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13. September 2013, 15:56 Uhr

Europäische Zentralbank

Banken bunkern weniger Geld in der Angstkasse

Die Banken bringen nur noch wenig Geld bei der EZB in Sicherheit: In der sogenannten Angstkasse der Zentralbank liegt mit 60 Milliarden Euro nur noch ein Bruchteil der Summe von vor zwei Jahren. Die Banken geben sich wieder gegenseitig Kredit.

Frankfurt - Die Geschäftsbanken im Euro-Raum parken ihr überschüssiges Geld nicht mehr bei der EZB. Die im Zuge der Euro-Krise als Angstkasse bekannt gewordenen Einlagen sind stark geschrumpft, wie Zahlen der EZB vom Freitag zeigen.

Diese Entwicklung ist ein Hoffnungssignal: Die kurzfristigen Einlagen bei der EZB gelten als eine Art Angstindikator der Finanzbranche. Je stärker sich die Banken gegenseitig misstrauen, desto mehr nutzen sie die Zentralbank als Tresor. Bei der Notenbank gilt das Geld als sicher, die Institute nehmen dafür einen Mini-Zins von 0,25 Prozent in Kauf.

Je weniger Mittel auf dem Geldparkplatz der EZB liegen, desto besser funktioniert also der Interbankenmarkt, auf dem sich die Institute gegenseitig Kredit geben. Damit steigt auch die Zuversicht, dass die schwächelnde Kreditvergabe im Währungsraum wieder in Gang kommt.

In der Nacht zum Freitag haben die Geldhäuser so wenig Geld wie zuletzt vor zwei Jahren bei der EZB gehortet, zeigen die jüngsten Zahlen. Das Volumen der Übernachteinlagen fiel mit 59,2 Milliarden Euro auf den tiefsten Stand seit August 2011. Zum Vergleich: Mitte 2012, als die Krise im Euro-Raum zu eskalieren drohte, lagerten auf diesen Konten regelmäßig mehr als 800 Milliarden Euro.

Auch Notkredite werden zurückbezahlt

Zudem zahlen die Institute die Notkredite mit ungewöhnlich langer Laufzeit von bis zu drei Jahren, die die EZB auf dem Höhepunkt der Krise verteilt hatte, wieder verstärkt vorzeitig zurück. Die von Notenbankchef Mario Draghi als "Dicke Bertha" bezeichnete Kapitalspritze war dem strauchelnden Finanzsektor Ende 2011 und Anfang 2012 verpasst worden.

Am Freitag teilte die EZB mit, dass in der kommenden Woche weitere etwa drei Milliarden Euro dieser Gelder vor Ende der maximalen Laufzeit von Banken getilgt werden. Von den netto etwa 520 Milliarden Euro, die die EZB ausgereicht hatte, wären damit bereits knapp 330 Milliarden Euro zurückgeflossen.

Die gesamte Überschussliquidität der Banken im Euro-Raum lag zuletzt bei 240 Milliarden Euro. Auch dieser Posten hatte zeitweise die Marke von 800 Milliarden Euro überschritten, als sich die Krise zuspitzte. Eine Reihe von Konjunkturdaten hatte zuletzt eine wirtschaftliche Erholung im Währungsraum signalisiert. Die Kreditvergabe entwickelt sich allerdings weiterhin schwach.

mia/dpa

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