Berliner Flughafendesaster Mehdorns "Management by Terror"

Am 11. März ist Hartmut Mehdorn ein Jahr Chef der Berliner Flughafengesellschaft. Was hat er seitdem geschafft? Nicht viel, ein normaler Angestellter hätte mit einer solchen Bilanz die Probezeit wohl nicht bestanden.
Flughafenchef Mehdorn: Große Ankündigungen, nicht viel Positives

Flughafenchef Mehdorn: Große Ankündigungen, nicht viel Positives

Foto: Ralf Hirschberger/ dpa

Berlin - Als Hartmut Mehdorn vor knapp einem Jahr die Führung der Berliner Flughafengesellschaft übernahm, galt er als Hoffnungsträger. Nur ein rustikaler Macher von seinem Schlage könne ein verfahrenes Projekt wie den Flughafen in Schönefeld wieder aus dem Dreck ziehen, warb sinngemäß der damalige Aufsichtsratschef und brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck. Platzeck hatte den 71-jährigen Ex-Air-Berlin- und Ex-Bahn-Chef angeworben.

Ein Jahr später sind die Lobeshymnen verhallt - und niemand würde sie noch einmal anstimmen. "Es gibt nicht viel Positives, was nach dem Jahr übrig bleibt", sagt Martin Delius von der Piratenpartei, der dem Debakel um den neuen Flughafen als Vorsitzender des Untersuchungsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus auf den Grund geht. "Er hat angefangen mit großen Ankündigungen und markigen Worten. Umgesetzt hat er davon bisher kaum etwas."

Tatsächlich sieht die Bilanz von Mehdorn ziemlich dürftig aus. Der neue Hauptstadtflughafen ist nach wie vor eine riesige Baustelle, auf der sich kaum etwas bewegt. Schuld sind aus Mehdorns Sicht immer die anderen: Die Aufsichtsräte, die Landesregierung von Brandenburg, die Bürokratie. Dabei ist die Liste seiner eigenen Versäumnisse lang:

  • Verlässliche Planung:

    Im Normalfall gehören ein valider Finanzplan und die Organisation der Abläufe zur Arbeitsplatzbeschreibung eines Managers. Doch mit seinem Amtsantritt erhob Mehdorn diese selbstverständlichen Aufgaben zu einem wichtigen Etappenziel der ersten Monate seiner Amtszeit. Die Basis, die Technikgeschäftsführer Horst Amann geschaffen hatte, war ihm jedoch bald zu kleinteilig und zu kompliziert. Amtsführung nach Art eines Buchhalters war schließlich nichts für den Bauchmenschen Mehdorn. Ergebnis: Auch nach einem Jahr ist der Termin für die Eröffnung des Flughafens nicht einmal in Umrissen erkennbar. Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer ist schon froh, wenn die ersten Flugzeuge mit dem Wechsel zum Sommerflugplan 2016 von Schönefeld aus starten.

    Beim Thema Finanzen sieht es nicht viel besser aus. Offiziell ist immer noch von 4,6 Milliarden Euro die Rede. Mehr als eine Milliarde davon ist noch nicht abgerufen, weil derzeit auf der Baustelle kaum gearbeitet wird. Unabhängig vom Baufortschritt kostet die Flughafengesellschaft jeder Monat Verzögerung rund 35 Millionen Euro. Am Ende dürfte das Projekt weit mehr als fünf Milliarden Euro gekostet haben. Aber genau weiß das niemand.

  • Baufortschritt:

    Mehdorns "Management by Terror" verfing bei den Mitarbeitern der Flughafengesellschaft ebenso wenig wie die Geheimniskrämerei seines Amtsvorgängers Rainer Schwarz. Auf der Baustelle wurden ein paar Container verrückt und gründlich saubergemacht - ansonsten tat sich kaum etwas. Immerhin zeichnet sich ein Fortschritt für den Umbau der Entrauchungsanlage ab, die das zentrale Problem des Flughafenneubaus darstellt. Siemens erklärte sich bereit, das komplizierte Gebilde neu zu programmieren. Dafür hat sich der Konzern allerdings einen Zeitraum von 18 Monaten ausbedungen - nach Abschluss der notwendigen Vorarbeiten. Die aber sind erst zu einem Bruchteil abgearbeitet.

  • Nordpier:

    Der Testbetrieb am Nordpier galt als eines der Lieblingsprojekte Mehdorns. Hier sollten nach den Vorstellungen des Flughafenchefs schon einmal die Abläufe erprobt werden, um Erfahrungen für den Alltag zu gewinnen. Doch kaum ein Experte wollte verstehen, wozu die teuren provisorischen Umbauten gut sein sollten. Die Abläufe an sich könne man schließlich auch in Tegel studieren, oder an jedem anderen Flughafen dieser Welt. Am Ende scheiterte der Plan am Widerstand von Aufsichtsratschef Klaus Wowereit.

  • Sanierung der Startbahn Nord:

    Die Idee schien an und für sich ganz plausibel. Während die Arbeiten im Terminal laufen, könnte doch bereits die betagte Startbahn Nord, die derzeit vom alten Flughafen Schönefeld genutzt wird, instand gesetzt werden. Auf diese Weise ließe sich die aufwendige Sanierung während des Flugbetriebs vermeiden. Die Billigflieger könnten in der Zeit ja auf die neu gebaute Startbahn Süd ausweichen, die bereits fertiggestellt ist. Doch Mehdorn vergaß, Bevölkerung und Planungsbehörden in die Idee mit einzubeziehen. Entsprechend deftig fiel die Klatsche aus: Das Bauamt verfügte, dass zuerst die Frage des Schallschutzes mit den vom Lärm betroffenen Anwohnern zu klären sei. Das aber dauert: Mehdorn muss den Plan deshalb auf das Frühjahr 2015 verschieben.

Angesichts der vielen Fehlschläge fragen sich viele in der Hauptstadt, wie lange sich Mehdorn wohl noch auf seinem Posten halten kann. Ein normaler Angestellter hätte mit einer solchen Bilanz die Probezeit wohl kaum bestanden - Spitzenmanager wie Mehdorn haben erst gar keine. Politiker Delius glaubt ohnehin, dass Mehdorn lange bleibt. "Man kann ihn nicht austauschen. Das hat er unfreiwillig geschafft. Er hat sich unentbehrlich gemacht." Auch Wowereit sprach ihm jüngst noch einmal demonstrativ sein Vertrauen aus - auch weil er niemanden hat, der es besser machen könnte.

Anmerkung der Redaktion:

In einer früheren Version hieß es, Heike Fölster sei nicht mehr Finanzchefin der Flughafengesellschaft. Tatsächlich handelt es sich um Chefplanerin Regina Töpfer, die von Mehdorn aus dem Amt gedrängt wurde. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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