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15. Mai 2019, 08:58 Uhr

Kritiker-Liste bei Monsanto

Grüne fordern Bayer zur Offenlegung der Namen auf

Der Agrarkonzern Monsanto hat eine Liste mit hartnäckigen Kritikern geführt. Nun wollen grüne Politiker wie Anton Hofreiter und Martin Häusling vom Mutterkonzern Bayer wissen, ob sie auch betroffen sind.

Die Übernahme von Monsanto hat Bayer bislang nur Ärger beschert. Neben hohen Schadensersatzurteilen in Glyphosat-Prozessen in den USA sorgt ein weiteres heikles Thema für Schlagzeilen. Der Saatgut- und Pestizidhersteller Monsanto hat eine interne Liste mit Kritikern geführt. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren ein.

Nun machen auch Umweltpolitiker der Grünen im Bundestag und im Europäischen Parlament Druck. Sie forderten Bayer-Chef Werner Baumann auf offenzulegen, wer auf möglichen Listen mit Kritikern der US-Tochter Monsanto in Deutschland und anderen europäischen Ländern steht. "Darüber hinaus erwarten wir Informationen darüber, was das Ziel dieser Auflistung war", heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Offenen Brief an Baumann.

Den Brief, aus dem die Nachrichtenagentur AFP zitiert, unterzeichneten der Grünenfraktionschef im Bundestag, Anton Hofreiter, die Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer, Harald Ebner, Renate Künast und Friedrich Ostendorff sowie die Europaparlamentarier Maria Heubuch und Martin Häusling. Sie wollen von Baumann auch wissen, ob sie persönlich auf einer Monsanto-Liste stehen.

Vergangene Woche war in Frankreich bekannt geworden, dass Monsanto und eine PR-Agentur eine geheime Liste mit Kritikern führten. Kritische Politiker, Wissenschaftler und Journalisten wollte der Agrarkonzern laut einem Bericht des Senders France 2 "erziehen", besonders hartnäckige Gegner von Monsanto sogar "überwachen".

Bayer entschuldigte sich und räumte ein, dass es solche Listen auch in anderen europäischen Ländern gebe. Der entsprechende Vertrag mit der PR-Agentur Fleishman Hillard erstrecke sich auf ganz Europa einschließlich Deutschland. Dem französischen Medienbericht zufolge wurden Adressen, Telefonnummern und Bemerkungen zu Kritikern von Monsanto notiert.

Die Grünenpolitiker fordern von Bayer-Chef Baumann, er solle erklären, ob er die Speicherung weiterer persönlicher Daten ausschließen könne. Zudem solle er sagen, in welcher Form und in welchem Umfang Daten ausgewertet wurden.

Bayer hatte Monsanto vergangenes Jahr für eine Rekordsumme von 63 Milliarden Dollar gekauft. Der US-Konzern steht bei Umweltpolitikern seit Jahren in der Kritik, unter anderem weil er glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel in großem Stil herstellt. Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Bayer weist das zurück.

mmq/AFP

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