Ärger für Bayer Grüne fordern EU-Veto gegen Monsanto-Übernahme

An diesem Dienstag soll die Fusion von Bayer und Monsanto besiegelt werden. Doch die Grünen wollen den 66-Milliarden-Dollar-Deal nicht hinnehmen - und protestieren mit einem Brief an die EU-Kommission.
Monsanto-Maisfeld auf Hawaii

Monsanto-Maisfeld auf Hawaii

Foto: Matthew Thayer/ AP

Es wäre die größte Fusion eines deutschen Unternehmens seit Jahren: Der Chemieriese Bayer will den umstrittenen US-Agrarkonzern Monsanto übernehmen. An diesem Freitag könnte eine wichtige Hürde genommen werden, wenn die Aktionäre des US-Konzerns am Stammsitz in St. Louis zusammenkommen und darüber abstimmen, ob sie der Übernahme zustimmen. Doch sowohl Finanzexperten als auch grüne Gentechnik-Gegner stehen dem geplanten Zusammenschluss kritisch gegenüber - aus ganz verschiedenen Gründen, versteht sich.

Während die einen kein überzeugendes Geschäftsmodell ausmachen, geißeln die anderen die Entstehung eines industriellen Konglomerates aus Düngemittel- und Pestizidproduzenten zulasten der Umwelt und der einfachen Bauern.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hat nun, rechtzeitig zur Versammlung in St. Louis, zusammen mit einer Reihe von Parlamentariern einen Brief an die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager verfasst. In dem Schreiben, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, appellieren die Grünen an die dänische EU-Kommissarin, "die Spirale der Hochfusionierung im Agrochemiemarkt zu stoppen". Ihr Argument ist die bereits jetzt hohe Konzentration bei Unternehmen, die Saatgut und Pflanzenschutzmittel produzieren.

74 Prozent des weltweiten Pestizidmarktes machten sechs Konzerne unter sich aus, 71 Prozent des Saatgutmarktes teilen sich sieben Unternehmen. "Diese könnten gegenüber Landwirten und Verbraucherinnen und Verbrauchern deutlich höhere Preise durchsetzen und auch viel leichter Preise untereinander absprechen", befürchten die Grünen-Abgeordneten und hoffen nun, dass Vestager mit dem Kartellrecht verhindert, dass es zu dem Zusammenschluss kommt.

"Glyphosat ist Gift für Teller und Natur"

Umweltverbänden und den Grünen ist der 66-Milliarden-Dollar-Deal ein Dorn im Auge, weil sie eine Verstärkung jenes Trends in der industriellen Landwirtschaft vorhersagen, bei dem Pflanzen gentechnisch so verändert werden, dass ihnen ein spezielles Pestizid nichts ausmacht - was meist vom selben Hersteller angeboten wird.

Damit würde "die Abhängigkeit der Erzeuger von einzelnen Firmen" zementiert, so die Grünen in ihrem Brandbrief nach Brüssel. "Glyphosat ist Gift für Teller und Natur, Gentechnik eine Cashcow der Konzerne mit enormen Risiken für unsere Umwelt und Gesundheit", sagte Grünen-Fraktionschef Hofreiter SPIEGEL ONLINE.

Die Abstimmung der Monsanto-Aktionäre in St. Louis ist ein wichtiger Schritt zur Bildung des neuen Konzerns. Die Zustimmung gilt als relativ sicher, weil die Aktionäre rund 25 Prozent mehr Geld pro Aktie erhalten sollen als das Papier derzeit wert ist. Bayer-Chef Werner Baumann erhofft sich aus dem Zusammenschluss Einsparungen von eineinhalb Milliarden Dollar und ein starkes Wachstum, parallel zu der wachsenden Weltbevölkerung, die es zu ernähren gilt.

Viele Investoren scheinen die Euphorie Baumanns nicht nachvollziehen zu können. Die Bayer-Aktie hat seit Ankündigung der Fusion im Mai mehr als fünf Prozent an Wert verloren - der deutsche Leitindex Dax der 30 größten börsennotierten Unternehmen legte im gleichen Zeitraum um rund zwölf Prozent zu.

Die Hoffnung der Grünen, über das Kartellrecht gegen den Deal vorzugehen, speist sich aus dem Ruf Vestagers, unerschrocken auch gegen Wirtschaftsgiganten aus den USA vorzugehen. Die Sozialdemokratin aus Dänemark hat unter anderem ein neues Verfahren gegen Google wegen Missbrauchs seiner marktbeherrschenden Stellung angestrengt.

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