Ansehen von Deutscher Bank und Co. So beliebt wie Nordkorea

Wenn in den Fernsehnachrichten über Großbanken berichtet wird, kommen die fast immer mies weg. In Deutschland ist das Ergebnis besonders erschütternd. Nur eine Branche macht noch schlechtere Schlagzeilen.
Skyline des Frankfurter Bankenviertels

Skyline des Frankfurter Bankenviertels

Foto: © Kai Pfaffenbach / Reuters/ REUTERS

Was haben die Terrororganisation Al-Qaida, die Mafia, Nordkoreas Diktator Kim Jong-Un und die zehn Top-Großbanken weltweit gemeinsam? Ihr Image in der öffentlichen Wahrnehmung ist ähnlich mies. Sogar Syriens Präsident Baschar al-Assad kommt besser weg als Goldman Sachs, Deutsche Bank und Co. - das ist zumindest das Ergebnis einer Auswertung von 20 Fernsehnachrichtensendungen in mehreren Ländern der vergangenen sieben Jahre durch das Schweizer Medienbeobachtungsunternehmen Media Tenor.

Gerade einmal gut zwei Prozent der Berichte hatten Bankprodukte zum Thema; fast 14 Prozent beschäftigten sich hingegen mit Gerichtsverfahren, Ermittlungen und Skandalen der Geldinstitute. Seit 2009 zählten die Schweizer Forscher mehr als 2500 Beiträge in Nachrichtensendungen, die sich darum drehten, wie Banken ihre Kunden mies behandeln. Geht man davon aus, dass TV-Nachrichten pro Tag rund 15 Themen behandeln, wäre es ein halbes Jahr lang ausschließlich vom ersten bis zum letzten Beitrag nur um eines gegangen: Banken und ihre Skandale.

Sogar die Autoindustrie kommt besser weg, trotz Dieselgates und verschlafenem Start in die Elektromobilität. Studienmitautor und Mediatenor-Chef Roland Schatz hat eine Erklärung: "Man könnte meinen, dass es Autohersteller einfacher haben, über ihre Produkte positiv zu sprechen. Doch das ist es nicht. Sie sind es schlicht gewohnt, in Krisensituationen den Mund aufmachen zu müssen. Banken jammern hingegen lieber über die Regulierung."

Besonders schlecht berichten deutsche Medien über Banken, während in Großbritannien, Österreich, Italien oder den USA eher Zurückhaltung geübt wird. Wenig überraschend: Im Fokus stand 2016 die Deutsche Bank, fast 40 Prozent aller Berichte hierzulande drehten sich um das größte deutsche Geldinstitut. Die Commerzbank brachte es auf noch nicht mal zehn Prozent der Sichtbarkeit.

Die Mediatenor-Analyse ist skeptisch, dass sich das üble Image wieder drehen könnte. Nur über die Airlineindustrie und die Deutsche Bahn wurde 2016 noch schlechter berichtet - wenngleich es über die Verkehrsunternehmen viel weniger Beiträge gab, als über die Bankenbranche.

mum

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