Bank of America Windige Deals bescheren US-Großbank Milliardenverlust

Die Nachwehen der US-Immobilienkrise haben bei der Bank of America ein Loch in die Bilanz gerissen. Die US-Großbank machte im zweiten Quartal 9,1 Milliarden Euro Verlust - weil sie Investoren wegen windiger Geschäfte auszahlen musste. Auch bei Goldman Sachs läuft es nicht rund.

Bank-of-America-Logo in New York (2010): Teurer Vergleich mit Investoren
AP

Bank-of-America-Logo in New York (2010): Teurer Vergleich mit Investoren


Charlotte/New York - Die Bank of America muss für windige Hypothekengeschäfte büßen: Die US-Großbank machte im zweiten Quartal einen gigantischen Verlust von 9,1 Milliarden Dollar. Hauptgrund dafür sind Altlasten, die durch die Immobilienkrise entstanden sind.

Eine Gruppe von 22 Investoren, darunter auch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und die BayernLB, zwang das Kreditinstitut zu einem teuren Vergleich. Sie hatten der Bank vorgeworfen, ihnen mit faulen Krediten gedeckte Papiere verkauft zu haben. Die Einigung, die im Juni bekanntgegeben wurde, kostete das Institut 8,5 Milliarden Dollar.

"Die Altlasten aus unserem Hypothekengeschäft haben weiterhin die gute Leistung in unserem Tagesgeschäft überschattet", sagte Bank-Chef Brian Moynihan. Im Vorjahreszeitraum hatte die Bank of America noch einen Gewinn von 2,8 Milliarden Dollar gemacht.

Weil die Bank den Milliardenverlust bereits angedeutet hatte, reagierten die Anleger an der Börse gelassen. Einige Zahlen des Geldhauses wurden sogar sehr positiv aufgenommen. Denn im Privatkundengeschäft und im Investmentbanking konnte die Bank zulegen - trotz der Unruhe an den Finanzmärkten wegen der Euro-Krise in Europa und dem Schuldenstreit in den USA. Ohne die Sonderbelastungen hätte die Bank of America nach eigenen Angaben mehr verdient als im Vorjahreszeitraum.

Ein verhängnisvoller Kauf wirkt nach

Das Kreditinstitut ist der Sorgenfall unter den US-Banken. Es hängt als einziges der großen US-Institute immer noch an der Leine der US-Notenbank Fed und darf nicht frei über sein Geld verfügen. Die Bank hatte in der Finanzkrise den Immobilienfinanzierer Countrywide übernommen - ein schwerer Fehler, wie sich im Nachhinein herausstellte. Denn Countrywide hatte seine Kredite viel zu lax vergeben. In der Krise konnten dann reihenweise Hausbesitzer ihre Raten nicht mehr zahlen. Die Bank of America muss sich nun mit den Verlusten herumschlagen. Zumindest allmählich entspannt sich die Lage jedoch.

Der teure Vergleich mit den Investoren hat auch mit dem Countrywide-Kauf zu tun. Die Investorengruppe hatte von dem Immobilienfinanzierer Hypothekenpapiere gekauft und fühlte sich wegen der miesen Zahlungsmoral der Schuldner betrogen.

Mit dem Milliardenvergleich und zusätzlichen hohen Abschreibungen versucht die Bank of America, einen Schlussstrich unter das Kapitel zu ziehen. Allerdings gibt es andere Investoren, denen die Milliardenzahlung nicht weit genug geht und die den Vergleich deshalb kippen wollen.

Goldman Sachs setzt auf weniger Risiko

Auch die US-Investmentbank Goldman Sachs hatte bei der Präsentation ihrer Zwischenbilanz keinen Grund zum Jubeln. Sie machte zwar mit 1,1 Milliarden Dollar im zweiten Quartal Gewinn, doch der fiel sehr viel magerer aus, als Investoren es von der Bank kennen. Dementsprechend enttäuscht reagierten die Anleger. Goldman verfehlte ihre Erwartungen deutlich. Vorbörslich fiel die Aktie um drei Prozent.

Weil die Schuldenkrise in Europa und den USA vielen Investoren die Lust aufs Spekulieren verdorben hat, entgehen Goldman profitable Geschäfte. Bankchef Lloyd Blankfein sprach von einem schwierigen Marktumfeld. Zudem sei Goldman bewusst weniger Risiken eingegangen. Gerade in den risikoreichen Geschäften stecken aber oft die höchsten Verdienstmöglichkeiten.

Das Geschäft mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen brach gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 53 Prozent ein. Insgesamt gaben die Erträge um 18 Prozent auf 7,2 Milliarden Dollar nach. Ein Lichtblick war das Geschäft mit Börsengängen sowie der Beratung bei Übernahmen und Fusionen. Hier konnte Goldman deutlich zulegen.

In Sachen Gesamtgewinn musste sich die Investmentbank aber dem Branchenprimus JP Morgan Chase Chart zeigen und der Citigroup Chart zeigen geschlagen geben. Beide Geldhäuser verdienten mehrere Milliarden. JP Morgan fuhr unterm Strich 5,4 Milliarden Dollar ein, die Citigroup 3,3 Milliarden Dollar.

mmq/dpa-AFX/dapd/Reuters

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alpenjonny 19.07.2011
1. Wer andern eine Grube gräbt
Gruezi! Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein, gilt auch für die einst so stolze BANK OF AMERICA, auch GOLDMAN/SACHS fischte einen schönen Schuh voller Verluste aus dem Subprime Sumpf, wie man lesen kann. Geschieht den Oberzockern zu Recht, nur auf diese schmerzhafte Art können Lehren aus dem Debakel gezogen werden. Wer trägt nun die Mega-Verluste?
ted211 19.07.2011
2. Verlust der Anleger
Da die Summe in einem Vergleich ausgehandelt worden ist, frage ich mich, wie hoch denn der Verlust der Anleger ist.
wika 19.07.2011
3. Die Zockerei hat kein Ende …
… und dies liegt eben am System. Die nächsten Blasen werden doch mit Regierungshilfe gezüchtet. Ob sie es nun faule Kredite der Häuslebauer nennen oder am Ende Staatsanleihen. Das System ist so angelegt, das der Berg wächst und wächst. Die Wertkorrekturen durch Inflation sind nicht ausreichend. Leider lässt sich die Arbeitskraft des Menschen nicht so exponentiell mehren, wie die anschwellenden Geldberge (auch erfundenes Geld genannt) dies erfordern, um mit der Arbeitsleistung der Menschen den Zinsdienst zu decken zu können. Jetzt hat das System ein Problem, der Spiegel berichtete ja heute schon darüber. Der Gipfel ist natürlich, dass die Politiker zu unserem Wohle jetzt die kollektive Verschuldung machen (Rettungspakete), weil der Normalsterbliche entweder keine Kredite mehr bekommt oder diese wohlweislich ausschlägt. Und die Geschichte endet als Posse, denn man darf mit Fug und Recht behaupten: *"EU Finanzminister wollen Charles Ponzi auszeichen"* … Link (http://qpress.de/2011/07/16/eu-finanzminister-wollen-charles-ponzi-auszeichnen/), den generösen Vordenker der jetzt praktizierten Rettungsmechanismus, denn nichts anderes ist es, dem gerade verbrannten Geld stets frisches nachzuschieben. Deshalb kann man hier über die Banken und deren aktuelle Schmerzen berichten was man will, da ist noch gar nichts geheilt und eine richtige Krise hatten wir auch noch nicht, die klopft gerade an die Tür.
gsm900, 19.07.2011
4. High potentials at work
Zitat von sysopDie Nachwehen der US-Immobilienkrise haben bei der Bank of America ein Loch in die Bilanz gerissen. Die US-Großbank machte im zweiten Quartal 9,1 Milliarden Euro Verlust - weil sie Investoren wegen windiger Geschäfte auszahlen musste. Auch bei Goldman Sachs läuft es nicht rund. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,775313,00.html
und nun hohe Verluste.
ScOuRgE_ 19.07.2011
5. Schaumschläger
Wer glaubt eigentlich ernsthaft, dass dieses Finanzsystem noch dauerhaft überlebensfähig ist? Es taumelt und taumelt und die Herren in den Glastürmen versuchen mit neuen verlogenen Erfolgsmeldungen zu beschwichtigen. Das, was momentan zu beobachten ist, ist einzig, wie sich die vermögenden Oberschichten in den USA und Europa an dieses System klammern und auch keinen Halt davor machen, es mit Steuergeldern wieder und wieder zu stützen. Dabei sind das bloß lebensverlängernde Maßnahmen. Den Sturz werden sie nicht verhindern können. Dieses Finanzsystem ist surrealer als Alice im Wunderland und hat mit Realwirtschaft überhaupt nichts zu tun. Es dient lediglich den Vermögenden größenwahnsinnige Renditeziele zu verfolgen und fortwährend reicher zu werden. Bluten muss dafür der kleine (nicht vermögende) Mann. Nicht umsonst sprechen viele Soziologen mittlerweile von einer Refeudalisierung der Gesellschaft. Wir, in der Hand des Kapitals. Da aber von Umbruchstimmung/Revolution weit und breit nichts zu sehen ist (da sorgen die Medien auch weiterhin für ;) ), bleibt wohl nur abzuwarten, bis der Kollaps eintritt. Dann gilt es, das Ruder herum zu reißen und dem menschenverachtenden Treiben der Oberschicht ein Ende zu setzen.
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