56-Milliarden-Deal Bayer übernimmt Monsanto - und lässt den Namen verschwinden

Der Chemiekonzern Bayer ist am Ziel: In wenigen Tagen ist er alleiniger Eigentümer des US-Saatgutunternehmens Monsanto. Der belastete Name soll mit der Fusion verschwinden.
Proteste bei Bayer-Hauptversammlung

Proteste bei Bayer-Hauptversammlung

Foto: PATRIK STOLLARZ/ AFP

Bayer streicht nach der Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto dessen belasteten Namen. Monsanto werde nach der Fusion "als Unternehmensname nicht fortgeführt", teilte Bayer mit. Der gemeinsame Unternehmensname bleibe Bayer. Die Monsanto-Produkte würden allerdings ihre Namen behalten und "Teil des Portfolios von Bayer werden", hieß es.

Am Donnerstag wird die 56 Milliarden Euro teure Übernahme demnach abgeschlossen sein. "Bayer wird am 7. Juni der alleinige Eigentümer der Monsanto Company", teilte der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern mit. Alle behördlichen Freigaben lägen vor.

Mit dem Zukauf steigt der Dax-Konzern zum weltgrößten Anbieter von Herbiziden und Saatgut auf. Die entscheidende Hürde für die Übernahme hatte Bayer vor knapp einer Woche genommen, als das US-Justizministerium den Megadeal unter Auflagen genehmigte. Im März hatte bereits die EU-Kommission zugestimmt. Für die Übernahme will Bayer   sechs Milliarden Euro frisches Kapital einsammeln.

Bayer hatte im Mai 2016 seine Absicht angekündigt, Monsanto   zu übernehmen. Da Bayer und Monsanto fast rund um den Globus Geschäfte machen, mussten Genehmigungen in rund 30 Ländern eingeholt werden. Bayer bekam strenge Auflagen, so dass am Ende nicht nur der Kaufpreis höher ausfiel als ursprünglich geplant. Auch was die Größe der zu veräußernden Teile angeht, hatte Bayer ursprünglich mit weniger gerechnet.

BASF übernimmt Teile des Bayer-Geschäfts

In zwei Tranchen muss sich der deutsche Konzern unter anderem von seinem Gemüse- und Feldsaatgutgeschäft, von Aktivitäten bei "Digital Farming" sowie vom weltweiten Geschäft mit Glufosinat-Ammonium trennen - insgesamt geht damit ein Umsatzvolumen von 2,2 Milliarden Euro an den Rivalen BASF. Der zahlt dafür rund 7,6 Milliarden Euro. Dem Verkauf stimmte die EU-Kommission Anfang Mai unter Auflagen zu. Gleichzeitig mit den US-Behörden teilte sie in der vergangenen Woche zudem mit, dass sie BASF für den geeigneten Käufer halte.

Einen großen Teil des Kaufpreises will Bayer mit Eigenkapital stemmen - ursprünglich war rund ein Drittel geplant. Darin sind unter anderem vier Milliarden Euro aus einer Pflichtwandelanleihe enthalten, die Bayer bereits im November 2016 ausgegeben hatte. Die Käufer können die Anleihe also zu einem bestimmten Zeitpunkt in Aktien umwandeln. Zudem erwarb der Singapur-Staatsfonds Temasek 3,6 Prozent der Bayer-Aktien für rund drei Milliarden Dollar, die ebenfalls der Eigenkapitalseite zugutekommen. Als jüngste Maßnahme verkündete Bayer eine lange angekündigte Kapitalerhöhung von sechs Milliarden Euro. Über die Höhe war vielfach spekuliert worden.

Ab 2022 rechnet Bayer damit, dass die Übernahme jährlich 1,2 Milliarden Dollar zum operativen Ergebnis (Ebitda) beiträgt.

Mit dem Monsanto-Kauf übernimmt Bayer auch hohe Schulden und Risiken. Monsanto werden ruppige Geschäftsmethoden vorgeworfen. Der Konzern steht zudem für sein Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat in der Kritik, das Sammelkläger und einige Studien für krebserregend halten.

mmq/dpa/Reuters