichtet - nur einen Tag, nachdem Google auch Unternehmen die Möglichkeit eingeräumt hatte, sich auf ihrem sozialen Netzwerk zu präsentieren. Wie unter anderem die US-Blogs von Cnet, Sophos und TPM berichten, brauchte es dazu nicht einmal besondere Computerkenntnisse - es reichte offenbar, die offizielle Web-Seite des Bankhauses zu verlinken.

Die Spaßvögel nutzten die Sicherheitslücke für eine Reihe mehr oder weniger origineller Scherze: So luden sie unter anderem zur "großen Firmenparty im zwangsversteigerten Haus Nummer 2340087". In einem anderen Post machte sich die in der Finanzkrise mit vielen staatlichen Milliarden gerettete Bank vermeintlich über Amerikaner lustig, die ihr Wohneigentum verloren haben: "Sie leben unter einer Zeltplane? Wir auch. Aber meine ist viel größer und kostete Milliarden Dollar mehr."

Den Aktivisten der Occupy-Bewegung sagte die gefälschte Bank-Seite den Kampf mittels ungewöhnlicher Maßnahmen an: "Von morgen an werden die Guthaben aller Occupy-Wall-Street-Demonstranten mit Bank-of-America-Konten als Teil der neuen Finanz-Terror-Abwehr-Strategie beschlagnahmt. Du hältst die Klappe, oder wir pfänden dich."

Inzwischen hat Google die gefälschte Seite aus seinem Netzwerk entfernt - doch die Posse wirft kein gutes Licht auf die Sicherheitsvorkehrungen der Firma. Nach wie vor ist es laut den US-Blogs ein leichtes, mit einer falschen Identität auf Google+ Schindluder zu treiben. Dafür benötigt man nicht einmal Hacker-Kenntnisse, wie sie etwa für das Kapern des Twitter-Accounts des US-Fernsehsenders NBC erforderlich waren. Zwei Tage, bevor sich die Anschläge vom 11. September zum zehnten Mal jährten, verbreiteten Unbekannte dort eine makabere Meldung eines erneuten Flugzeug-Angriffs auf Ground Zero.

fdi



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