Mögliche Angriffe auf Satelliten »Europas eigentlicher Schwachpunkt liegt im All«

Wegen des Anschlags auf die Ostseepipelines streiten Regierungen fieberhaft über besseren Schutz für Leitungen durch die Meere. Die größte Gefahr liegt nach Einschätzung des Industrieverbands BDI aber woanders.
Illustration von Satelliten: Für das Finanzsystem von zentraler Bedeutung

Illustration von Satelliten: Für das Finanzsystem von zentraler Bedeutung

Foto:

Ingo Wagner / dpa

Die Ermittlungen nach der Sabotage der Gaspipelines Nord Stream 1 und 2  laufen – und die Behörden sorgen sich vor weiteren Angriffen auf die kritische Infrastruktur an Land und im Meer. Die deutsche Industrie warnt nun jedoch auch vor gezielten Attacken im Weltraum.

»Europas eigentlicher Schwachpunkt liegt nicht auf dem Meeresboden, sondern im All«, sagt Matthias Wachter, Abteilungsleiter Sicherheit des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), dem »Handelsblatt«. Als mögliche Angriffsziele sieht Wachter Satelliten und deren Bodenstationen.

Wird dieses Netzwerk im größeren Umfang sabotiert, dann bricht ein integraler Bestandteil des globalen Datentransfers zusammen – mit weitreichenden Folgen. Über Satelliten wird die zivile und militärische Kommunikation geleitet sowie etwa Signale für Navigationsdienste. Eine Störung würde aber auch die Abwicklung von Geldtransfers und den Aktienhandel beeinträchtigen.

Estland fordert bessere Unterwasser-Überwachung in der Ostsee

Für das Finanzsystem ist der Datenaustausch über die Stationen im All von zentraler Bedeutung, wie Wachter sagt, der zugleich Geschäftsführer der BDI-Initiative New Space ist. Gerade in der Abwicklung von Kapitaltransfers, etwa in Verbindung mit Aktiengeschäften, erfolgt ein Abgleich von Zeit und Daten über Satelliten. Wachter: »Fallen diese aus, könnte das gesamte Finanzsystem massiv beeinträchtigt werden.«

Wegen des Anschlags auf die Ostseepipelines verlangt der estnische Verteidigungsminister Hanno Pevkur unterdessen eine gemeinsame Überwachung des baltischen Meeres durch die Nato. »Die Nato betreibt seit Jahren ›air policing‹, also Luftraumüberwachung, über der Ostsee«, sagte er der »Zeit« .

Man solle nun auch über »sub policing« nachdenken – unter Wasser. Die Meere seien unter der Oberfläche bisher nicht gut genug geschützt. Dabei setze man auch auf Aufklärungsfähigkeiten der Nato-Beitrittsländer Finnland und Schweden.

Unterdessen hat der Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes, Stephan Kramer, vor russischen Attacken auf die kritische Infrastruktur gewarnt. »Mit zunehmender Dauer und Eskalation des Krieges werden auch Angriffe gegen den Westen und speziell gegen die Infrastruktur des Westens immer wahrscheinlicher«, sagte er dem »Handelsblatt«. »Wir registrieren entsprechende Angriffe im Verbund der Sicherheitsbehörden seit Monaten.«

Es gehe auch darum, die Unterstützung der Ukraine für den Westen so teuer wie möglich zu machen und schließlich gesellschaftlich und politisch infrage zu stellen. »Das kann sowohl digital wie analog geschehen«, wird Kramer zitiert. »Alles und jeder kann zur Waffe werden, darauf müssen wir uns endlich einstellen.«

apr
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.