BayernLB Chef beklagt "widerwärtige Vergangenheitsbewältigung"

Deutliche Worte eines enttäuschten Spitzenbankers: Der Chef der BayernLB, Gerd Häusler, spricht in einem Interview von der "widerwärtigen Vergangenheitsbewältigung" der Skandalbank und den "riesigen Schatten der Vergangenheit" bei dem staatlichen Institut. 

BayernLB: Mehr Zukunft als Verganenheit?
DPA

BayernLB: Mehr Zukunft als Verganenheit?


München - Es ist ein offenes Interview, das zeigt, wie tief der Frust bei BayernLB-Chef Gerd Häusler sitzt. Im Gespräch mit der "Passauer Neuen Presse" gestand der Vorstandschef, der Fall Gribkowsky habe das Institut kalt erwischt. Die Bank sei schockiert über das eingeleitete Ermittlungsverfahren.

Die Ermittler werfen Ex-Vorstand Gerhard Gribkowsky vor, 50 Millionen Dollar für sein "Entgegenkommen" beim Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB 2006 bekommen zu haben. Laut Häusler bestanden keine Geschäftsbeziehungen zwischen der Bank und den privaten Stiftungen von Gribkowsky. Die 50 Millionen Dollar waren über Umwege an eine Firma des Ex-BayernLB-Vorstands in Österreich geflossen und dann in eine private Stiftung eingebracht worden.

Gribkowsky sitzt seit mehr als einer Woche in Untersuchungshaft und schweigt nach Angaben der Staatsanwaltschaft bisher zu den Vorwürfen. Häusler versprach, die Aufklärung des Falls zu unterstützen.

Immerhin macht die Bank wieder Gewinn

In Zusammenhang mit den zurückliegenden Skandalen wie dem milliardenschweren Fehlkauf der österreichischen Hypo Group Alpe Adria (HGAA) sprach Häusler von einer "widerwärtigen Vergangenheitsbewältigung". "Vor Weihnachten war ich optimistisch gewesen, dass wir uns jetzt endlich voll auf die Zukunft der Bank konzentrieren können, und die Altlasten weitestgehend hinter uns liegen", gestand er.

Häusler, der die BayernLB erst seit April vergangenen Jahres führt, sagte, er gebe unumwunden zu, dass er nicht erwartet habe, "solch riesige Schatten der Vergangenheit anzutreffen". Für 2011 hofft er auf weniger Vergangenheitsbewältigung und mehr Zukunftsgestaltung.

Häusler kündigte an, die neue BayernLB sei 2010 wieder deutlich in die Gewinnzone zurückgekehrt. Die Neuausrichtung der Bank sei zu etwa drei Vierteln durchgezogen.

böl/dpa-AFX

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Seite 1
plasmopompas 14.01.2011
1. ...
Der arme Herr Häusler! Ich werde ein Tränchen in meine Tränenvase für ihn fallen lassen.
intenso1 14.01.2011
2. ....
Zitat von sysopDeutliche Worte eines enttäuschten Spitzenbankers: Der Chef der BayernLB, Gerd Häusler,*spricht in einem Interview*von der*"widerwärtigen Vergangenheitsbewältigung" der Skandalbank und den*"riesigen Schatten der Vergangenheit"*bei dem staatlichen Institut.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,739451,00.html
Ja kein Blick zurück. Die paar Milliarden Euro, wer danach fragt begeht eine "widerwärtige Vergangenheitsbewältigung". Es ist doch schon klar, dass der Steuerzahler dafür einspringt, also was sollen solche Fragen noch? Schuldige gibt es weder in der Bank noch in der Politik.
kundennummer 14.01.2011
3. PETRONIUS - Die Tränenphiole
Zitat von sysopDeutliche Worte eines enttäuschten Spitzenbankers: Der Chef der BayernLB, Gerd Häusler,*spricht in einem Interview*von der*"widerwärtigen Vergangenheitsbewältigung" der Skandalbank und den*"riesigen Schatten der Vergangenheit"*bei dem staatlichen Institut.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,739451,00.html
Dieser arme, arme, wahrlich bedauernswerte Mann! Welch schweres Creutz er zu schultern hat, oh weh und ach. All dies für schändlich schlechtes Salär, gewisslich muß er ÖPNV fahren! Ö P N V !! Im Geiste christlicher Nächstenliebe stelle ich mich als Vorstand zur Verfügung, gerne zu den Gribkowsky-Konditionen. Malus allerdings ist das ich kein Parteigenosse bin, hier wohl idealerweise CSU. Aber das ist sicher kein Problem denn persönliche hafte ich natürlich nicht! Aber gerne übernehme ich die "politische Verantwortung"!
fridericus1 14.01.2011
4. So so...
... der Herr ist also enttäuscht. Enttäuscht darüber, dass wöchentlich neue erschütternde Details über die krachende Unfähigkeit und Korruptheit seiner Vorgänger und deren sogenannter Kontrolleure ans Tageslicht kommen und UNVERSCHÄMTERWEISE der Besitzer der Bank, nämlich die Bürger des Landes Bayern, Rechenschaft über den Verbleib ihrer Steuermittel haben wollen? Was hat er denn geglaubt, was für einen Posten er übernimmt? Hat er gedacht "Jetzt ist mal langsam gut, jetzt richten wir uns wieder in bayerischer Gemütlichkeit ein und freuen uns auf unsere Vertragsendezahlung"? Diese ganzen Figuren, die ihren Posten der Duldsamkeit (oder besser gesagt: Blödheit) der Bürger verdanken, sollten einfach nur mal die Klappe halten, ihre Aufgaben erledigen und jeden Monat "Danke" sagen für die viele Kohle, die ihnen rübergeschoben wird. Und ansonsten jeden nur denkbaren Beitrag leisten bei der Auklärung der ungeheuerlichen Vorgänge der Vergangenheit. Dieses ganze Gewinsel bei den Staatsbanken, diese "Schlußstrich"-Debatten, geht mir sowas von auf den Geist!
rentnerin 14.01.2011
5. Häusler
Das ist doch symptomatisch für unsere sogenannten Eliten, arrogant, borniert und unbelehrbar das ach so harte Schicksal beklagen - dies aber sehr gut dotiert. Die Schulden werden sozialisiert und bisher wurde keiner dieser Gestalten zur Verantwortung gezogen. Und die Meanstreammedien auch der Spiegel - begleiten dies mit mehr oder weniger verständnisvoller Kommentierung.
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