Boni-Grenze in der EU Europas Banken basteln hastig an Gehaltssystemen

Die Banken in Europa reagieren auf die schärferen Boni-Regeln der EU. Einem Bericht der "Financial Times" zufolge überarbeiten sie in aller Eile die Gehaltssysteme für ihre Top-Manager - Spitzenbanker können demnach bald mit höheren Grundvergütungen rechnen.

Banker im Londoner Finanzviertel: Höhere Grundgehälter wegen Boni-Deckelung
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Banker im Londoner Finanzviertel: Höhere Grundgehälter wegen Boni-Deckelung


London - Noch hofft Großbritannien, die Pläne der EU für eine Deckelung von Bonuszahlungen an Banker stoppen zu können - die europäischen Finanzinstitute stellen sich jedoch mit großer Eile auf die Regeln ein. Hastig überarbeiten die Banken ihre Vergütungssysteme, bis Ende März wollen sie diese an die neuen Vorschriften angepasst haben, wie die "Financial Times" berichtet. Aller Voraussicht nach werden die Grundgehälter der Spitzenbanker signifikant steigen - und zudem die Erfolgskriterien für Bonuszahlungen erheblich aufgeweicht werden.

Der Hintergrund: Die EU will Bonuszahlungen ab dem Jahr 2014 nur noch etwa in Höhe des Grundgehalts erlauben. Nur bei Zustimmung der Aktionäre wäre eine Sondervergütung in doppelter Höhe des Basisverdiensts zulässig.

Für die Banken in Europa entsteht dadurch erheblicher Zeitdruck, wie die Zeitung unter Berufung auf anonyme Insider in Banken und großen Anteilseignern berichtet. Denn um die neuen Regeln rechtzeitig bei Inkrafttreten 2014 zu erfüllen, müssen die angepassten Vergütungssysteme zumindest für die Bankenvorstände bereits bei den nächsten Hauptversammlungen beschlossen werden. Ansonsten müssten eigens für die neuen Vergütungssysteme außerordentliche Aktionärstreffen angesetzt werden - was die Banken unbedingt vermeiden wollen, da diese Veranstaltungen eine hervorragende Plattform für Kritik an den hohen Vergütungen der Manager darstellen würden.

Weichere Kriterien für Boni

"Unsere Anwälte dachten, sie hätten ihre Arbeit bereits erledigt. Jetzt müssen sie zusehen, alles noch rechtzeitig umzuformulieren", sagte dem Bericht zufolge ein Vergütungsausschuss-Mitglied einer Bank, deren Hauptversammlung bereits im Mai ansteht.

Allgemein werden die Gehaltssysteme wohl in zwei Punkten grundlegend geändert: Die Grundvergütungen werden stark ansteigen - laut Bericht würde ein Banker, der derzeit 1,5 Millionen Pfund (rund 1,72 Millionen Euro) bezieht, künftig etwa 2,0 bis 3,5 Millionen Pfund (2,29 bis 4,0 Millionen Euro) verdienen. Zudem könnten die Erfolgskriterien, die für die Bonuszahlungen gelten, aufgeweicht werden, zitiert die Zeitung einen Vergütungsexperten.

Die Maßnahmen der Banken entsprechen in etwa den Warnungen des britischen Finanzministers George Osborne. Dieser hatte bislang stets argumentiert, die Neuegelungen würden zu höheren Grundgehältern führen sowie zu größeren Schwierigkeiten, Sonderzahlungen an nachhaltige Erfolge zu koppeln.

fdi

insgesamt 18 Beiträge
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Stelzi 11.03.2013
1. Aktionismus
Deshalb haben die Schweizer die Entscheidung über Boni und dergleichen den Besitzern der Banken, nämlich den Aktionären, überlassen, statt per Aktionismus etwas fix zu deckeln, was dann auf einfachste Weise wieder ausgehebelt wird. Aber immerhin kommt so nicht jeder Tölpel der mit fremdem Geld zockt in den Genuss von Zufallsboni, falls es eben doch nicht schief geht. Man darf davon ausgehen, dass die Bankster Aufsichtsräte nicht jedem Hanswurst einen Vertrag mit übermässig üppigem Grundgehalt verpassen - oder etwa doch...?
derlabbecker 11.03.2013
2. komisch...
Zitat von sysopGetty ImagesDie Banken in Europa reagieren auf die schärferen Boni-Regeln der EU. Einem Bericht der "Financial Times" zufolge überarbeiten sie in aller Eile die Gehaltssysteme für ihre Top-Manager - Spitzenbanker können demnach bald mit höheren Grundvergütungen rechnen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/banken-in-der-eu-aendern-ihre-gehaltssysteme-wegen-boni-grenze-a-888052.html
... wenn es um Gehaltserhöhungen für Manager geht sind die so fix, wenn es um 1% mehr für die Belegschaft geht muss diese erst monatelang streiken, um dann mit 0,5% abgespeist zu werden.
joey55 11.03.2013
3.
Zitat von derlabbecker... wenn es um Gehaltserhöhungen für Manager geht sind die so fix, wenn es um 1% mehr für die Belegschaft geht muss diese erst monatelang streiken, um dann mit 0,5% abgespeist zu werden.
Die meisten Arbeiten der unteren Etagen übernehmen mehr und mehr Computer. Deshalb wird in diesem Bereich auch immer mehr Personal abgebaut.
kantundco 11.03.2013
4. Sache der Aktionäre!
Die Gehälter sollten tatsächlich Angelegenheit der Aktionäre sein. Sie haben das Interesse, einerseits gute Mitarbeiter in "ihrem" Unternehmen zu beschäftigen, andererseits daran, falsche Motivation und zu hohe Ausgaben für Personal zu vermeiden. Ist eine Bank nur noch durch staatliche Hilfen überlebensfähig, so muss der Staat eben - wie bei der HRE - zum Aktionär werden, wenn die Bank tatsächlich "systemrelevant" ist. Alles andere ist wieder nur ein Herumdoktern an den Symptomen.
kaitou1412 11.03.2013
5.
Spitzengehälter sollten an das niedrigste Gehalt in der Firma angepasst werden. kA, maximal Faktor 10 oder sowas. Und Boni gleichberechtigt verteilen. Wenn die Firma im Monat 1 M€ Boni generiert, egal welche Person wieviel Boni generiert, sollten die Summe auf alle(!) Angestellten gleich(!) verteilt werden. So könnte man der Schere zwischen arm und reich mehr entgegen treten als jetzt. Niemand einzelner verdient es, megareich zu sein, während 100 seiner Kollegen um jeden Monat ackern müssen!
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