Schwere Erkrankungen BASF muss Millionen an brasilianische Arbeiter zahlen

Die Staatsanwaltschaft spricht von mehr als 60 Toten durch gesundheitliche Schäden: In Brasilien sind die Tochtergesellschaften des Chemiekonzerns BASF und des Energieriesen Shell zu Millionenstrafen verurteilt worden. Das Geld soll in einen Fonds für erkrankte Arbeiter fließen.


São Paulo - Die brasilianische BASF-Tochter will das Urteil nicht auf sich sitzen lassen - und kündigte bereits Berufung an: Die BASF SA und die brasilianische Tochterfirma des Erdölunternehmens Shell müssen nach einem Gerichtsurteil 382 Millionen Dollar in einen Fonds für erkrankte Arbeiter einzahlen. Das Geld soll möglicherweise mehr als tausend Arbeitern zugutekommen, die bei der Herstellung von landwirtschaftlichen Chemikalien erkrankt sind. Das gesamte nun in den Fonds eingezahlte Geld solle eingefroren werden, bis die Schadensersatzklage der Arbeiter abgeschlossen sei, sagte die Staatsanwaltschaft.

Bereits zuvor hatten zwei Gerichte die Unternehmen zu Zahlungen angewiesen. Allerdings war der Fall dann vor einer höheren Instanz angefochten worden. Richterin Maria Ines Correa Targa warf den Konzernen "verwerfliches Verhalten" vor und sagte, diese hätten versucht, sich ihren Verpflichtungen zu entziehen. BASF und Shell wiesen dies zurück.

Die Staatsanwaltschaft hatte jüngst erklärt, Hunderte Angestellte einer Produktionsanlage in der Stadt Paulinia hätten bei der Produktion von landwirtschaftlichen Chemikalien gesundheitliche Schäden erlitten und benötigten sofortige Hilfe. Die 1977 in Betrieb gegangene Firma war zunächst im Besitz von Shell und wurde im Jahr 2000 von BASF übernommen, bevor sie 2002 geschlossen wurde.

Prostatakrebs, Schilddrüsenleiden und andere Erkrankungen

BASF macht geltend, dass das Fabrikgelände bereits vor dem Erwerb kontaminiert gewesen sei. Der Chemiekonzern hatte aus diesem Grund im vergangenen Jahr Klage in Brasilien eingereicht, damit ein Gericht Shells vollständige Verantwortung für jegliche Schäden feststellen sollte.

Der Staatsanwaltschaft zufolge haben ehemalige Arbeiter der Anlage sowie Menschen, die in der Nähe gelebt haben, zahlreiche gesundheitliche Schäden, darunter Prostatakrebs, Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis sowie an der Schilddrüse. Mindestens 61 frühere Arbeiter seien in den vergangenen Jahren in Folge dieser Erkrankungen gestorben.

yes/dapd

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insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
irgendwer_bln 03.07.2012
1. schon wieder
Zitat von sysopDie Staatsanwaltschaft spricht von mehr als 60 Toten durch gesundheitliche Schäden: In Brasilien sind die Tochtergesellschaften des Chemiekonzerns BASF und des Energieriesen Shell zu Millionenstrafen verurteilt worden. Das Geld soll in einen Fonds für erkrankte Arbeiter fließen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,842222,00.html
Und wieder wird niemand Verantwortung übernehmen. Wieder haben Arbeitnehmer durch die Rücksichtslosigkeit weltweit agierender Konzerne ihr Leben verloren. "Die Fabrik ist konterminiert - schickt sie trotzdem arbeiten! Das war ja schon so..." Man kloppt sich durch die Instanzen und kauft sich letztendes mit einem Bruchteil der Einnahmen frei. Es lebe die Globalisierung!
querdenker22 03.07.2012
2. Alles Ungefährlich!
Das behauptet jeder Chemiekonzern von seinen Produkten (Insekten- und Pflanzengifte entstanden ursprünglich aus abgeänderten chemischen Waffen!) und stellt sich schon mal als Weltretter dar. Weltvergifter ist da besser. In Zusammenhang mit Gentechnik eher schon Weltzerstörer. Und jeder isst das Zeug mit seinen Obst von Übersee.
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