Banker-Boni Cameron zurück auf Schmusekurs zur City

David Cameron wird sich nicht dagegenstellen, wenn Milliardensummen als Belohnung an britische Investment-Banker ausgeschüttet werden. Ein Friedensangebot des Premiers an die Banker sei das, berichtete die "Financial Times". Es dürfte wohl beide Seiten erleichtern.

Briten-Premier David Cameron: ein Freund der Finanzwelt
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Briten-Premier David Cameron: ein Freund der Finanzwelt


London/Hamburg - Der britische Premierminister David Cameron hat laut "Financial Times" einen Waffenstillstand mit den Bankern der Londoner City ausgerufen. Ende der Woche verzichteten unter massivem öffentlichen Druck sowohl Philip Hampton, Aufsichtsratschef der Royal Bank of Scotland (RBS), als auch Stephen Hester, Vorstandschef der Bank, öffentlich auf ihnen angebotene Boni. Daraufhin machte Cameron nun den Weg frei für die Ausschüttung von Sonderzahlungen an die Angestellten der RBS. Die sollen nun rund 500 Millionen Pfund Belohnungen für ihre Arbeit kassieren - mittelbar aus Steuergeldern.

Denn seit 2008 ist die RBS zu 84 Prozent verstaatlicht. Sie gehörte zu den Banken, die auf dem Höhepunkt der Bankenkrise weltweit Schlagzeilen gemacht hatten: Der Versuch, die holländische ABN Amro zu schlucken, endete in einem 24-Milliarden-Pfund-Desaster, das den Staat zur Rettung der Bank zwang.

Die einst so mächtige Skandalbank, die seit 2008 mit insgesamt 45 Milliarden Pfund aus Steuergeldern am Leben gehalten werden musste, steht seitdem unter ständiger öffentlicher Beobachtung.

So wie David Cameron, der in der letzten Woche im Parlament unter Druck der Opposition versichert hatte, mehr als eine Million Pfund Bonus für RBS-Chef Hester fände er auch nicht angebracht. In der Londoner City sorgte das zaghafte Zugeständnis an die Wut der Opposition das für heftige Empörung - und selbst innerhalb seiner Regierung. Und das, obwohl Camerons vermeintliche Boni-Bremse sowieso nur dem entsprach, was Hester kassieren sollte: knapp unter eine Million Pfund. Trotzdem bezeichnete George Osborne, Camerons Finanzminister, dessen Haltung gegen die Auszahlung von Boni an Bank-Chefs als "Anti-Business-Kultur".

Empörung in Banker-Kreisen löste auch aus, dass Fred Goodwin, dem Bank-Vorstand, der 2008 den Beinahe-Kollaps der RBS zu verantworten hatte, am 1. Februar 2012 der Titel "Sir" aberkannt wurde. Dafür war zwar nicht Cameron selbst verantwortlich, wohl aber ein Komitee seiner Regierung. Goodwin, befanden die Beamten, sei mitverantwortlich für eine der schlimmsten Rezessionen der britischen Geschichte - und deshalb des Rittertitels nicht mehr würdig. So groß die Empörung darüber im Finanzdistrikt ausfiel, so groß war die Zustimmung in der Öffentlichkeit: Da könne man doch auch gleich noch Alan Greenspan, Ex-Chef der US-Notenbank, den ehrenvollen Titel aberkennen, meinte ein bekannter Wirtschafts-Kommentator.

Cameron ist der Premier der Banker

Es ist wohl dieses öffentliche Klima, das auch David Cameron zuletzt zu Äußerungen brachte, die man zumindest als Banken-kritisch verstehen kann, so zaghaft sie auch ausfielen. Man darf annehmen, dass all das eher dem Druck der öffentlichen Meinung geschuldet war als Camerons Überzeugungen oder der Linie seiner Regierung. Denn kaum etwas liegt Cameron so am Herzen wie das Wohl der Londoner City. Auf europäischer Ebene hatte der Premierminister Großbritannien zuletzt isoliert, als er sich einer gemeinsamen europäischen Lösung zur Stabilisierung der Märkte verweigerte, um die Interessen der Londoner City zu wahren.

Dort ist in den nächsten Wochen ein warmer Geldregen zu erwarten. Denn von Camerons Nichteinmischungs-Versicherung profitieren nicht nur die Investmentbanker der RBS, sondern auch die der Barcleys Bank. Auch dort hat der britische Staat Einflussmöglichkeiten, weil die Bank unter besonderer Aufsicht des Financial Stability Board steht - Barclays ist eine der Banken, die als "systemisch wichtige Finanzinstitution" eingestuft ist. Die Bank reagierte unmittelbar auf Camerons Nichteinmischungs-Erklärung und gab ihre Boni-Zahlungen für 2011 bekannt.

Barclays-Chef Bob Diamond könnte demnach für das zurückliegende Jahr bis zu 3,4 Millionen Pfund Sonderzahlung kassieren. Und seine Angestellten sollen auch nicht darben: Bis zu 1,5 Milliarden Pfund Boni will Barclays an ihre Investmentbanker ausschütten. Aus Westminister kam dazu weder ein Kommentar noch Kritik. Immerhin: Barclays machte im letzten Jahr einen Profit von 5,9 Milliarden Pfund.

Und, so argumentierte die Bank, man sei zudem bescheiden. Denn tatsächlich fielen die Boni niedriger aus als in vergangenen Jahren. Chef Diamond und seine Führungsriege verzichten demnach auf satte 48 Prozent der Höhe der Boni, die sie noch ein Jahr zuvor kassiert hatten. Gemeine Angestellte haben pro Kopf nicht mehr als 65.000 Pfund Gewinnbeteiligung zu erwarten, was auch den Durchschnittsverdienst der Barclay-Banker um 12 Prozent auf gerade noch 202.000 Pfund im Jahr drücke. Das allerdings ist noch nicht einmal die Hälfte des Prozentsatzes, um den die Profite der Bank im gleichen Zeitraum fielen.

pat

insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
kuddemuddel 11.02.2012
1.
Zitat von sysopDPADavid Cameron wird sich nicht dagegen stellen, wenn Milliardensummen als Belohnung an britische Investment-Banker ausgeschüttet werden. Ein Friedensangebot des Premiers an die Banker sei das, berichtete die "Financial Times". Es dürfte wohl beide Seiten erleichtern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,814651,00.html
Wer sagsts denn: Die Bank gewinnt immer! Es hat sich nichts geändert, nichts wurde gelernt. So wird es immer weiter gehen, bis das ganze System kollabiert. Bankerboni aus Steuergelder, was soll man dazu sagen?!
Pupsie 11.02.2012
2. ....
Zitat von kuddemuddelWer sagsts denn: Die Bank gewinnt immer! Es hat sich nichts geändert, nichts wurde gelernt. So wird es immer weiter gehen, bis das ganze System kollabiert. Bankerboni aus Steuergelder, was soll man dazu sagen?!
Sorry Mr. Cameron, aber Sie sind ab sofort die Lieblingshure der Finanzwelt in GB. Herzlichen Glückwunsch! Wie kann man nur derart seinen Arsch verkaufen?! Unfassbar!
semaphil 11.02.2012
3. Europa im Sclussverkauf - alles muß raus
Zitat von sysopDPADavid Cameron wird sich nicht dagegen stellen, wenn Milliardensummen als Belohnung an britische Investment-Banker ausgeschüttet werden. Ein Friedensangebot des Premiers an die Banker sei das, berichtete die "Financial Times". Es dürfte wohl beide Seiten erleichtern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,814651,00.html
Na, ist doch klar. Jetzt heißt es für jeden - auf die Tube drücken. Später wird euch geholfen.
larsmach 11.02.2012
4. Diametral zur britischen Wirtschaftsleistung
Da fiel das britische Pfund gegen den Euro um mehr als ein Viertel zurück, und im nun teureren Deutschland müssen Sonderschichten gefahren werden - auch für Exporte nach Großbritannien. Dort schrumpfte die Industrieproduktion selbst trotz dieser Steilvorlage! Schön, dass die Finanz"industrie" wieder Geld mit dem Handel von Wettscheinen verdient, die losgelöst von realen Geschäften oft nicht einmal durch das Vorhandensein Basiswerten gedeckt sind ("Finanzausgleich" nennt man die Auszahlung eines Wettgewinns, der eigentlich entsteht, wenn die Währung, Aktie oder der Rohstoff auch tatsächlich den Besitzer gewechselt hätte). Siehe Deutsche Bank: Auf den Wert von Versicherungspolicen wetten - ohne diese überhaupt zu besitzen! Gambling at its finest. Die "Performance" der Londonder City ist leidlich: Eine britische Untersuchung (schon etliche Wochen alt und somit vergessen im schnellen Takt des Computerhandels) hatte nachgewiesen, dass typische britische Rentensparer ca. 3% Kernrendite auf ihre Anlagen erreichen müssen, ...nur um die Kosten ihrer Geldanlage durch "London Boys" zu decken! Das erklärt das miese Ergebnis für die "kleinen Leute", das diese Finanz"industrie" zustandezubringen vermag. Für 3% (verpuffte!) Rendite wären 3% Wirtschaftswachstum nötig - denn man dürfte kaum genügend real (und überdurchschnittlich) rentierliche Investitionsdeals für die gewaltigen Volumen eines Pensionsfonds finden. Also wieder zurück zum Wetten. Nachher lässt sich über Deutschland stänkern - das Land mit all den vielen "hidden champions" aus dem produktiven Mittelstand...
discipulus_neu 11.02.2012
5. !
Zitat von PupsieSorry Mr. Cameron, aber Sie sind ab sofort die Lieblingshure der Finanzwelt in GB. Herzlichen Glückwunsch! Wie kann man nur derart seinen Arsch verkaufen?! Unfassbar!
Der Herr muss sich sich weder verkaufen, noch verbiegen. Er ist Teil dieses britischen Systems der "Wert"schöpfung. Köpfe: David Cameron - Köpfe - Wirtschaftswoche (http://www.wiwo.de/koepfe-der-wirtschaft/david-cameron/5286042.html)
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