Kritiker-Liste bei Monsanto Grüne fordern Bayer zur Offenlegung der Namen auf

Der Agrarkonzern Monsanto hat eine Liste mit hartnäckigen Kritikern geführt. Nun wollen grüne Politiker wie Anton Hofreiter und Martin Häusling vom Mutterkonzern Bayer wissen, ob sie auch betroffen sind.

Bayer-Chef Werner Baumann
SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX

Bayer-Chef Werner Baumann


Die Übernahme von Monsanto hat Bayer bislang nur Ärger beschert. Neben hohen Schadensersatzurteilen in Glyphosat-Prozessen in den USA sorgt ein weiteres heikles Thema für Schlagzeilen. Der Saatgut- und Pestizidhersteller Monsanto hat eine interne Liste mit Kritikern geführt. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren ein.

Nun machen auch Umweltpolitiker der Grünen im Bundestag und im Europäischen Parlament Druck. Sie forderten Bayer-Chef Werner Baumann auf offenzulegen, wer auf möglichen Listen mit Kritikern der US-Tochter Monsanto Chart zeigen in Deutschland und anderen europäischen Ländern steht. "Darüber hinaus erwarten wir Informationen darüber, was das Ziel dieser Auflistung war", heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Offenen Brief an Baumann.

Den Brief, aus dem die Nachrichtenagentur AFP zitiert, unterzeichneten der Grünenfraktionschef im Bundestag, Anton Hofreiter, die Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer, Harald Ebner, Renate Künast und Friedrich Ostendorff sowie die Europaparlamentarier Maria Heubuch und Martin Häusling. Sie wollen von Baumann auch wissen, ob sie persönlich auf einer Monsanto-Liste stehen.

Vergangene Woche war in Frankreich bekannt geworden, dass Monsanto und eine PR-Agentur eine geheime Liste mit Kritikern führten. Kritische Politiker, Wissenschaftler und Journalisten wollte der Agrarkonzern laut einem Bericht des Senders France 2 "erziehen", besonders hartnäckige Gegner von Monsanto sogar "überwachen".

Bayer entschuldigte sich und räumte ein, dass es solche Listen auch in anderen europäischen Ländern gebe. Der entsprechende Vertrag mit der PR-Agentur Fleishman Hillard erstrecke sich auf ganz Europa einschließlich Deutschland. Dem französischen Medienbericht zufolge wurden Adressen, Telefonnummern und Bemerkungen zu Kritikern von Monsanto notiert.

Die Grünenpolitiker fordern von Bayer-Chef Baumann, er solle erklären, ob er die Speicherung weiterer persönlicher Daten ausschließen könne. Zudem solle er sagen, in welcher Form und in welchem Umfang Daten ausgewertet wurden.

Bayer Chart zeigen hatte Monsanto vergangenes Jahr für eine Rekordsumme von 63 Milliarden Dollar gekauft. Der US-Konzern steht bei Umweltpolitikern seit Jahren in der Kritik, unter anderem weil er glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel in großem Stil herstellt. Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Bayer weist das zurück.

mmq/AFP

insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
Marvin__ 15.05.2019
1. Mal ganz naiv gefragt:
Was ist eigentlich verwerflich an solchen Listen? Für jedes größere Projekt werden Stakeholder-Analysen gemacht, als Basis für Kommunikationspläne: Wer hat Aktien im Projekt, wer hat Einfluss, wie steht er/sie zum Projekt. Wer kann uns unterstützen, wen müssen wir überzeugen, wen müssen wir informieren. Und natürlich hat man eine Liste mit Kontaktdaten - wie sonst sollte man kommunizieren? Verwerflich oder gar kriminell wäre, wenn Material als Basis für illegale Aktivitäten - Erpressung oder Bestechung - gesammelt worden wäre. Darüber gibt es jedoch bisher keine Informationen. Daher die Frage: Wurde etwas verwerfliches gemacht? oder wird hier ein ganz normales Vorgehen skandalisiert, weil man sich gerade auf die Firma Bayer eingeschossen hat?
theos001 15.05.2019
2.
Es war schlicht dumm die Firma aufzukaufen. Es ist eine US Firma, die in den USA vielfach verklagt wird und dort sind enorme Strafzahlungen üblich. Wäre interessant zu wissen wv Monsanto noch wert wäre, wenn die Prozesskosten gegen den übernahme preis gegengerechnet werden. Da wird nicht viel übrig bleiben..... Ramschfirma, die zurecht bankrott gehen sollte.
Johann Dumont 15.05.2019
3. andere Namen wären noch interessanter
wie kommt ein blasser Herr Baumann dazu Monsanto zu kaufen? Keiner der Mitarbeiter von Bayer wollte das - schon seit Jahren gibt es Protest. Das Lebenswerk von Generationen von Mitarbeitern steckt in dem Unternehmen. Wer profitiert neben Blackrock? Blackrock war ja sowohl an Bayer als auch an Monsato beteiligt. Sicher gibt es weitere Kenntnisse - aber Whistleblower leben sehr gefährlich.
Byrne 15.05.2019
4. Eben weil es Bayer/Monsanto ist
Zitat von Marvin__Was ist eigentlich verwerflich an solchen Listen? Für jedes größere Projekt werden Stakeholder-Analysen gemacht, als Basis für Kommunikationspläne: Wer hat Aktien im Projekt, wer hat Einfluss, wie steht er/sie zum Projekt. Wer kann uns unterstützen, wen müssen wir überzeugen, wen müssen wir informieren. Und natürlich hat man eine Liste mit Kontaktdaten - wie sonst sollte man kommunizieren? Verwerflich oder gar kriminell wäre, wenn Material als Basis für illegale Aktivitäten - Erpressung oder Bestechung - gesammelt worden wäre. Darüber gibt es jedoch bisher keine Informationen. Daher die Frage: Wurde etwas verwerfliches gemacht? oder wird hier ein ganz normales Vorgehen skandalisiert, weil man sich gerade auf die Firma Bayer eingeschossen hat?
Ja, da haben Sie recht. Jedes größere Unternehmen führt solche Listen von wohlgesonnenen und auch kritischen Journalistinnen und Journalisten und auch anderen relevanten Personen. Das ist Usus und auch strafrechtlich völlig irrelevant. Im Fall Monsanto jetzt einfach nur ein hübscher Aufreger.
jj2005 15.05.2019
5. Verwerflich?
Zitat von Marvin__Was ist eigentlich verwerflich an solchen Listen? Für jedes größere Projekt werden Stakeholder-Analysen gemacht, als Basis für Kommunikationspläne: Wer hat Aktien im Projekt, wer hat Einfluss, wie steht er/sie zum Projekt. Wer kann uns unterstützen, wen müssen wir überzeugen, wen müssen wir informieren. Und natürlich hat man eine Liste mit Kontaktdaten - wie sonst sollte man kommunizieren? Verwerflich oder gar kriminell wäre, wenn Material als Basis für illegale Aktivitäten - Erpressung oder Bestechung - gesammelt worden wäre. Darüber gibt es jedoch bisher keine Informationen. Daher die Frage: Wurde etwas verwerfliches gemacht? oder wird hier ein ganz normales Vorgehen skandalisiert, weil man sich gerade auf die Firma Bayer eingeschossen hat?
Richtig, früher hätte das die Sekretärin des Vorstandschefs so nebenbei erledigt. Kundenpflege oder so. Aber bei allseits (zu Recht) verhassten Grosskonzernen wie Monsanto guckt man schon genauer hin, und Anton Hofreiter hat sicher ein gutes Motiv, da mal nachzuhaken. Die Frage ist allerdings, was bringt es, Bayer/Monsanto den Bach runtergehen zu lassen? Stehen da schon "bessere" Chemiekonzerne in der Warteschlange? Und ist es ok, wenn die USA nach Gutdünken europäische Konzerne abschlachten, indem Laienjurys das Hundertfache des vernünftigen Strafmasses verhängen (mal dreist angenommen, Glyphosat wäre tatsächlich für die beiden Krebserkrankungen verantwortlich)? Ist es ok, dass europäische Konzerne wie VW oder Bayer den amerikanischen Staatshaushalt aufpeppen, damit Mr Trump den Reichen die Steuern erlassen kann?
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