Banken unter Verdacht BaFin ermittelt wegen Manipulation von Währungskursen

Droht ein neuer schwerer Bankenskandal? Mehrere internationale Finanzkonzerne werden offenbar verdächtigt, in großem Stil Währungskurse beeinflusst zu haben. Behörden in Europa, den USA und Asien ermitteln laut "Süddeutscher Zeitung" in dem Fall.
Banken in Frankfurt am Main: Schwerwiegender Manipulationsverdacht

Banken in Frankfurt am Main: Schwerwiegender Manipulationsverdacht

Foto: Boris Roessler/ picture alliance / dpa

Berlin - Die Finanzbranche kommt nicht zur Ruhe: Die EU-Kommission wird hohe Bußen wegen des Skandals um manipulierte Zinssätze verhängen, bis zu 800 Millionen sollen einzelne Banken zahlen. Offenbar drohen den Geldinstituten aber noch viel größere Ermittlungen: Einem Bericht  der "Süddeutschen Zeitung" zufolge stehen mehrere internationale Großbanken im Verdacht, massiv Währungskurse manipuliert zu haben. Finanzbehörden in Europa, den USA und Asien gingen dem nach.

Die Banken hätten möglicherweise Geschäfte mit fremden Währungen in der Absicht getätigt, den Kurs zu einer bestimmten Uhrzeit zu beeinflussen und so mittels Kurswetten Gewinne zu machen. Kennen die Händler künftige Währungskurse, können sie große Summen verdienen, indem sie Wetten darauf abschließen. Erhärte sich der Verdacht, könne der Skandal größere Ausmaße annehmen als der Libor-Skandal, bei dem Banken die Referenzzinsen manipuliert haben sollen, schreibt die Zeitung.

Täglich würden auf dem globalen Devisenmarkt rund fünf Billionen Dollar umgeschlagen, heißt es. Von den Manipulationen wäre demnach jeder geschädigt, der Währungen umtauscht - also nicht nur Großkonzerne, sondern auch Privatkunden. Anhaltspunkte für einen Manipulationsverdacht hätten sich bereits im Oktober ergeben, als die Schweizer Finanzaufsicht mitgeteilt hatte, gegen mehrere Schweizer Institute zu ermitteln. Allerdings war die Dimension unklar geblieben.

Tatsächlich prüft die britische Finanzaufsichtsbehörde FCA die Vorwürfe bereits seit April, die deutsche Bankenaufsicht BaFin ist laut "SZ" im Sommer hinzugezogen worden. "Wir haben bislang keine Anhaltspunkte dafür, dass Händler einer deutschen Bank in Manipulationen involviert waren", sagt der Chef der deutschen Bankenaufsicht, Raimund Röseler. Allerdings seien die Untersuchungen noch nicht beendet.

Auch die Deutsche Bank   hat nach Informationen der Zeitung umfangreiche interne Ermittlungen aufgenommen, sie ist einer der wichtigsten Spieler auf dem Währungsmarkt. Der Konzern hält demnach mit rund 15 Prozent den größten Marktanteil im globalen Devisenhandel, ähnlich groß im Geschäft ist nur noch die US-amerikanische Citigroup.

Auch andere Großbanken sollen derartige Untersuchungen begonnen haben, Barclays   und Citigroup   hätten im Zuge der Ermittlungen in London bereits Händler beurlaubt, schreibt die Zeitung. Die Bundesregierung ist demnach über die Ermittlung informiert, will sich zu Einzelheiten aber nicht äußern. Allerdings scheint man die Vorwürfe ernst zu nehmen. Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte dem Blatt: "Sollten sich die ersten Vermutungen bestätigen", könne es nötig werden, die Regeln für den Devisenmarkt zu ändern.

Außerdem prüft die BaFin derzeit, ob Banken mit Insiderwissen auch am Gold- und Silbermarkt Kurse beeinflusst haben. Dem "Wall Street Journal" zufolge haben Regulierer in den USA und Großbritannien Ermittlungen aufgenommen, die sich gegen eine Handvoll europäischer Institute richteten, darunter die Deutsche Bank.

nck/dpa