Krisencheck Europas Banken kommen glimpflich durch den Stresstest

Sind Europas Banken krisenfest? Die EU-Aufsichtsbehörde EBA hat jetzt die Ergebnisse ihres jüngsten Stresstests bekannt gegeben: Am schlechtesten schnitten die italienischen Institute ab, die Deutsche Bank bleibt unter Druck.
Frankfurter Bankenskyline (Archiv)

Frankfurter Bankenskyline (Archiv)

Foto: Boris Roessler/ dpa

Europas Großbanken haben von der Bankenaufsicht ein insgesamt recht ordentliches Zeugnis für ihre Krisenfestigkeit bekommen.

In dem jüngsten Stresstest für Europas größte Geldhäuser mussten 51 Banken aus 16 Ländern beweisen, dass sie für einen Wirtschaftseinbruch gerüstet sind. Neun deutsche Banken wurden untersucht.

Besonders unter Druck war die Deutsche Bank.

Im Krisenszenario, in dem eine schwere Rezession simuliert wurde, fiel die harte Kernkapitalquote von Deutschlands größtem Geldhaus auf 7,8 Prozent. Diese Kennzahl misst, wie groß der Eigenkapitalpuffer einer Bank im Verhältnis zu den von ihr in der Bilanz gehaltenen Risiken ist. Werte unter 7 Prozent im Stressszenario werden von Investoren und Analysten als kritisch betrachtet.

Wie bang die Erwartungen waren, zeigt die Erleichterung von Deutsche-Bank-Chef John Cryan: "Wir sind 2016 mit einem besseren Ergebnis aus dem Test herausgekommen als 2014, obwohl der diesjährige Test anspruchsvoller war", erklärte er. "Der Stresstest zeigt, dass die Bank auch für härtere Zeiten gewappnet ist." Das Management werde die Finanzpuffer wie geplant weiter stärken.

Noch schlechter schnitt die Commerzbank mit 7,4 Prozent ab.

Erstmals wurde in dem Test auch das Risiko einbezogen, das sich aus dem Fehlverhalten von Bankern ergibt. Hier hat die Deutsche Bank einen besonders wunden Punkt, ist sie doch rund um den Globus in zahlreiche Rechtsstreitigkeiten verstrickt. Noch immer hat sie 5,5 Milliarden Euro für erwartete Vergleiche zurückgestellt, darunter den Geldwäsche-Skandal in Russland, der sogar noch in die jüngere Vergangenheit fällt.

Das italienische Institut Monte dei Paschi und zwei irische Geldhäuser haben ihren Ruf als Sorgenkinder untermauert.

Monte dei Paschi schnitt von den 51 geprüften Geldhäusern am schlechtesten ab, sie kam im Krisenszenario auf eine Kapitalquote von minus 2,4 Prozent und wäre damit nicht überlebensfähig. Die Bank aus Siena hatte kurz vor der Bekanntgabe der Ergebnisse einen Rettungsplan vorgelegt. Die italienischen Banken schieben Schätzungen zufolge faule Kredite von 360 Milliarden Euro vor sich her und stehen deshalb besonders unter Druck.

Den vorletzten Platz belegte die irische Allied Irish Bank (AIB), gefolgt von der Raiffeisen Zentralbank (RZB) aus Österreich und der Bank of Ireland.

Durchfallen konnte beim Stresstest dieses Mal niemand. Die Europäische Zentralbank als Oberaufseherin über die Großbanken in der Eurozone will die Ergebnisse aber berücksichtigen, wenn sie den Finanzinstituten gegen Jahresende wieder individuelle Kapitalvorgaben macht.

Für die Deutsche Bank ist es angesichts magerer Gewinne äußerst schwer, die Kapitaldecke aus eigener Kraft aufzupolstern. Im abgelaufenen Quartal lag die Rendite quasi bei null. Das Schrumpfen der Bank und der Abbau von Bilanzrisiken dauert.

kry/dpa/Reuters
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