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20. Mai 2019, 07:01 Uhr

Wirtschaftliche Entwicklung

Industrieverband lobt überdurchschnittliche Erfolge in Ostdeutschland

Seit der Wende vor 30 Jahren hat die Wirtschaft in den neuen Bundesländern enorm aufgeholt. Der Industrieverband BDI sieht diese Bilanz aber gefährdet, sollte es nicht gelingen, mehr Arbeitskräfte im Osten anzusiedeln.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie hat die Entwicklung der ostdeutschen Wirtschaft seit dem Mauerfall positiv hervorgehoben. "Nach der Wiedervereinigung betrug das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf gerade ein Drittel des westdeutschen Niveaus, heute liegt es bei fast 75 Prozent", sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Holger Lösch.

"Das Pro-Kopf-Einkommen hat sich mehr als verdoppelt, die Produktivität stieg um das Vierfache", sagte er vor Beginn des Ostdeutschen Wirtschaftsforums im brandenburgischen Bad Saarow. Überdurchschnittliche Erfolge gebe es in der Infrastrukturausstattung, in der Wohnqualität und im Umweltschutz.

Allerdings herrsche in Ostdeutschland ein akuter Fachkräftemangel, warnte Lösch. Daher müssten Weiterbildung und Qualifizierung intensiviert werden. "Aber auch die Attraktivität für Zuwanderung muss erhöht werden", sagte Lösch. "Offene oder latente Fremdenfeindlichkeit erweist ganzen Regionen einen Bärendienst."

Außerdem stagniere der wirtschaftliche Aufholprozess in Ostdeutschland derzeit, so Lösch weiter. "Das liegt unter anderem an der kleinteiligeren Wirtschaftsstruktur sowie am Fehlen großer Unternehmen und Konzernzentralen zwischen Ostsee und Erzgebirge, was der langen Teilung geschuldet ist."

Neue EU-Mittel für den Osten?

Ab diesem Montag diskutieren Vertreter aus Wirtschaft und Politik im brandenburgischen Bad Saarow über die Zukunftsperspektiven des Wirtschaftsstandorts Ostdeutschland. An der zweitägigen Konferenz nehmen neben Wirtschaftsminister Peter Altmaier auch mehrere Länder-Ministerpräsidenten teil.

Ostdeutschland wird sich nach Überzeugung von Altmaier wieder zu einer starken Industrieregion entwickeln. Der CDU-Politiker setzt dabei aber auf eine weiter starke Förderung mit EU-Mitteln. "Eine erfolgreiche Industrialisierung in Ostdeutschland kann nur in Zusammenarbeit und mit Unterstützung der EU gelingen", sagte Altmaier. "Ich setze mich deshalb für den Erhalt der EU-Strukturfondsmittel für die neuen Bundesländer in der nächsten Förderperiode ab 2021 ein."

Oberstes Ziel sei es, zukunftsfähige Arbeitsplätze in den neuen Ländern zu schaffen, sagte Altmaier. Dies solle erreicht werden durch die Förderung unternehmerischer Investitionen, den Ausbau von Infrastruktur und durch Ansiedlung von Bundes- und Forschungseinrichtungen.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) begrüßte Altmaiers Zusage. Er warnte, durch den Austritt Großbritanniens aus der EU und die Veränderung der Förderkriterien drohe den neuen Bundesländern der Verlust von bis zu 60 Prozent der europäischen Strukturfondsmittel.

kko/dpa/dpa-AFX

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