Nach Bofinger-Kritik Bundesbank verteidigt Bargeld

Münzen und Scheine sind überholt? Das sollen Verbraucher selber entscheiden. Die Bundesbank will ihnen jedenfalls nicht vorschreiben, wie sie mit Bargeld umgehen sollen: "Jeder sollte bezahlen können, wie er will".
Bundesbank-Vorstand Thiele (Archiv): Bundesbank lehnt Bargeld-Restriktionen ab

Bundesbank-Vorstand Thiele (Archiv): Bundesbank lehnt Bargeld-Restriktionen ab

Foto: Andreas Arnold/ picture alliance / dpa

Die Bundesbank will den Bürgern vor dem Hintergrund der ultraniedrigen Zinsen keine Vorgaben dazu machen, wie viel Bargeld sie besitzen dürfen. Verbraucher würden derzeit zwar nicht in großem Umfang in Scheine und Münzen umschichten, sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele laut Nachrichtenagentur Reuters in einem Redetext. Sollten die Banken aber negative Zinsen auf ihre Kunden abwälzen, könnten diese damit beginnen, verstärkt Bargeld zu horten.

"Restriktionen der Bargeldhaltung, wie sie vor diesem Hintergrund vereinzelt diskutiert werden, lehnt die Bundesbank ab", sagte Thiele. Viele Verbraucher seien wegen der niedrigen Zinsen verunsichert und fragten sich, was diese für sie bedeuten.

Die Leitzinsen im Euroraum liegen schon seit September 2014 auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Der Einlagenzinssatz ist mit minus 0,20 Prozent sogar negativ: Banken müssen einen Strafzins bezahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken, statt es über Kredite an Unternehmen und Privatkunden weiterzureichen.

Zuletzt hatten sich wiederholt Ökonomen dafür ausgesprochen, Scheine und Münzen abzuschaffen. So etwa der Wirtschaftsweise Peter Bofinger: Bei den heutigen technischen Möglichkeiten seien Münzen und Geldscheine ein Anachronismus, sagte Bofinger dem SPIEGEL. Der Volkswirtschaftsprofessor forderte die Bundesregierung auf, für die Abschaffung des Bargelds zu werben.

Bargeld ist aber hierzulande immer noch das beliebteste Zahlungsmittel. Fast 80 Prozent aller Einkäufe werden bar bezahlt. Zwar gebe es inzwischen eine Fülle von Karten und neue Bezahlmethoden über Smartphone und E-Mail, sagte Thiele. Doch die Bundesbank verhalte sich neutral: "Jeder sollte bezahlen können, wie er will."

bos/Reuters
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