Pimco Investmentgigant verpflichtet Ex-US-Notenbankchef Bernanke

Der frühere Chef der US-Notenbank berät künftig eine der größten Fondsgesellschaften der Welt. Neuer Arbeitgeber von Ben Bernanke ist die Allianz-Tochter Pimco.

Ex-Fed-Chef Bernanke (2010): "Dabei bleibt es"
REUTERS

Ex-Fed-Chef Bernanke (2010): "Dabei bleibt es"


Für die Finanzwelt ist es eine spektakuläre Personalie. Ex-US-Notenbankchef Ben Bernanke wird Berater von Pacific Investment Management, kurz Pimco. Das gab der Finanzgigant am Mittwoch bekannt. Zu Bernankes Aufgaben gehören demnach auch direkte Treffen mit wichtigen Kunden.

Acht Jahre lang, von 2006 bis 2014, stand Bernanke der US-Notenbank Federal Reserve, kurz: Fed, vor. Während der Weltfinanzkrise wurde er durch sein Krisenmanagement berühmt. Pimco ist eine Tochter des deutschen Versicherungsriesen Allianz Chart zeigen und gilt als größter Anleiheninvestor der Welt.

Insgesamt verwaltete Pimco Ende März Anlagen in Höhe von 1,59 Billionen Dollar. Ende vergangenen Jahres verließ der Starinvestor Bill Gross nach 43 Jahren das Unternehmen, im Anschluss zogen Kunden hohe Summen ab, bislang unter dem Strich 123,5 Milliarden Dollar.

Erst vor zwei Wochen war ein weiteres Engagement Bernankes als Berater bekannt geworden, für den 25 Milliarden Dollar schweren Hedgefonds Citadel Investment Group. Er werde keine weiteren Wall-Street-Firmen beraten, sagte Bernanke der Nachrichtenagentur Reuters. Zudem hat der Ex-Fed-Chef noch einen Posten bei der Denkfabrik Brookings.

Bernanke bestreitet Interessenkonflikt

"Das war's", sagte Bernanke, "mehr wird es nicht geben." Seine Auftraggeber Pimco und Citadel würden es nicht gerne sehen, wenn er weitere Firmen beraten würde. Wie viel Geld Bernanke für seine Beratung erhält, bleibt offen. Ein Schnäppchen dürfte er für Pimco wohl nicht sein. Für einzelne Redeauftritte im vergangenen Jahr kassierte Bernanke bis zu 250.000 Dollar, nachdem er zuvor als Notenbankchef lediglich 200.000 Dollar im Jahr verdient hatte.

Einen Interessenkonflikt zwischen seiner früheren Position und der Tätigkeit für Pimco bestreitet Bernanke. "Die Fed hat nicht die Aufsicht über Pimco oder den Mutterkonzern oder irgendein anderes Unternehmen, das mit Pimco verbunden ist", sagte Bernanke Reuters. Das gleiche treffe auch auf den Hedgefonds Citadel zu. Zudem werde er in keiner Weise ins Lobbying beim US-Kongress oder seinem ehemaligen Arbeitgeber, der Fed, eingebunden.

Bernanke ist nicht der erste US-Notenbankchef, der im Anschluss an seine Amtszeit Aufträge von Pimco erhält. Sein Vorgänger Alan Greenspan fungierte von 2007 bis 2011 als Berater für die Allianz-Tochter.

ssu/fdi

insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Kater Bolle 29.04.2015
1. Paßt doch...
Bin gespannt, wo wir Herrn Draghi später wiederfinden. Könnte ja auch in das "Druckerei" Gewerbe wechseln. Herr Bernanke hat sich ja um die US Finanzindstie verdient gemacht. Er hat sicher immer noch sehr gute Beziehungen zu Notenbank und auch eine "Belohnung" verdient. Eine Hand wäscht die andere.
Untertan 2.0 29.04.2015
2. Kein Wunder
Nachdem er bei der Notenbank so gute Arbeit für die Investment-Giganten geleistet hat, soll er auch entsprechend belohnt werden. Korruption nennt man das nur bei kleinen Fischen...
rickmarten 29.04.2015
3. Kluger Schachzug der Allianz
Hier zeigt sich die Klasse und weltweite Reputation der Allianz. Kurz vor der Hauptversammlung mit dem Führungswechsel ist das ein cleverer Schachzug.
Hornblower, 29.04.2015
4. hat der nicht
die USA gerettet? Ich denke doch!
Werner655 29.04.2015
5. Gigantische Summen für eine Stunde Blabla...
Zitat von Untertan 2.0Nachdem er bei der Notenbank so gute Arbeit für die Investment-Giganten geleistet hat, soll er auch entsprechend belohnt werden. Korruption nennt man das nur bei kleinen Fischen...
Das offizielle Vergüten von Bestechungsgeldern in Form von hohen bis gigantischen Summen für Reden, bezeichnet der Ex-ARD-Korrespondent Hörstel öffentlich und regelmäßig als "glasklare Korruption". Das betrifft nicht nur die Finanzmafia, sondern auch die anderen Branchen dieser "kriminellen Vereinigung", so Hörster. Dazu zählen ihm zufolge auch Politik, Medien, Rüstung, Pharma, Gesundheit.
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