Schlichterspruch im Tarifkonflikt Bauarbeiter sollen deutlich mehr Geld bekommen

Ein Tarifkompromiss für die Bauwirtschaft steht, er sieht mindestens 5,7 Prozent mehr Lohn vor. Die Verhandlungsführer haben nach 19-stündigen Gesprächen Wolfgang Clements Schlichterspruch zugestimmt.
Baukräne in Berlin (Archiv)

Baukräne in Berlin (Archiv)

Foto: Jens Kalaene/ dpa

Ex-Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement musste als Schlichter ran: Nach harten Verhandlungen haben die Tarifparteien in der Baubranche einem Tarifkompromiss zugestimmt. Die rund 800.000 Bauarbeiter in Deutschland sollen demnach deutlich mehr Geld bekommen.

Der Schlichterspruch sieht eine Lohnerhöhung von mindestens 5,7 Prozent vor. Außerdem soll es eine weitere Annäherung der niedrigeren Ost-Einkommen an das Westniveau geben. Der Verhandlungsführer der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Dietmar Schäfers, sprach vom "besten Tarifabschluss in Deutschland in diesem Jahr". Für die Arbeitgeber sagte deren Verhandlungsführer Uwe Nostitz: "Wir haben die Kuh vom Eis geholt." Streiks seien damit abgewendet.

Die Beschäftigten im Westen sollen laut Ergebnis zum 1. Mai rückwirkend ein Lohnplus von 5,7 Prozent erhalten, bei einer Vertragslaufzeit von 26 Monaten, sagte der frühere SPD-Politiker Clement. Die Ost-Löhne sollen rückwirkend zum 1. Mai sogar um 6,6 Prozent - und nochmals um 0,8 Prozent zum 1. Juni 2019 steigen.

Arbeitgeber: Schmerzhaft, aber Planungssicherheit

Die zuständigen Gremien von Bauindustrie, Baugewerbe und IG BAU müssen dem Vertrag bis zum 26. Mai zustimmen. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass sie das auch tun", sagte Clement. Auch die Verhandlungsführer äußerten sich optimistisch. Beide Seiten hatten in der Schlichtungskommission 19 Stunden lang bis zum frühen Samstagmorgen durchverhandelt. Clement musste vermitteln, nachdem die Tarifverhandlungen nach der dritten Verhandlungsrunde abgebrochen worden waren. Er hatte schon in früheren Tarifkonflikten der Branche erfolgreich geschlichtet.

Die Einigung sieht für die Beschäftigten im Westen auch drei Einmalzahlungen von insgesamt 1100 Euro vor. Für die Ost-Bauarbeiter soll es eine Einmalzahlung von 250 Euro im November 2019 geben. Zu der Vereinbarung gehört zudem eine Aufstockung des 13. Monatsgehalts, je nach Tarifgebiet in unterschiedlicher Höhe und in drei Schritten bis zum Jahr 2022. Auch alle Auszubildenden sollen künftig ein 13. Monatseinkommen erhalten.

"Mit den 5,7 Prozent haben wir die absolute Obergrenze dessen erreicht, was unsere Unternehmen zu leisten vermögen", sagte Nostitz, der dem Vorstand des Baugewerbeverbands ZDB angehört. "Auf der anderen Seite bietet die lange Laufzeit von 26 Monaten den Unternehmen Planungssicherheit." IG-BAU-Chef Robert Feiger sprach von einem Ergebnis, das der guten Konjunktur der Bauwirtschaft entspreche. Ein Facharbeiter bekomme ab sofort 1,11 Euro mehr je Stunde. "Pro Monat bedeutet das ein Plus von rund 200 Euro."

Wolfgang Clement

Wolfgang Clement

Foto: Paul Zinken/ dpa

Das strittige Thema eines Wegegeldes für Fahrten zu den Baustellen wurde in der Schlichtung nicht geklärt. Es soll nach Übereinkunft beider Seiten später bei einer Überarbeitung des Bundesrahmentarifvertrages diskutiert werden.

apr/dpa
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