Bankenaufsicht US-Regulierer wollen internationales Regelwerk kippen

Die USA drohen mit einem Alleingang bei der Bankenregulierung. Der Vize-Chef der amerikanischen Finanzaufsicht sagte dem "Handelsblatt", die geplanten Basel-III-Regeln seien zu komplex. Man wolle Europa daher "ermutigen, die Einführung zu modifizieren".

JP-Morgan-Chef Dimon: "Basel III ist unamerikanisch"
REUTERS

JP-Morgan-Chef Dimon: "Basel III ist unamerikanisch"


Berlin - Die US-Bankenaufsicht will Europa zu Änderungen bei den verschärften Bankenkapitalregeln Basel III drängen. "Wir sollten Basel III in seiner aktuellen Form aufgeben", sagte der Vize-Chef der US-Bankenaufsicht FDIC, Thomas Hoenig, dem "Handelsblatt". Die Regeln seien zu komplex und würden die Banken einladen, die Vorgaben auszuhebeln. "Ich möchte Europa ermutigen, die Einführung von Basel III zu modifizieren." So sollten die Kapitalanforderungen, die eine neuerliche Finanzkrise in Zukunft verhindern sollen, vereinfacht werden.

Hoenig schloss der Zeitung zufolge auch einen Alleingang der USA nicht aus. "Man muss das richtige tun. Das ist letztlich wichtiger als alle an Bord zu haben und mit einem Rahmenwerk zu leben, das nicht funktioniert." Hoenig wies die Vermutung zurück, die USA wollten ihren Banken einen Vorteil verschaffen. Seine Vorschläge würden vielmehr auch auf höhere Kapitalanforderungen hinauslaufen als sie nach Basel III gelten sollten.

Vor rund einer Woche hatten die US-Behörden erklärt, die Einführung der Basel III-Regeln trete nicht zum 1. Januar 2013 in Kraft. Seither melden sich immer mehr Kritiker zu Wort, die Basel III gar nicht einführen wollen. Der Chef von JP Morgan Chase, Jamie Dimon, nannte das Regelwerk gar "unamerikanisch".

Die künftigen Eigenkapital- und Liquiditätsregeln waren 2010 als Konsequenz aus der Finanzkrise beschlossen worden. Das Vorgänger-Regelwerk Basel II wurde von den USA bis heute nicht eingeführt.

Verzögerungen gibt es aber auch in anderen Teilen der Welt: Weil die dazu nötigen Gesetze unter anderem auch in der EU zwei Monate vor dem geplanten Startschuss noch nicht fertig sind, würden dem Finanzstabilitätsrat zufolge nur sechs der 28 weltweit wichtigsten Großbanken pünktlich den neuen Regeln unterliegen.

cte/Reuters

insgesamt 16 Beiträge
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fuchs008 19.11.2012
1. Geld ist Staatsangelegenheit
Es wird Zeit, dass die Staaten das Finanzwesen wieder in die Hand nehmen. Banken MÜSSEN pleite gehen dürfen. Sonst kollabiert das System der (staatlich garantierten) Zinsgewinne über kurz oder lang.
atzigen 19.11.2012
2. Fundamentalproblem
All diese Wunderregeln helfen nicht mehr nachhaltig. Das Grundproblem sind die längst aus dem Lot gefahrenen Realwirtschaftsdaten.ende der 80 iger Jahre stand die realwirtschaft auf der Kippe. Seit dieser Zeit läuft der letztendlich aussichtlose Versuch den Zusammenbruch der Wirtschaft mit steigender Luquidität zu verhindern.Konjunkturprogramme Zinssenkungen sog.Wirtschaftsankurbelpolitik.Inzwischen ist dermassen viel Liquidität im System das auch Eigenkapitalregeln die verfahrene Situation nicht mehr aus der Welt schaffen können.Die Diskusion ob da 10 oder 50% richtig sind ist lägst nur noch Pinatz. Bei einer je nach Schätzung Überliquidität zwischen dem Faktor 10 bis unbekannt.erübrigt sich eine Fixlimitte von alleine. Für eine Tatsächliche Absicherung wäre eine Eigenkapitalquote von mindestens 100% bis nach oben unbekannt notwendig.Absolute Illusion.Mich erstaund nur noch der Umstand das Diese Geldschöpforgie die Realwirtschaft satte 20 Jahre vor dem Zusammenbruch bewahrt hat.
wolfi55 19.11.2012
3. unamerikanisch
Na das ist ja das Totschlagargument in den USA schlechthin. Die Amis haben sich bis heute nicht an die Umsetzung von Basel II getraut, weil die Bankster dort zuviel Macht haben. Basel III wollen die auch nicht, weil das den Banken noch mehr Spielraum raubt. Man kann die Aussage von dem Herrn Hoenig auch umdrehen: Wir halten das für das richtige und führen es deswegen ein. Allerdings muss man dann einen Zusatz einführen: Für Geschäfte mit Partnern, die nicht Basel III unterliegen gilt eine doppelte Unterfütterung mit Eigenkapital als erforderlich. Das würde die US-Banken und Hedgefonds praktisch abschneiden. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Banken sich auf das Geschäft mit dem Annehmen und Ausleihen von Geld beschränken sollten und die anderen Geschäfte ähnlich windigen Firmen wie die Geschäfte überlassen sollten. Eine Haftung dafür gibt es dann von Seiten des Staates nicht.
krulle 19.11.2012
4. Der Name macht's...
Basel III sei "unamerikanisch".... Klar. Das gleiche Regelwerk als "Harrisburg I" verpackt wäre uramerikanisch, und wir EU-ler die Bösen, weil wir die Regeln nicht rechtzeitig in Gesetze verpackt haben..... Vielen Dank, liebe USoA....
JoschSche 19.11.2012
5. ...
Das war vorherzusehen. Mit etwas Tabellenkalkulation lässt sich sehr schnell sehr schön zeigen, wie dramatisch höhere Kernkapitalquoten bei der Geldschöpfung ins das Räderwerk der aktuell völlig entfesselten Luftgeld-Pumpe eingreifen... Dass die grauen Eminenzen eine derart heftige Reduktion ihrer Macht hinnehmen würden, war nicht zu erwarten... schließlich will man mit dem Saugdruck gigantischer Buchgeldmengen sich schnell noch soviel reale Werte wie möglich unter den Nagel reißen, bevor das stinkende Jauchefass sich von selbst zerlegt.
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