Glyphosat-Prozess Richterin senkt Strafe für Bayer drastisch

Erneut ist in einem Prozess um das Pestizid Glyphosat das Strafmaß für Bayer gesenkt worden. Statt zwei Milliarden Dollar muss der Konzern nur knapp 90 Millionen zahlen. Bayer geht trotzdem in Berufung.

Bayer will gegen das Urteil in Berufung gehen
Adam Berry / Getty Images

Bayer will gegen das Urteil in Berufung gehen


Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer muss in einem Gerichtsverfahren um den Unkrautvernichter Glyphosat wesentlich weniger zahlen als zunächst festgelegt.

Richterin Winifred Smith reduzierte am Donnerstag den von einem Geschworenengericht angeordneten Schadensersatz für ein an Krebs erkranktes Ehepaar von zwei Milliarden Dollar auf 86,7 Millionen Dollar.

Dem Antrag von Bayer, ganz auf eine Strafzahlung zu verzichten, folgte sie nicht. Der verringerte Schadensersatz ändert auch nichts am Urteil, dass Bayer für die Krebserkrankung des Ehepaars haften muss.

Unternehmen kündigt Berufung an

Der Chemiekonzern sprach in einer Erklärung von einem Schritt in die richtige Richtung, kündigte jedoch Berufung gegen das Urteil an. Es entspreche nicht "der Beweislage in dem Verfahren".

Das Urteil stehe "im Widerspruch zu dem umfangreichen Bestand wissenschaftlich zuverlässiger Erkenntnisse und den Schlussfolgerungen führender Regulierungsbehörden weltweit", teilte Bayer mit. Diese bestätigten, dass glyphosatbasierte Herbizide bei sachgemäßer Verwendung "sicher sind und Glyphosat nicht krebserregend ist".

Das Ehepaar Alva und Alberta Pilliod macht die jahrzehntelange Verwendung des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup der Bayer-Tochter Monsanto für seine Erkrankung an Lymphdrüsenkrebs verantwortlich.

Anwalt der Pilliods spricht von "großem Sieg"

Eine Jury hatte dem Ehepaar im Mai recht gegeben. Das Unternehmen habe es versäumt, vor dem Krebsrisiko des Herbizids zu warnen und fahrlässig gehandelt. Die Geschworenen hatten Bayer daher zu einem Schadensersatz von 55 Millionen Dollar und einem Strafschadenersatz von zwei Milliarden Dollar verurteilt.

Nun müssen die Pilliods entscheiden, ob sie den reduzierten Schadensersatz akzeptieren oder einen neuen Prozess wollen. Ihr Anwalt Brent Wisner bezeichnete die Entscheidung des Gerichts trotz des gesenkten Strafmaßes insgesamt als "großen Sieg". Es ist bereits der dritte Glyphosat-Prozess, den Bayer in den USA verloren hat. Zwar wurden die von Geschworenenjurys verhängten Strafen jedes Mal später gesenkt, doch der Druck für den Dax-Konzern bleibt hoch.

In der Forschung ist die Frage, ob die in Roundup enthaltene Chemikalie Glyphosat eine krebsauslösende Wirkung hat, umstritten. Die US-Umweltbehörde EPA und auch die Aufsichtsbehörden in der EU und Deutschland gelangten zu dem Schluss, dass von Glyphosat keine Krebsgefahr ausgeht. Dagegen konstatierte die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) vor drei Jahren, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend bei Menschen" sei.

Mehr als 13.400 Klagen

Bayer hatte den US-Saatguthersteller 2018 für rund 63 Milliarden Dollar gekauft und damit immense Rechtsrisiken übernommen. Der deutsche Konzern ist in den USA mit mehr als 13.400 Klagen wegen angeblicher Krebsgefahren von Monsanto-Produkten konfrontiert. Bisher setzt der Leverkusener Pharma- und Agrarkonzern konsequent darauf, die Urteile vor Berufungsgerichten anzufechten. Allerdings werden solche Massenklagen in den USA meist früher oder später mit einem Vergleich beigelegt.

Ein Bundesgericht in San Francisco, bei dem mehrere Hundert Glyphosat-Klagen gebündelt sind, hat Bayer bereits zu einer gütlichen Einigung gedrängt und einen Schlichter bestellt.

brt/Reuters/dpa



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Beat Adler 26.07.2019
1. Die US Firma Monsanto haelt sich an alle US Gesetze und Vorschriften.
Die US Firma Monsanto haelt sich an alle US Gesetze und Vorschriften. Sie schreibt auf der Etikette ihres Produktes genau das, was die Behoerden, FDA und EPA, ihr vorschreiben. Sie bekommt die Verkaufsbewilligung dieser beiden Behoerden fuer das Produkt und bringt es auf den Markt. Die Bewilligung wurde seitdem bereits mehrfach erneuert. Solange es nicht den Hauch eines Hinweises darauf gibt, dass Monsanto diese Verkaufsbewilligung auf illegale Weise erschlich, wird kein Gericht in den USA schlussendlich ihren beiden Behoerden, der FDA Food and Drug Agency und der EPA Environment Protection Agency an den Karren fahren und ihnen grobe Nachlaessigkeit vorwerfen. Denn wenn Bayer vor der letzten Instanz verlieren sollte, verklagen sie diese beiden Behoerden auf den entsprechenden Schadensersatz. Beide Behoerden beschlossen, dass Glyphosat in den USA auf dem Markt bleibt. Sie beschlossen auch, dass keine weiteren Aenderungen, Warnungen auf der Etikette noetig sind. Sie tragen Verantwortung fuer die US Bevoelkerung, deren Gesundheit, dem Schutz der Umwelt, und fuer die US Bauern damit diese zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit Dank der Anwendung von Glyphosat weiterhin beitragen. mfG Beat
mohsensalakh 26.07.2019
2. Alles erst nach dem Bayer Monsanto kaufte!
Wetten, dass die Klagen sofort fallen würden, würde Bayer Monsanto wieder an eine amerikanische Firma verkaufen? Sofort wird eine Studie zeigen, dass Glysophat gut für die Natur und sogar Gesundheitsfördernd ist!
frenchie3 26.07.2019
3. @1 Das ist genau das perverse an den Urteilen
Von höchststaatlicher Stelle als "gesund" deklariert und trotzdem solche Urteile. Dazu die Frage: was ist ein Leben wert? Da geht die Spanne durchaus von nichts bis sehr viel, welche Berechnungsgrundlage für welches Leid?
RufindenWald 26.07.2019
4. Es lebe die Wurst !!!
Ich versteh die künstliche Aufregung um Glyphosat nicht. Es ist und bleibt zur Zeit das Mittel der Wahl zur Unkräutbekämpfung, die anderen Mittelchen sind mit ihren belegten Nebenwirkungen gefährlicher. Und auch die immer wieder aufgewärmte Klassifizierung durch die WHO, als wahrscheinlich krebserregend... Mensch Leute.. Ihr trinkt Bier und esst möglicherweise auch mal rotes Fleisch oder Würstchen... und die sind krebserregend nach WHO... und nicht nur wahrscheinlich - und da würde eher das Geschrei losgehen wenn es diese nicht mehr geben würde. Prost und eine schöne Grillzeit.
vantast64 26.07.2019
5. "Umfangreicher Bestand wissenschaftlich zuverlässiger Erkenntnisse"...
die vermutlich Monsanto bezahlt hat, ähnlich dem verhängnisvollen "Gutachten zur Finanzierung des öffentlichen Rundfunks...", das nur ein Gefälligkeitsgutachten ist. Paul Kirchhof: "….Ich habe gemeinsam mit den Rundfunkanstalten ein verfassungsrechtlich zulässiges und praktisch gebotenes Finanzierungssystem entwickelt...." Sein Bruder Ferdinand bestätigte im Urteil des Verfassungsgerichts seine Rechtsgrundlagen, die zwar grundgesetzwidrig sind, aber zum Wohle der Interessen von Politikern unterwürfig übernommen wurden.
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