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05. Dezember 2013, 10:40 Uhr

Co-Chef der Deutschen Bank

Fitschen geht Schäuble hart an

Bundesfinanzminister Schäuble warnt vor nachlassender Bankenregulierung - und bringt die Branche gegen sich auf: Deutsche-Bank-Co-Chef Fitschen bezeichnete die Vorwürfe als populistisch und unverantwortlich.

Berlin - Wenn Finanzminister Wolfgang Schäuble über strengere Regeln für Banken spricht, dann wird er wissen: Eine Reaktion der Deutschen Bank kommt bestimmt. Das Kreditinstitut ist nicht nur das größte im Land, ihr Co-Chef ist auch noch Präsident des Privatbankenverbandes BdB. Entsprechend heftig reagierte Jürgen Fitschen auf die jüngste Schelte Schäubles. "Es kann nicht sein, dass man sich hinstellt und sagt, die Banken umgehen immer noch die Regeln", sagte Fitschen am Mittwochabend in Berlin.

Schäuble hatte sich zuvor gegen eine Regulierungspause für Banken ausgesprochen. "Die Kreativität der Banken, die Regulierung zu umgehen, ist weiterhin groß", hatte Schäuble dem "Handelsblatt" gesagt. Er wisse, dass die Banken meinten, es reiche mit der Regulierung.

Fitschen dagegen bezeichnete es als unverantwortlich und populistisch, wenn man die Fortschritte im Bankenbereich nicht sehe. Die aktuellen Schlagzeilen hätten mit Dingen zu tun, die vor vielen Jahren passiert seien. Deshalb sei es nicht in Ordnung, wenn man so tue, als ob es bei den Banken so weitergehe wie in den Jahren vor der Finanzkrise der 2008 und 2009. Wie am Mittwoch bekannt wurde, muss die Deutsche Bank in der Affäre um Zinsmanipulationen eine Rekordstrafe von 725 Millionen Euro zahlen.

Maß halten - das gelte auch für Herrn Schäuble, sagt Fitschen

Der Co-Chef der Deutschen Bank sprach auf einer Diskussionsrunde unter anderem mit dem EU-Parlamentarier Sven Giegold. Dieser hatte sich zuvor eher ironisch zum Zeitpunkt der Veranstaltung unter dem Motto "Unbehagen am Kapitalismus - Banken in der Kritik" geäußert. "Dass er diese Veranstaltung so perfekt terminiert hat, also, der BdB ist wirklich nur zu beglückwünschen", sagte Giegold. Fitschen mahnte daraufhin, nicht nur die Banken müssten Maß halten. "Das gilt auch für Sie, Herr Giegold. Das gilt auch für Herrn Schäuble", betonte der BdB-Präsident. "Wenn man mit solchen Parolen, so populistisch an solchen Tagen Dinge kommentiert, ist das unverantwortlich."

Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, begrüßte dagegen Schäubles Aussagen. Es sei gut, dass der Finanzminister "anerkennt, dass die Krise durch die Spekulationen auf den Finanzmärkten und nicht durch die Staatsschulden ausgelöst wurde, die in den meisten Ländern in der Folge davon stark angestiegen sind".

yes/Reuters

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