Einbußen von 30 bis 40 Prozent befürchtet Bauern warnen wegen Trockenheit vor schlechter Ernte – und noch höheren Preisen

Die Bauern leiden unter stark gestiegenen Preisen für Dünger, Sprit oder Futter. Nun bedroht die anhaltende Dürre auch noch die Ernte. Das dürften auch Verbraucher spüren.
Getreideernte auf der schwäbischen Alb: Schwierig wird es demnächst bei Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln

Getreideernte auf der schwäbischen Alb: Schwierig wird es demnächst bei Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln

Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Eigentlich sollen die Bauern derzeit dabei helfen, in einer Krisenproduktion die weltweit durch den Krieg beeinträchtige Lebensmittelversorgung zu sichern. Doch stark gestiegene Preise für Dünger, Futtermittel oder Treibstoff machen ihnen zu schaffen. Nun fällt angesichts der anhaltenden Trockenheit wohl auch noch die Ernte deutlich geringer aus als sonst.

Der Deutsche Bauernverband warnt bereits vor noch höheren Preisen. »Im Moment kämpfen wir an vielen Fronten. Die Düngemittelpreise sind vier Mal höher als vor einem Jahr. Die Energiekosten sind doppelt so hoch. Die Futterkosten haben zugenommen«, sagte der Präsident des Verbandes Joachim Rukwied. »Wenn es nicht demnächst durchgehend regnet, dann sind dort eben Ertragseinbußen von 30, 40 Prozent zu befürchten.«

Weniger Krankheiten durch Trockenheit

Niedersachsens Landvolk-Vizepräsident Ulrich Löhr sagte der »Neuen Osnabrücker Zeitung«: »Schwierig werden wird es bei Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln. Da rechnen wir wegen der Trockenheit mit erheblichen Ertragseinbrüchen.« Insbesondere für die Kartoffelernte sei es derzeit einfach zu heiß und zu trocken. Es gebe jedoch auch einen Vorteil der Trockenheit: weniger Krankheiten.

Die Getreideernte ist für dieses Jahr bereits auf der Zielgeraden. Sie dürfte Schätzungen zufolge etwas unter dem Mittel der zurückliegenden Jahre ausfallen. Die Ernten der Herbstkulturen, Kartoffeln oder Zuckerrüben etwa, stehen aber noch aus.

»Ich will nicht ausschließen, dass insbesondere Kulturen, die im Herbst geerntet werden, noch Preissteigerungen erfahren«, sagte Bauernpräsident Rukwied. »In Summe belastet natürlich die Witterungssituation unsere Betriebe.« Die Inflation hatte bereits in den vergangenen Monaten insbesondere Grundnahrungsmittel deutlich teurer werden lassen.

Weniger Weizen in Backqualität

Ob die Verbraucher mit weiteren Preissteigerungen rechnen müssten, vermochte der niedersächsische Landvolk-Vize Löhr dagegen noch nicht abzuschätzen. »Die Erzeugerpreise werden bei einzelnen landwirtschaftlichen Produkten sicher steigen, aber da der Preis auch von der Qualität der Ware bestimmt wird, muss selbst das nicht sein«, sagte er der Zeitung.

Beim Weizen allerdings bereitet den Landwirten auch die Qualität Sorgen. Aufgrund der Trockenheit, laut zahlreichen Landwirten aber auch aufgrund der Vorgaben der Düngeverordnung, wodurch weniger Stickstoff ausgebracht werden darf, ist weniger Weizen in Backqualität verfügbar. Das kann die Lebensmittelindustrie potenziell vor Probleme stellen.

Durch die Dürre wiederum sei die Grasnarbe in einigen Regionen braun, sagte Rukwied. »Da wächst überhaupt nichts nach.« Einige Betriebe müssten deshalb bereits Winterfuttervorräte zufüttern, da sie kein Grünfutter mehr schneiden könnten.

Zwar richte sich die Landwirtschaft laut Rukwied mit wasser- und bodenschonenden Verfahren auf trockenere und heißere Sommer ein. »Aber letztendlich ist eben zu befürchten, dass wir durch die Klimaveränderung zukünftig nicht mehr das Ertragsniveau der Neunzigerjahre beispielsweise erreichen können.«

apr/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.