Finanzskandale der Großbanken Die Zocker-AGs

Ihr Fehlverhalten kommt die globale Finanzindustrie teuer zu stehen. Die Rechtskosten der Großbanken durchbrechen erstmals die 300-Milliarden-Dollar-Marke - und das innerhalb von nur fünf Jahren. Mit an der Spitze: die Deutsche Bank.
Bankenviertel in London: Zunehmend mehr Strafzahlungen

Bankenviertel in London: Zunehmend mehr Strafzahlungen

Foto: Peter Macdiarmid/ Getty Images

Erst Ende April 2,5 Milliarden Dollar Strafe wegen der Libor-Manipulation, nun drohen wegen eines milliardenschweren Geldwäsche-Falls in Russland weitere Zahlungen: Es sind nur die jüngsten einer ganzen Reihe von Skandalen, welche die Deutsche Bank erschüttern - und die dazu beitrugen, dass das Vorstandsduo Jain und Fitschen am Wochenende ihren Rückzug von der Bankspitze erklärten. Mehr als 14 Milliarden Dollar musste die größte deutsche Bank laut einer Studie der Londoner CCP Research Foundation  für ihr Fehlverhalten von 2010 bis 2014 zahlen.

Insgesamt belief sich demnach die Summe der Strafzahlungen, Vergleiche, Rückstellungen sowie anderer Rechtskosten der 16 größten Banken der Welt in dem Fünf-Jahres-Zeitraum auf 205,6 Milliarden Pfund (314 Milliarden Dollar). Das ist eine deutliche Steigerung zum Zeitraum von 2009 bis 2013, in dem die Institute rund 170 Milliarden Pfund (260 Milliarden Dollar) für Skandale zahlen mussten.

Die Studie des Instituts, das aus einer Projektgruppe an der London School of Economics entstand, belegt das hohe Ausmaß des Fehlverhaltens der Großbanken auch nach der Finanzkrise ab 2007. Die Forscher werteten für die Studie Dokumente der Aufsichtsbehörden, Jahresberichte der Banken und andere öffentlich zugängliche Quellen aus.

Studienleiter Chris Steares bezweifelt die Bekenntnisse der Branche zu sauberen Geschäftsmethoden. Die Institute beteuerten zwar den Wandel, "aber von Jahr zu Jahr stetig steigende Rechtskosten werfen die Frage auf, ob sich ihr Verhalten tatsächlich zum Besseren verändert", sagte Steares der "Financial Times" ("FT") .

Deutsche Bank im oberen Mittelfeld

Dennoch gehen viele Top-Banker dem Bericht zufolge davon aus, dass die Straf- und Vergleichszahlungen in den kommenden Jahren geringer ausfallen werden - dann, wenn die Skandale um den Handel mit Ramschkrediten, welche die Finanzkrise maßgeblich verursachten, rechtlich vollständig bearbeitet worden seien.

Allerdings weist die "FT" darauf hin, dass die Ermittlungen bei einer Reihe neuer Verdachtsmomente noch gar nicht oder soeben erst begonnen hätten. Und auch die 5,7 Milliarden Dollar, die fünf Großbanken wegen ihrer Verwicklung in einen Währungsskandal an Behörden in den USA und Großbritannien zahlen müssen, sind in der nun ermittelten Summe noch nicht enthalten.

Die Deutsche Bank  kommt mit umgerechnet 14,3 Milliarden Dollar an Kosten für rechtliche Angelegenheiten in der Zeit von 2010 bis 2014 unter den 16 in die Studie einbezogenen Institute auf Platz sieben - oberes Mittelfeld. Mit großem Abstand führt die Bank of America   das Ranking an, die amerikanische Großbank kostete ihr Fehlverhalten während der fünf Jahre umgerechnet 97,8 Milliarden Dollar. Auf Platz zwei folgt die US-Bank JP Morgan   mit umgerechnet 50,3 Milliarden Dollar an Rechtskosten. Relativ geringe Strafen hatte die Société Générale   mit umgerechnet 1,44 Milliarden Dollar zu verzeichnen.

fdi