Druck auf fränkischen Familienkonzern Baustoffhersteller Knauf zieht sich aus Russland zurück
Baustoffsilo mit Knauf-Logo: Später Rückzug aus Russland
Foto: Michael Gstettenbauer / IMAGONun aber will sich das deutsche Unternehmen auch komplett vom russischen Markt zurückziehen. Der fränkische Familienkonzern bestätigte einen Bericht von »Business Insider« über den geplanten Ausstieg: »Die Knauf Gruppe hat vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen entschieden, sich nach mehr als 30 Jahren in Russland von ihrem dortigen Geschäft zu trennen.«
Es sei »der Wunsch des Unternehmens, das gesamte Geschäft in Russland inklusive Rohstoffgewinnung, der Produktion und des Vertriebs auf das lokale Management zu übertragen, um die Arbeitsplätze der mehr als 4000 Mitarbeiter auch in Zukunft zu erhalten«, teilte das Unternehmen weiter mit. Die geplante Transaktion stehe unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die zuständigen Behörden in Russland.
Gründe für die Beendigung des Russlandgeschäfts nannte die Gruppe nicht.
Der Familienkonzern, der 2022 mit rund 15,4 Milliarden Euro Umsatz zu den größten Baustoffherstellern weltweit zählte, war wegen seiner Russlandgeschäfte wiederholt in die Kritik geraten.
Anfang April hatte ein Bericht des ARD-Magazins »Monitor« nahegelegt, dass Knauf beim Wiederaufbau der von Russland besetzten ukrainischen Stadt Mariupol mithelfe und sich nicht an Sanktionsauflagen halte (hier gelangen Sie zu dem Beitrag ). Der Wiederaufbau von Mariupol als »russische« Stadt ist ein wichtiges Propagandaprojekt für Wladimir Putin.
Reporter hatten demnach auf Gipssäcken in Mariupol den Namen Knauf entdeckt. Das Unternehmen betonte daraufhin, seit Februar 2022 keine Waren mehr nach Russland zu liefern und auch nichts mehr aus Russland zu exportieren. Knauf liefere aus der EU auch keine Baustoffe nach Mariupol.
»Knauf unterhält keine direkten Lieferverträge zu Verbrauchern oder Verarbeitern von Knauf-Produkten in Russland. Unsere Produkte gelangen dort über viele verschiedene, von Knauf unabhängige Händler zu den Endkunden. Wir haben keinen Einfluss darauf, wie und wo die Endkunden unsere Produkte verwenden«, hatte eine Sprecherin Anfang April erklärt. Das Familienunternehmen produziere Baustoffe, sei aber nicht als Bauherr oder Investor an Bauvorhaben beteiligt.
Das Unternehmen betreibt ein Werk bei Kiew und 14 Produktionsstätten mit 4000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in Russland. In einer Stellungnahme zu dem ARD-Bericht hieß es, Knauf verurteile den Angriffskrieg auf die Ukraine und befolge sämtliche Sanktionen der EU, Großbritanniens und der USA gegen Russland. »Wir weisen den Vorwurf, das nicht zu tun, aufs Schärfste zurück.«
Fotos vom Patriarchen mit Putin
Das Unternehmen, das sich komplett im Besitz der Familie Knauf befindet, ist in über 90 Ländern vertreten und betreibt nach eigenen Angaben mehr als 300 Werke mit rund 40.000 Beschäftigten auf allen fünf Kontinenten.
Firmenpatriarch Nikolaus Knauf war mehr als zwei Jahrzehnte russischer Honorarkonsul, auf Fotos lächelt er neben Präsident Putin. Diesen Posten behielt er auch nach der Annexion der Krim. Die darauffolgenden Sanktionen gegen Russland bezeichnete er noch 2018 als »schrecklich«.
Josef Ackermann, Nikolaus Knauf (Mitte) und Wladimir Putin 2010 in Berlin
Foto: Robert Schlesinger / dpaNikolaus Knauf knüpfte erste Kontakte zu Putin bereits in den Neunzigerjahren, der spätere Präsident war da noch in der Stadtverwaltung von Sankt Petersburg tätig. Und auch nach Kriegsbeginn 2022 war der Draht zwischen Knauf in Russland und den Behörden offenbar eng geblieben: Nach Beginn der russischen Teilmobilisierung im Herbst 2022 unterstützte das Management einer Knauf-Fabrik vor den Toren von Moskau die russischen Behörden laut SPIEGEL-Recherchen dabei, Mitarbeiter zum Militärdienst einzuziehen (hier geht es zum Bericht).