Prozess gegen Ex-Vorstand BayernLB kann nur auf wenig Schadensersatz hoffen

Ungünstige Aussichten für die BayernLB: Der Landesbank droht im 200-Millionen-Euro-Prozess gegen den gesamten früheren Vorstand eine Schlappe. Nur zwei der acht Ex-Manager sollen möglicherweise zahlen.
Auftakt im BayernLB-Prozess: Armada von Anwälten

Auftakt im BayernLB-Prozess: Armada von Anwälten

Foto: Frank Leonhardt/ dpa

Der BayernLB droht im Streit mit früheren Vorständen über den verlustreichen Kauf der Kärntner Bank Hypo Alpe Adria eine schwere Niederlage. Zum Auftakt des Schadensersatzprozesses vor dem Münchner Landgericht machten die Richter deutlich, dass sie lediglich zwei von acht Ex-Managern für möglicherweise schadensersatzpflichtig halten. Die Landesbank will von ihren ehemaligen Vorständen 200 Millionen Euro Schadenersatz. Die Richter schlugen nun einen Vergleich in Höhe von 25 Millionen Euro vor.

Die BayernLB hatte die Manager um Ex-Bankchef Werner Schmidt verklagt, weil sie bei der Übernahme der österreichischen Skandalbank Hypo Alpe Adria im Jahr 2007 fahrlässig gehandelt haben sollen. Das Abenteuer mit der Bank brachte der BayernLB 3,7 Milliarden Euro Verlust. Schmidt und andere Vorstände wie der heutige Bankenverbandschef Michael Kemmer sollen den Kauf nicht ausreichend geprüft, den Verwaltungsrat nicht richtig informiert und Warnungen vor Risiken in den Wind geschlagen haben.

Das Landgericht sieht jedoch nur bei Schmidt und dem früheren Risikovorstand Gerhard Gribkowsky - der sich wegen dubioser Geschäfte rund um die Formel 1 auch in einem Strafprozess verantworten muss - Versäumnisse, die einen Schadensersatzanspruch begründen könnten. Sie saßen damals wie Ex-Finanzvorstand Kemmer im Lenkungsausschuss der BayernLB und trugen somit besonders viel Verantwortung für den Kauf. Als die Bank Kemmer im Dezember 2009 vor die Tür setzte, verzichtete sie jedoch weitgehend auf mögliche spätere Ansprüche. Davon profitiert der Verbandschef nun.

Ob und wie viel Geld nun tatsächlich an die BayernLB fließt, hängt vor allem davon ab, ob die Versicherungen der Ex-Vorstände den Vergleichsvorschlag annehmen und den Schaden begleichen. Ein Vertreter der XL Insurance wollte sich dazu nicht konkret äußern. "Es ist ganz gut gelaufen", sagte er lediglich.

Todesstoß für das Strafverfahren

Eine Niederlage droht neben der BayernLB nun auch der Münchner Staatsanwaltschaft. Sie hat die acht Ex-Vorstände wegen Untreue beim Kauf der Hypo Alpe Adria verklagt. Die Einschätzung des Zivilgerichts, dass es sich bei den Versäumnissen von Schmidt und Gribkowsky wohl nur um leichte und nicht um grobe Fahrlässigkeit handelt, nährt die Hoffnung der Ex-Banker, dass ihnen Geld- oder Gefängnisstrafen wegen Untreue erspart bleiben. "Das ist der Todesstoß für das Strafverfahren", hieß es in Anwaltskreisen nach der Verhandlung am Dienstag.

Lediglich der frühere Finanzmarkt-Vorstand Dieter Burgmer war persönlich vor Gericht erschienen, die übrigen Manager ließen sich von einer Armada von Anwälten vertreten. Allein die BayernLB als Klägerin hatte acht Anwälte aufgeboten.