Teslas Batteriestrategie Elon Musk, der Maschinen-Mann

Tesla-Fans haben auf eine Revolution gehofft, als Elon Musk zum "Battery Day" rief. Sie wurden enttäuscht. Für deutsche Autohersteller ist das aber keine Entwarnung.
Elon Musk (hier bei einer Präsentation im März) kann auch unsexy - und das ist nicht einmal schlecht

Elon Musk (hier bei einer Präsentation im März) kann auch unsexy - und das ist nicht einmal schlecht

Foto: Brendan Smialowski / AFP

Was hatten sich die Tesla-Fans nicht alles erträumt von diesem Tag. Nachdem Firmenchef Elon Musk die Aktionärsversammlung mit "Battery Day" überschrieben hatte, ging es mit den Spekulationen ab wie mit einem Elektroauto bei voller Beschleunigung.

  • Eine revolutionäre Akku-Technologie war im Gespräch, bei der ein Batteriepack für zwei Millionen Kilometer halten könnte, bevor er nicht mehr brauchbar ist. Allerdings sind die Auto-Akkus bereits heute für rund 250.000 Kilometer gut.

  • Musk könnte ein komplett neues Auto präsentieren, das günstiger wäre als das Tesla Model 3. Auch das würde zur Tageslosung passen, denn das teuerste Teil an einem Elektroauto ist der Akku; wer die Preise für die Fahrzeuge drücken will, kann das besonders wirkungsvoll bei der Batterie.

  • Oder vielleicht würde es um eine Leistungssteigerung der bekannten Batterien gehen. Da ist vieles denkbar: Reichweiten, die für eine Reise gut sind, gibt es zwar schon heute, aber mit der Tankfüllung eines Benziners können E-Autos kaum mithalten - und wenn, dann nur zu hohen Kosten und mit einem hohen Gewicht.

Doch so arg revolutionär wurde es dann nicht. Viele Aktionäre waren enttäuscht, der Börsenkurs von Tesla brach nach dem Event ein. So ist es ja oft an den Finanzmärkten, wo impulsiv und mit Hoffnungen gedealt wird: Manche Kurse illustrieren eher die Qualität der Erwartungen als die Qualität der Unternehmen.

Derzeit gilt das für kaum ein Unternehmen so stark wie für Tesla. Der Anspruch des Autobauers aus Kalifornien ist ja nicht weniger, als die Welt zu retten. Elon Musk spielt viel mit den Erwartungen, die in ihn und Tesla gesteckt werden. Für die Finanzierung seiner massiven Expansion ist das ein Vorteil. Auch wenn der Kurs nach solch einer Veranstaltung mal kurz abtaucht, gibt es genug Leute, die für Musks Visionen Geld bereitstellen.

Fleißarbeit zwischen Geistesblitzen

Zwischen den Geistesblitzen braucht es viel Fleißarbeit, um Elektroautos massentauglich zu machen. Das zeigte sich schon damals bei den Problemen, die Tesla mit dem Produktionsanlauf des Model 3 hatte. Es dürfte sich diesen Mittwoch wieder zeigen, wenn in Erkner bei Berlin die Anrainer der künftigen Tesla-Fabrik in Grünheide ihre Einwände gegen das Bauvorhaben erklären und Vertreter von Tesla etwa erklären müssen, wie die Wasserversorgung ihrer Produktion in den ohnehin chronisch brandgefährdeten Wäldern Brandenburgs funktionieren soll.

So saß das Publikum beim "Battery Day": In eigenen Autos und damit coronatechnisch abgeschirmt. Statt zu klatschen wurde gehupt.

So saß das Publikum beim "Battery Day": In eigenen Autos und damit coronatechnisch abgeschirmt. Statt zu klatschen wurde gehupt.

Foto: Tesla

Es zeigte sich aber auch bei Musks Präsentation zum "Battery Day". Denn was für Freunde der (technischen) Revolution zuweilen langatmig erschien, ist unterm Strich ein beeindruckender Entwicklungsplan - und der schillernde Tesla-Chef scheint die Mühen der Ebene durchaus nicht zu scheuen. "Es wird immer deutlicher, dass Musk ein Manufacturing Guy ist", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Ökonom und Chef des Centers Automotive Research in Duisburg: "Er schöpft viele seiner Fortschritte aus neu entwickelten Maschinen. Das ist zwar nicht so sexy wie eine Mars-Rakete, aber es funktioniert." Musk, ein Maschinen-Mann.

Letztlich hat Musk von den drei Knüllern, über die vorher spekuliert wurde, immerhin zwei geliefert, wenn auch in einer Light-Version. Bereits im Vorfeld hatte er wohl deshalb versucht, die Erwartungen ein wenig herunterzuschrauben, indem er twitterte, alles, was er am "Battery Day" vorstelle, werde nicht vor 2022 in die Massenproduktion gehen.

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  • Zwar hat er kein neues Automodell präsentiert, aber E-Autos zum Preis von 25.000 Dollar (rund 21.000 Euro) anzubieten. "Wir haben kein erschwingliches Auto", sagte er. "Das werden wir in der Zukunft haben." Klar, Musk hat es immer eilig, aber: wann genau, ist offen.

  • Und um diesem Ziel näherzukommen, hat er dargelegt, wie die nächste Batteriegeneration bei Tesla aussehen soll: leistungsfähiger und billiger in der Produktion.

Dabei werden die Akkublöcke aus größeren Batteriezellen bestehen als bisher, was nach seiner Berechnung allein 14 Prozent bei den Kosten sparen soll. Weitere 18 Prozent Ersparnis soll die automatisierte Fertigung bringen. Dabei werden Schlüsselfaktoren des Herstellungsprozesses neu konzipiert. Willkommener Nebeneffekt: Auf Kobalt kann er dann verzichten, ein teures Material, das unter menschenunwürdigen Bedingungen und mit Kinderarbeit abgebaut wird. Insgesamt will er die Kosten um 56 Prozent drücken.

Die Zahl kann aktuell freilich niemand prüfen. Aber ob es zwei Prozentpunkte mehr oder weniger sind, ist auch nicht so wichtig, so Dudenhöffer: "Entscheidend ist, dass Tesla selbst die Batterien weiterentwickelt und so genau die Akkus bekommt, die die Firma braucht. Das ist als langfristige Strategie Erfolg versprechend." So soll künftig die Batterie bei Tesla auch eine stärkere Rolle für die Karosseriestruktur spielen. "Traditionelle Autohersteller hängen dagegen nur die Akkus anderer Leute in ihre Autos." So könnte Tesla die deutsche Konkurrenz auf absehbare Zeit weiter auf Abstand halten.

Ob die neuen Batterien später auch in Grünheide bei Berlin gefertigt werden? Unwahrscheinlich ist das nicht, aber zunächst wird die Produktion im kalifornischen Fremont starten. Die wichtigere Nachricht für Grünheide kam von woanders: Der zuständige Wasserverband Strausberg-Erkner hat den Erschließungsantrag für die Fabrik gebilligt. Tesla hat seinen Wasserbedarf runtergeschraubt, der Verband höhere Abnahmemengen genehmigt.

Die Kritiker in der Stadthalle von Erkner wird das am Mittwoch aber kaum beruhigen. Da wartet noch viel Überzeugungsarbeit, viel Fleißarbeit.

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