Monsanto-Übernahme Anleger erhöhen Druck auf Bayer-Spitze

Es wird zunehmend unbequem für die Führungsriege bei Bayer. Aktionärsvertreter greifen nun auch den Aufsichtsratsvorsitzenden Wenning an: Der habe Vorstandschef Baumann ein überzogenes Gehalt gewährt.
Werner Wenning, Aufsichtsratschef von Bayer

Werner Wenning, Aufsichtsratschef von Bayer

Foto: Henning Kaiser / dpa

Vor der Hauptversammlung von Bayer gerät nun auch der Aufsichtsrat wegen der Monsanto-Übernahme unter Druck. Christian Strenger, Mitgründer der Regierungskommission für gute Unternehmensführung, hat einen weiteren Gegenantrag für das Aktionärstreffen eingereicht.

Bereits Anfang April hatte er gefordert, den Vorstand um Konzernchef Werner Baumann nicht zu entlasten, weil er die Risiken der Übernahme des US-Agrochemiekonzerns falsch eingeschätzt und so Milliarden an Börsenwert vernichtet habe. Nun beantragt Strenger, auch den Aufsichtsrat um Werner Wenning nicht zu entlasten.

Strenger kritisiert insbesondere, dass der Aufsichtsrat Baumann einen Anstieg der kurzfristigen Vergütung um 25 Prozent gewährt habe. Sie hängt davon ab, inwieweit Baumann bestimmte Ergebnisvorgaben und persönliche Ziele erreicht hat. Es sei "angesichts der operativen Minderergebnisse, der Schwächung der Bayer-Marke durch Monsanto und insbesondere durch die Fehleinschätzung der mit der Übernahme von Monsanto verbundenen signifikanten Kartell- und Prozessrisiken" zumindest fraglich, ob die Bezahlung des Bayer-Chefs mit dem Aktiengesetz zu vereinbaren sei.

Strenger fordert zudem, Bayer solle bis zur nächsten Hauptversammlung ein "deutlich vereinfachtes, für alle Stakeholder verständliches Vergütungsmodell" vorschlagen. Es zeige sich, dass der Aufsichtsrat Probleme hat, "mit dem viel zu komplexen Vergütungssystem sachgerecht umzugehen".

Bei einer Nichtentlastung könnten der Aufsichtsrat und der Vorstand zwar weiter im Amt bleiben, ein negatives Votum gilt jedoch als starkes Signal gegen die Konzernführung. Neben Strenger hatten auch die Stimmrechtsvertreter ISS und Glass Lewis empfohlen, gegen eine Entlastung des Vorstands zu stimmen.

Bayer erklärt in einer Stellungnahme zu den Gegenanträgen für die Hauptversammlung, der Vorstand habe sich "im Rahmen der Übernahme von Monsanto sehr eingehend und in einer Vielzahl von Sitzungen mit den Chancen und Risiken der Übernahme auseinandergesetzt" und diese "sorgfältig gegeneinander abgewogen". Die Strategie des Vorstands sei aus Sicht des Aufsichtsrats "überzeugend" und die Vergütung für Baumann "angemessen."

Bayer hat seit der Monsanto-Übernahme rund 37 Milliarden Euro an Börsenwert verloren. Zuletzt hatte der Konzern in den USA zwei Schadensersatzprozesse gegen Nutzer des Pflanzenschutzmittels Roundup verloren, die geklagt hatten, weil sie eine Krebserkrankung auf den Einsatz des Glyphosat-Mittels zurückführen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.