Falsche Internetseite Aktivisten verspotten Bank of America

Der Scherz kam pünktlich zu den Quartalszahlen. Kritiker der Bank of America haben eine gefälschte Internetseite ins Netz gestellt. Ihre Botschaft: Die mit Staatsgeldern gerettete Bank könnte schon bald den Bürgern gehören.

Falsche Homepage: "Ich will, dass meine Bank Großmütter in ihren Häusern wohnen lässt"

Falsche Homepage: "Ich will, dass meine Bank Großmütter in ihren Häusern wohnen lässt"


Hamburg - Mit einer gefälschten Internetseite haben Aktivisten in den USA das größte Geldhaus des Landes auf die Schippe genommen. Die Bank of America Chart zeigenwar eines der Kreditinstitute, die in der Finanzkrise mit Milliardenhilfen gerettet werden mussten. Nun werde aus dem Unternehmen eine Bank für Amerika, heißt es auf yourbofa.com.

Zu der gefälschten Seite bekannten sich verschiedene Gruppen, die nach eigenen Angaben über die Plattform Yes Lab zusammenkamen. Diese kooperiert mit den Yes Men, einem Aktivistenduo, das schon häufig für Schlagzeilen sorgte. Als Globalisierungskritiker fälschten die Yes Men unter anderem die Homepage der Welthandelsorganisation und brachten eine gefälschte Millionenauflage der "New York Times" in Umlauf.

Auf der falschen Bank-Homepage richtet sich Bank-Chef Brian T. Moynihan mit einem vermeintlichen Grußwort an die Bürger Amerikas. "Es ist heute an der Zeit anzuerkennen, dass unsere Bank nicht mehr funktioniert - nicht nur für den Markt, sondern für die Menschen, unsere wahren Kunden", heißt es. Zahlreiche Gerichtsverfahren und Klagen sowie eine drohenden Zerschlagung brächten die Bank in eine unsichere Lage. Hinzu kämen die Hypothekenkrise in den USA und hohe Investitionen in Kohle in Zeiten des Klimawandels.

Wie 2008 werde jetzt wieder die Hilfe der Steuerzahler benötigt, um die Bank am Leben zu erhalten. Da das Institut nach der Rettung weiter gemacht habe wie bisher, sollten jetzt die Bürger selbst das Ruder übernehmen. Auf der Seite kann jeder in 200 Zeichen kommentieren, wie er sich seine "Bank der Träume" wünscht.

Am Donnerstag gab es auf der Seite bereits Hunderte Einträge. Wüste Beschimpfungen standen neben ernstgemeinten Vorschlägen für mehr Transparenz und Einsatz für das Gemeinwohl. "Ich würde es bevorzugen, von jemanden mit einer Waffe ausgeraubt zu werden", hieß es in einem Beitrag.

Auch das Dementi war gefälscht

Schon am Mittwoch hatte die Medien ein scheinbares Dementi mit dem Hinweis erreicht, die Bank of America beabsichtige nicht, sich in "Your Bank of America" umzubenennen. Freundlich wird darauf hingewiesen, dass die Bank auch "nicht auf die Hilfe der Öffentlichkeit angewiesen ist, um eine bessere Bank zu werden".

In der Mitteilung heißt es weiter: "Das Bankgeschäft ist zu kompliziert, als dass gewöhnliche Menschen es verstehen könnten." Man wolle damit natürlich nicht sagen, dass die Leute blöd seien. "Es hat aber seinen guten Grund, dass es Banker gibt." Trotz desaströser Schulden und anhängiger Prozesse sei das Unternehmen bereit, weiterhin die Vorteile seiner Größe auszunutzen und seine Wachstumsgeschichte fortzusetzen.

Den Menschen vorzugaukeln, sie könnten eine Bank nach ihren Wünschen gestalten, sei gefährlich und erwecke falsche Hoffnungen, heißt es in dem Schreiben weiter. Ein Blick auf die E-Mail-Adresse des Absenders zeigt, was der Leser schon ahnt: Auch die Pressemitteilung ist eine Fälschung von yourbofa.com.

Die Attacke gegen Bank of America kam passend zur Veröffentlichung der Quartalszahlen. Zu Jahresbeginn verbuchte das ehemals mächtigste Kreditinstitut des Landes einen Gewinn von 328 Millionen US-Dollar. Damit blieb die Bank weit hinter den Traumgewinnen mancher Konkurrenten zurück. Im Vorjahreszeitraum hatte der Finanzriese aus North Carolina noch 1,7 Milliarden Dollar verdient.

Die Bank of America war am Donnerstag zunächst nicht für eine Stellungnahme zu der gefälschten Seite erreichbar.

sys



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