Unkrautvernichter Glyphosat Bayer gewinnt Prozess gegen Mutter von krebskrankem Jungen

Ein Kind in den USA ist schwer an Krebs erkrankt – die Mutter führte dies auf das Unkrautmittel Roundup aus dem Bayer-Konzern zurück und klagte. Doch Geschworene in Kalifornien teilten diese Einschätzung nicht.
Unkrautvernichtungsmittel Roundup (Archivbild)

Unkrautvernichtungsmittel Roundup (Archivbild)

Foto: Haven Daley/ DPA

Die Mutter eines krebskranken Jungen hat in Kalifornien einen Prozess gegen die Bayer-Tochter Monsanto verloren. Wie die Anwälte der Klägerin Destiny Clark am Dienstag mitteilten, gab es aus Sicht der Geschworenen keine Beweise für einen Zusammenhang zwischen dem glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmittel Roundup und der Krankheit des Jungen Ezra Clark.

In ihrer Mitte September bei einem Gericht in Los Angeles eingereichten Klage machte die Mutter Monsanto dafür verantwortlich, dass ihr Sohn am sogenannten Burkitt-Lymphom erkrankt ist.

Der Klageschrift zufolge war das Kind dem Unkrautvernichter ausgesetzt, als die Mutter dieses auf ihrem Grundstück versprühte. Der Junge war demnach nur vier Jahre alt, als bei ihm im Jahr 2016 das Burkitt-Lymphom festgestellt wurde. Es zählt zu den am schnellsten wachsenden Tumorarten.

Ein Sprecher von Bayer erklärte, das Unternehmen habe »großes Mitgefühl für Ezra Clark und seine Familie«. Die Geschworenen hätten jedoch »die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu diesem Fall sorgfältig abgewogen« und seien zu dem Schluss gekommen, »dass Glyphosat nicht die Ursache seiner Krankheit ist«.

Die Anwälte der Klägerin erklärten, es handele sich um einen »sehr ungewöhnlichen Fall«. Die Geschworenen-Jury sei nur gefragt worden, ob die Krebserkrankung des Jungen darauf zurückzuführen sei, dass er Roundup ausgesetzt gewesen sei. Beweise zum Verhalten von Monsanto seien nicht erlaubt gewesen. Möglicherweise würden sie in Berufung gehen.

Immer wieder Rechtsstreit wegen Roundup

Monsanto sieht sich wegen Roundup in den USA bereits mit zahlreichen Klagen konfrontiert, in denen das Herbizid als Ursache von Krebserkrankungen benannt wird. Das US-Unternehmen war im Jahr 2018 von Bayer aufgekauft worden. Der Leverkusener Chemiekonzern übernahm damit auch die juristischen Probleme von Monsanto.

Bayer betont stets, dass Roundup bei sachgerechter Anwendung sicher sei und verweist auf entsprechende Einschätzungen unter anderem der US-Umweltbehörde EPA und auch der Aufsichtsbehörden in der EU und Deutschland. Die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung hatte hingegen 2015 konstatiert, dass Glyphosat »wahrscheinlich krebserregend bei Menschen« sei.

Im Mai war Bayer aus einem Vergleichsverfahren mit dem Ziel einer milliardenschweren Einigung mit Zehntausenden Klägern ausgestiegen. Stattdessen entwickelte der Konzern einen Fünf-Punkte-Plan, mit dem künftigen Rechtsrisiken zu Roundup begegnet werden soll.

jok/AFP