Korruptionsvorwürfe am Berliner Airport Baufirma soll BER-Manager mit Millionen bestochen haben
Hauptstadtflughafen BER: Unbürokratische Auszahlung
Foto: Patrick Pleul/ dpaBerlin - Beim Berliner Hauptstadtflughafen BER lief wieder einmal gar nichts rund. Im November hatte ein Brandschutztest im Terminal keinen Zweifel daran gelassen, dass die Brandschutzanlage nicht funktions- und genehmigungsfähig ist. Zudem drohten beteiligte Unternehmen damit, die Arbeiten ruhen zu lassen, wenn nicht die Flughafengesellschaft finanziell nachbessere. "Das war reine Erpressung", erinnert sich ein früherer BER-Mitarbeiter an die Situation am Ende des Jahres 2012.
Die Flughafengesellschaft steckte in der Zwickmühle. Die Gesellschafter - der Bund, sowie die Länder Berlin und Brandenburg - wollten endlich Fortschritte am BER sehen. Damals war noch als Eröffnungstermin der Oktober 2013 angekündigt. Um dieses ehrgeizige Ziel auch nur theoretisch erreichen zu können, glaubten die BER-Manager offenbar, die Baufirmen bei Laune halten zu müssen. Allen voran den Ingenieurkonzern Imtech, der eine zentrale Rolle bei der Fertigstellung der Brandschutzanlage spielte.
Die Lösung fanden BER-Manager demnach im Dezember: Mit Imtech wurde vereinbart, vorfristig Nachtragsforderungen des Unternehmens in Höhe von 25 Millionen Euro zu begleichen, die von der Flughafengesellschaft aber noch gar nicht auf ihre Rechtmäßigkeit überprüft worden waren. Am 7. Dezember gab der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft die Zahlungen frei, um wohl die Arbeiten an der Brandschutzanlage zu beschleunigen und Imtech, die sich zu jenem Zeitpunkt in finanziellen Schwierigkeiten befand, die notwendige Liquidität zu sichern. Vier Tage vor dem Jahreswechsel 2012/2013 überwies die Flughafengesellschaft dem Unternehmen die 25 Millionen Euro.
Der Flughafen behält sich "rechtliche Schritte" vor
Doch die Staatsanwaltschaft geht nun dem Verdacht nach, ob ehemalige Imtech-Manager die unbürokratische Auszahlung durch Schmiergelder an einen damaligen Bereichsleiter befördert haben. Laut Aussage eines Imtech-Managers soll die Summe zwei Millionen Euro betragen haben, von denen 200.000 Euro an den damaligen BER-Manager sofort ausgezahlt worden seien.
Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Neuruppin bestätigte die Korruptionsermittlungen, wollte aber wegen der laufenden Ermittlungen zu Details keine Angaben machen. Auch der Anwalt des betroffenen Ex-Managers sowie die betroffenen Ex-Imtech-Mitarbeiter wollten zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen.
Ein Sprecher der niederländischen Imtech-Konzernmutter erklärte, das Unternehmen werde "umfassend mit den Ermittlungsbehörden kooperieren". Firmeninterne Untersuchungen hätten aber bisher Vorwürfe auf unrechtmäßige Zahlungen oder Bestechungsgelder nicht bestätigt.
Die Flughafengesellschaft war von den Vorwürfen bereits über ein anonymes Schreiben informiert worden, wie ein Sprecher bestätigte. Der Flughafen werde die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen unterstützen und behalte sich "rechtliche Schritte" gegen den ehemaligen Mitarbeiter vor, sollte der Flughafengesellschaft ein Schaden entstanden sein.
Erst im vorigen Jahr war der ehemalige BER-Technikchef der Korruption verdächtigt worden. Er akzeptierte im vergangenen Oktober einen Strafbefehl mit einer einjährigen Bewährungsstrafe und eine Zahlung in Höhe von 200.000 Euro, weil er die Vergabe eines Planungsauftrags an ein Schmiergeld von 350.000 Euro koppeln wollte, das als Beratungsleistung kaschiert werden sollte.