Werbeoffensive von US-Kanzleien Tausende neue Glyphosat-Klagen gegen Bayer

Binnen drei Monaten hat sich die Zahl der Glyphosat-Klagen gegen Bayer in den USA mehr als verdoppelt. Grund dürfte die deutlich ausgeweitete Fernsehwerbung von Anwälten sein.
Anti-Glyphosat-Demo im April 2019 in Bonn: Klagen gegen Unkrautvernichter belasten Bayer

Anti-Glyphosat-Demo im April 2019 in Bonn: Klagen gegen Unkrautvernichter belasten Bayer

Foto: Thilo Schmuelgen/REUTERS

Der juristische Druck auf Bayer wegen möglicher Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat steigt. In den USA schnellte die Zahl der Kläger sprunghaft in die Höhe - auch weil die auf solche Klagen spezialisierten Kanzleien ihre Fernsehwerbung zuletzt deutlich hochfuhren.

Bis Mitte Oktober wurden dem Konzern Klagen von etwa 42.700 Klägern zugestellt, teilte Bayer mit. Das sind deutlich mehr als noch im Juli, als es rund 18.400 waren.

Der Konzern teilte mit, er werde sich weiter "entschieden zur Wehr setzen". Die nächsten Verhandlungen stehen allerdings erst im Januar an. Der Leiter des Agrargeschäfts, Vorstandsmitglied Liam Condon, hatte sich vor Kurzem zuversichtlich gezeigt, den Streit um den Unkrautvernichter "früher oder später" beizulegen. Der Druck auf Bayer, eine Einigung zu finden, dürfte mit der steigenden Zahl von Klägern zunehmen.

Die drei zuletzt angesetzten Glyphosat-Prozesse in den USA waren allesamt verschoben worden. Der Mediator Ken Feinberg versucht, eine außergerichtliche Einigung zwischen Bayer und US-Klägern zu erreichen. In den Mediationsprozess will sich Bayer eigener Aussage zufolge "konstruktiv" einbringen.

Bislang hat der Konzern in den USA drei Prozesse in erster Instanz verloren und wurde von den Geschworenen zu hohen Schadensersatzzahlungen verurteilt. Das Unternehmen hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und darauf verwiesen, dass Zulassungsbehörden weltweit das Herbizid Glyphosat bei sachgemäßer Anwendung als sicher bewerten.

Die Klagewelle hat sich Bayer mit der milliardenschweren Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto ins Haus geholt, der Glyphosat entwickelt hat. Mit dem Zukauf wurde das Agrargeschäft deutlich ausgebaut und Bayer zum weltweit größten Anbieter von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln.

Während die Klagewelle auf Bayer lastet, läuft das Tagesgeschäft dank der Nachfrage nach Agrarprodukten und Medikamenten besser als gedacht.

Insgesamt kam Bayer im dritten Quartal auf ein bereinigtes Ergebnis von 2,29 Milliarden Euro, ein Plus von 7,5 Prozent. Der Konzerngewinn sank um fast 64 Prozent auf 1,04 Milliarden Euro, im Vorjahr verbuchte das Unternehmen allerdings hohe Sondererträge. Der Umsatz legte um rund sechs Prozent auf 9,83 Milliarden zu.

Der Aktienkurs von Bayer   stieg am Vormittag um mehr als zwei Prozent.

mmq/dpa/Reuters
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