Wirtschaft

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Skandal bei Bayer-Tochter

Monsanto spionierte Kritiker in ganz Europa aus

Der Skandal um Schnüffeleien gegen Monsanto-Kritiker in Frankreich zieht immer weitere Kreise. Der Mutterkonzern Bayer muss nun einräumen, dass auch Deutschland betroffen ist.

Von

Brendan McDermid/ REUTERS

Monsanto-Logo

Montag, 13.05.2019   16:50 Uhr

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Der von Bayer 2018 übernommene US-Konzern Monsanto hat nicht nur in Frankreich Kritiker des Unternehmens ausgespäht. Er gehe "fest davon aus, dass weitere Länder betroffen sind, einschließlich Deutschland", sagte der Bayer-Manager Matthias Berninger in einer Telefonkonferenz.

Berninger, Mitglied der Grünen und früher Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium, wechselte im Januar von Mars zu Bayer. Hier muss er als Leiter des Bereichs Public Affairs und Nachhaltigkeit die Aufklärung der Angelegenheit vorantreiben.

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Das Anlegen von Listen und Datensätzen über Politiker, Wissenschaftler und Journalisten, wie es vor wenigen Tagen aus Frankreich bekannt wurde, seien Praktiken gewesen, die eher in den USA üblich gewesen seien. Im Fußballjargon, so Berninger, würde man sagen, "da wurde nicht der Ball gespielt, sondern auf den Mann gegangen".

Die Listen, die der umstrittene US-Saatguthersteller und Glyphosat-Produzent Monsanto seit 2015 anlegte, dienten nicht nur dazu, sogenannte Stakeholder in Gut und Böse einzuteilen. Man wollte sie auch gezielt überwachen und wenn nötig diskreditieren, um öffentliche Debatten zu gewinnen und seine Produkte voranzubringen. Solche Praktiken, so Berninger, werde es unter seiner Führung nicht mehr geben.

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Vorläufig beendet sei deswegen die Zusammenarbeit mit der zuständigen PR-Agentur Fleishman Hilard, die auch in Deutschland für Monsanto tätig war. Bayer werde eine Anwaltskanzlei beauftragen, das Vorgehen von Monsanto zu untersuchen. Bereits am Wochenende hatte Bayer um "Entschuldigung" gebeten und sich von Monsanto abgegrenzt: "Dies ist nicht die Art, wie Bayer den Dialog mit unterschiedlichen Interessengruppen und der Gesellschaft suchen würde."

Neben den unterschätzten Klagen potenzieller Glyphosat-Opfer in den USA kommt mit dem Untersuchungsverfahren der französischen Staatsanwaltschaft nun ein weiteres großes Problem auf den deutschen Konzern zu. Und es könnten noch mehr werden: Er habe schnell gemerkt, dass es noch Aktivitäten gebe, die in die Vergangenheit reichen, so Berninger.

Ein solcher PR-Stunt war die Kampagne "Freedom to Farm". Eine irische PR-Agentur hatte für Monsanto Landwirte (ob tatsächlich existierende oder auch erfundene, vermag Bayer noch nicht zu sagen) in Stellung gebracht und eine angebliche Massenbewegung "Pro Glyphosat" inszeniert. In den USA sind solche getürkten Bürgerbewegungen unter dem Begriff "Astroturfing" bekannt. "Freedom to Farm" wurde Ende 2018 beendet.

Berninger selbst spricht von "Simulation" und "Fake News". Wenn sich eine Bewegung nicht von alleine bewege, "dann ist es keine Bewegung".

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