Baumärkte in der Coronakrise Der zweifelhafte Ansturm auf Kabel und Farben

Nachdem sie in den vergangenen Tagen überrannt wurden, schließen immer mehr Baumärkte nun ihre Türen. Doch wo und für wen bleiben sie noch geöffnet? Und warum muss vielerorts sogar die Polizei draußen bleiben?
Schlange vor einem Baumarkt: Viele Menschen wollen die freie Zeit nutzen

Schlange vor einem Baumarkt: Viele Menschen wollen die freie Zeit nutzen

Foto: Michael Kappeler/ DPA

Himbeerpflanzen für den Garten, Glühbirnen für die Küchenlampe oder Kaminholz zum Heizen - wer in Niedersachsen zu einem Baumarkt fährt, wird diese Dinge nicht mehr bekommen. Denn die Türen der Heimwerkerläden sind geschlossen: Nach Bayern, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern hat auch Niedersachsen die Baumärkte am Montag dichtgemacht - weitere Bundesländer dürften folgen.

Doch es gibt eine Ausnahme: Kunden mit Gewerbeschein. "Wer den vorlegt, kommt bei uns weiterhin rein, überall in Deutschland", sagt Florian Preuß von Hornbach. Das gilt auch für alle anderen Baumärkte in Deutschland. Denn diese Kundengruppe müsse ihren Betrieb aufrechterhalten, für Privatkunden bleibe immerhin der Onlineshop.

Mit den zunehmenden Teilschließungen reagieren Landesregierungen und Kommunen auf den Ansturm der vergangenen zehn Tage: Trotz Coronakrise durften die Baumärkte lange offen bleiben, auch als andere Läden längst schließen mussten. Die Folge: Gelangweilte Familienväter, Hobbygärtner und Hamsterkäufer stürmten die Märkte. Was erst zu Gedränge zwischen Kabeln und Kloschüsseln führte, später zu langen Schlangen vor den zugangsbeschränkten Türen.

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Baumarkt-Tourismus zwischen den Bundesländern

Und schließlich sogar zu Baumarkt-Tourismus: Zahlreiche Bayern fuhren etwa am Samstag von Neu-Ulm über die Landesgrenze nach Ulm in Baden-Württemberg, um in den dort noch geöffneten Baumärkten mehr oder weniger Dringendes zu besorgen. "Das war bei unserem Ulmer Hornbach-Markt auch so", bestätigt Preuß. "Das trägt natürlich nicht zum Entzerren der Situation bei, wie sie wegen des Virus gewünscht ist."

In allen Bundesländern gelten bereits strenge Sicherheitsvorschriften: Bei Obi schütze man Mitarbeiter und Kunden etwa mit einer Zwei-Meter-Abstandsregel, der Zugang zu den Märkten werde reguliert und an den Ausgängen dürften "maximal fünf Personen an einer Kasse stehen", sagt Elena Ottaviano von Obi.

Alle Heimwerkerketten haben zudem "Spuckschutz" installiert, also Plexiglasscheiben an Kassen und Servicetheken, um vor Tröpfcheninfektionen bei Gesprächen zu schützen. Alle nicht zwingenden Leistungen wie Beratungen, Holzzuschnitt und Farbmischungen sind bei den meisten Ketten bereits eingestellt.

Corona-Verkaufsschlager: Stromkabel, Brennholz - und Farben

Zwar sei der Ansturm seit den Zugangsbeschränkungen abgeflaut, betonen Bauhaus, Hagebau und Hornbach. Trotzdem gibt es regelrechte Corona-Verkaufsschlager, bestätigt etwa Hornbach: Stromkabel, Brennholz, Gasflaschen, Tierfutter - sowie alle möglichen Farben, Lacke und Lasuren. "Das ist verständlich, die Leute wollen ihre Zeit sinnvoll nutzen und renovieren. Aber um unsere Gesundheit zu schützen: Bitte bestellen Sie die nicht dringenden Sachen online - und haben Sie Geduld, falls die Lieferung etwas länger als normal dauert", sagt Hornbach-Sprecher Preuß. Alternativ könne man online im Markt reservieren und die Ware innerhalb weniger Stunden selbst abholen. Auch das minimiere den Kontakt zu Personal und anderen Kunden.

Doch warum dürfen Baumärkte überhaupt noch öffnen? "Weil Baumärkte den Grundbedarf abdecken. Woher soll bei einem Rohrbruch das notwendige Material zur Reparatur kommen – wenn nicht aus dem Baumarkt?" sagt Frank Roth von Hagebau. Auch Toom zufolge gehe es darum, "Produkte und Sortimente rund um sicherheitsrelevante Maßnahmen, notwendige Reparaturen oder auch Brennstoffe und Gas sicherzustellen". Tatsächlich stufen die Behörden Baumärkte als versorgungsrelevant ein, genau wie Supermärkte.

Sogar die Polizei muss draußen bleiben

Die Schließung für alle Kunden ohne Gewerbeschein in einigen Bundesländern führe jetzt zu "absonderlichen Situationen", in denen "wir etwa Angehörige der Polizei und Stadtwerke (…) vom Kauf im Baumarkt ausschließen müssen", sagt Roth von Hagebau.

Eine deutsche behördliche Verordnung, nach der die Polizei in einigen Bundesländern letztlich als nicht versorgungsrelevant eingestuft wird – die momentane Lage in Deutschland ist tatsächlich erstaunlich. Doch wer weiß, wie lange das so bleibt – die Vorschriften ändern sich von Bundesland zu Bundesland täglich. Das sehen auch die Baumärkte so, die mit dem Flickenteppich an sich ändernden Vorschriften zu kämpfen haben: Der Baumarkt-Tourismus zeige, wie sinnvoll und dringend notwendig eine einheitliche Regelung wäre. Aktuell entscheiden nicht nur die Länder über Öffnung und Schließung, sondern auch die gut 11.000 Kommunen in Deutschland", sagt Hagebau-Sprecher Roth.

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