Nach Standortentscheid für Münster Bayern und Baden-Württemberg starten eigene Batterieforschung

Forschungsministerin Karliczek sprach Münster eine halbe Milliarde Euro für die Batterieforschung zu - und verärgerte andere aussichtsreiche Standorte. Die süddeutschen Landesregierungen reagieren nun.

Winfried Kretschmann und Markus Söder: "Es geht um eine halbe Milliarde Euro"
Britta Pedersen/zb/dpa

Winfried Kretschmann und Markus Söder: "Es geht um eine halbe Milliarde Euro"


Bundesforschungsministerin Anja Karliczek will in Münster unweit ihrer westfälischen Heimat Ibbenbüren ein teures Batterieforschungsprojekt mit wohl Hunderten neuen Arbeitsplätzen ansiedeln. Baden-Württemberg und Bayern fühlen sich durch diese Entscheidung der CDU-Politikerin übergangen und wollen nun handeln.

Vor einer gemeinsamen Kabinettssitzung der beiden Bundesländer in Meersburg am Bodensee kündigte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder eine gemeinsame "echte Offensive" für die Batterieforschung an. Standorte sollen unter anderem Ulm, Augsburg und Nördlingen sein. Man werde dafür aber auch vom Bund Unterstützung einfordern, sagte der CSU-Politiker.

Söder verlangte vom Bund vollständige Transparenz darüber, wie die Entscheidung für Münster zustande gekommen sei. "Es geht um eine halbe Milliarde Euro - das ist sehr viel Geld." Denn Münster sei zwar eine großartige Stadt, habe aber keinen Bezug zur Automobilität.

Süddeutsche Zellfertigung für Batterien mit höherer Leistung

In einer Vorlage für die gemeinsame Kabinettssitzung der beiden Südländer ist der "Badischen Zeitung" zufolge von einem "Batterienetzwerk Süddeutschland" die Rede, das die "Etablierung einer Zellfertigung für Batterien mit höherer Leistung und Effizienz" beinhalte.

Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) und ihr bayerischer Kollege Hubert Aiwanger (Freie Wähler) wollen laut dem Bericht daran etwa auch die Batteriehersteller Varta in Ellwangen und Leclanché in der Ortenau beteiligen sowie Hochschulen in Augsburg, Ulm und Karlsruhe. In Ulm wird bereits auf dem entsprechenden Gebiet gearbeitet.

Helmholtz-Institut in Ulm: Von Ministerin Karliczek ausgebootet?
Stefan Puchner/dpa

Helmholtz-Institut in Ulm: Von Ministerin Karliczek ausgebootet?

Dass Münster und nicht etwa Ulm den Zuschlag für die Forschungsfabrik bekommen hatte, sorgt im Südwesten seit Wochen für heftige Kritik. Ministerin Karliczek hat die Entscheidung verteidigt. Ausschlaggebend seien die Exzellenz der Forschung, der volkswirtschaftliche Nutzen und der gesamte Prozess der Batterieproduktion einschließlich des Recyclings in Münster gewesen.

Karliczek steht wegen der Entscheidung auch deshalb unter Druck, weil sie sich über die Empfehlung einer Expertenkommission über die Standortwahl für die "Forschungsfertigung Batteriezelle" hinweggesetzt haben soll. Dem "Tagesspiegel" zufolge wurde ursprünglich der Standort in Ulm vorgeschlagen - und das Ministerium versuche nun, die anderen Bewerber mit Kompensationszahlungen abzufinden. Das Forschungsministerium wies dem Bericht zufolge jedoch zurück, eine Empfehlung übergangen zu haben, es sei nur ein Entwurf eingegangen.

apr/dpa



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stolte-privat 23.07.2019
1. Ich sehe es kritisch...
...das Frau K. die Batterieforschung an nur einem Standort zentralisiert. Ein Verbund von Instituten und Forschungseinrichtungen bundesweit wäre ein besserer Weg. Allerdings, aufgrund der deutschen Sturheit sollten diese zu regelmäßigem Austausch und Transfer verdonnert werden. Sonst köchelt ein jeder seine eigene Suppe. Dazu ist diese Technologie einfach zu wichtig.
dhrb 23.07.2019
2. Baden Württemberg und Bayern haben hier recht
und außerdem genug Kohle, diese Ziele zu verfolgen. Vielleicht müssen sie dann ja weniger in den Länderfinanzausgleich einzahlen, wenn sie im eigenen Bundesland in die Zukunft investieren.
Fischerman_BX 23.07.2019
3. Ok...
So nah am eigenen Wahlkreis, das lässt sehr viel Raum für Spekulationen. Aber gerade wenn man das global betrachtet, ist es vielleicht auch besser, solche Dinge bundesweit zu verteilen. Zum einen leben wir nicht mehr in der Zeit der Postkutschen und Brieftauben und zum anderen sollen doch gleichwertige Lebensverhältnisse in Deutschland geschaffen werden. Warum hat man sich früher nicht bei Ansiedlungen z. B. in Bayern beschwert? Na, weil es denen geholfen hat. Nachdem der Südosten der Wessis jahrzehntelang aufgepäppelt wurde, der Osten ein Licht am Horizont sieht (wie kürzlich berichtet), könnte man sich ja auch mal gen Westen und Norden orientieren. Also wenn man fair ist... ;)
evonw 23.07.2019
4. Doppeltes Geld
Ich kann ja verstehen, dass die Bayern und die Baden-Würthemberger sich nicht über die Entscheidung freuen. Jetzt aber in Angriffsstellung zu gehen und eine eigene Forschung aufzubauen, heißt am Ende, dass doppeltes Geld für das Gleiche ausgegeben wird. Angesichts horrender Mieten und nahezu Vollbeschäftigung in den Ballungszentren dieser Bundesländer, ist die Frage, ob sie wirklich noch mehr Arbeitsplätze in ihrer Umgebung schaffen müssen. Diesbezüglich ist NRW sicher besser geeignet. Dort gibt es noch genug freie Arbeitskräfte und bezahlbaren Wohnraum. Das Schreien nach mehr, mehr mehr und dazu komprimiert an wenigen Stellen ist für ganz Deutschland nicht förderlich.
Callidus89 23.07.2019
5. Schön, dass das endlich an fahrt aufnimmt...
...schade nur, dass das etwa 20 Jahrze zu spät kommt. Asien ist uns um Längen vorraus, was die Batterieforschung betrifft. Wer den ersten serienrreifen (günstigen) Keramik-Akku ganz ohne seltene Erden auf den Markt bringen wird, hat das rennen hinsichtlich E-Mobilität gewonnen. Und das werden wohl nicht wir sein. Da darf die deutche Autoindustire schon um ihre Vormachtstellung bangen.
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