Krebsverdacht Bayer meldet fast 9000 Glyphosat-Klagen

Etwa 290 Millionen Euro musste Bayer einem Hausmeister zahlen, der seine Krebserkrankung auf den Unkrautvernichter Glyphosat zurückführte. Nun meldet der Konzern Tausende weiterer Klagen - auch wegen anderer Produkte.
Bayer-Logo in Wuppertal

Bayer-Logo in Wuppertal

Foto: Ina Fassbender/ REUTERS

Glyphosat steht unter dem Verdacht, Krebs zu erregen. Wegen des Unkrautvernichters sieht sich Bayer inzwischen mit rund 8700 Klagen in den USA konfrontiert. Mit weiteren Klagen sei zu rechnen, schreibt der Pharma- und Agrarchemiekonzern in seinem neuen Quartalsbericht. Zuletzt waren rund 8000 Klagen bekannt, Mitte Juli waren es sogar erst 400 Klagen.

Die meisten Betroffenen haben nach Angaben des Leverkusener Unternehmens ihre Klagen bei einzelstaatlichen Gerichten in den US-Bundesstaaten Missouri, Delaware und Kalifornien eingereicht, die übrigen bei verschiedenen Bundesgerichten. Die Kläger werfen der neuen Bayer-Tochter Monsanto vor, der Kontakt mit glyphosathaltigen Produkten des Unternehmens haben bei ihnen zu Gesundheitsschäden, unter anderem zu Krebs, geführt. Sie fordern deshalb Schadensersatz.

Ein kalifornisches Geschworenengericht hatte Monsanto Mitte August zu einer Schadensersatzzahlung von 289 Millionen Dollar an einen an krebskranken Mann verurteilt. Glyphosat wurde von Monsanto entwickelt, wird aber auch von anderen Firmen hergestellt, da das Patent seit Jahren abgelaufen ist. Bayer will das Urteil durch den Richter des Geschworenengerichts überprüfen lassen und gegebenenfalls Berufung einlegen.

Neben Glyphosat drohen Bayer weitere Klagen

Angaben zu etwaigen Rückstellungen machte der Konzern nicht. Er verwies lediglich darauf, dass Monsanto in üblichem Umfang gegen gesetzliche Produkthaftungsansprüche versichert sei und angemessene Vorsorge für erwartete Verteidigungskosten getroffen habe.

Bayer sieht sich auch noch weiteren rechtlichen Risiken im Zusammenhang mit seinen Produkten ausgesetzt. So liegen in den USA inzwischen Klagen von etwa 24.300 Nutzern des Gerinnungshemmers Xarelto vor, die das Medikament für Blutungen bis hin zu Todesfällen verantwortlich machen. Xarelto ist das umsatzstärkste Medikament des Konzerns. Ende Januar lag die Zahl der Klagen noch bei rund 22.000.

Die Zahl der Klagen wegen der Sterilisationsspirale Essure stieg bis Mitte August auf rund 17.000 von etwa 16.100 Ende Januar. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat wegen Essure Tausende Beschwerden erhalten, unter anderem wegen Schmerzen, Menstruationsstörungen, ungewollte Schwangerschaften und auch Todesfälle, die mit dem Produkt in Verbindung gebracht werden. Bayer rechnet auch bei Xarelto und Essure mit weiteren Klagen.

bam/Reuters
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